Nach der Explosion vor der Lütticher Synagoge verfügt die föderale Staatsanwaltschaft nach eigenen Angaben noch nicht über konkrete Hinweise zur Ursache des Vorfalls.
Wegen des möglichen terroristischen Hintergrundes habe man die Ermittlungen in dem Fall übernommen, bestätigte eine Sprecherin der föderalen Staatsanwaltschaft in der VRT. Die genauen Umstände des Vorfalls seien aber noch unklar.
Die Untersuchungen liefen auf Hochtouren. Unter anderem würden die Bilder von Überwachungskameras ausgewertet und Spuren am Tatort gesichert.
In der Nacht auf Montag hatte es vor der Synagoge in der Rue Léon Frédéricq eine Explosion gegeben. Der Vorfall ereignete sich kurz vor 4 Uhr morgens. Das jüdische Gebetshaus befindet sich in der Nähe des Einkaufszentrums Médiacité.
Verletzt wurde niemand, es entstand aber erheblicher Sachschaden. Mehrere Fensterscheiben in den gegenüber liegenden Gebäuden gingen zu Bruch.
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Quintin, De Wever und Demeyer verurteilen Anschlag
Premierminister Bart De Wever (N-VA) sagte, die Tat sei "ein Angriff auf unsere Werte und unsere Gesellschaft" und äußerte Solidarität mit der jüdischen Gemeinschaft in Belgien.
Innenminister Bernard Quintin (MR) verurteilte die Explosion vor der Lütticher Synagoge als "abscheuliche antisemitische Tat". Auch Bürgermister Willy Demeyer sprach von Antisemitismus, den seine Stadt auf das Schärfste verurteile.
Quintin besuchte den Tatort am Montagnachmittag. Dort traf er auch mit Vertretern der Sicherheitsdienste zusammen. Diese befänden sich seit der Eskalation im Nahen Osten nach den amerikanisch-israelischen Angriffen auf den Iran in "höchster Alarmbereitschaft", sagte der Innenminister.
Die Sicherheitsmaßnahmen rund um ähnliche Einrichtungen würden weiter verstärkt, sagte der MR-Politiker in der VRT. Wie genau, darüber werde das Nationale Krisenzentrum in Kürze beraten. Einzelheiten wolle er nicht bekanntgeben. Vor allem solle die Suche im Internet nach möglichen Gewaltaufrufen verstärkt werden.
Rabbiner der jüdischen Gemeinde warnt vor voreiligen Schlüssen
Der Rabbiner der jüdischen Gemeinde, Joshua Nejman, warnte vor voreiligen Schlüssen bei der Ermittlung der Ursachen. Seit er dieses Amt vor 25 Jahren übernommen habe, sei dies der erste derartige Vorfall, sagte Nejman.
Die Synagoge habe im Vorfeld keine Drohungen erhalten. Über die möglichen Hintergründe könne man derzeit nur spekulieren. Die Ermittlungen würden zeigen, ob der Täter psychisch gestört war oder ob es sich tatsächlich um einen antisemitischen Akt handele, so der Rabbiner.
belga/vrt/jp/rop