Ein möglicher Meteorit über Ostbelgien hat am Sonntagabend für zahlreiche Reaktionen in den sozialen Netzwerken gesorgt. Gegen 18:55 Uhr war die Himmelserscheinung über Belgien sichtbar. Auch aus Frankreich, den Niederlanden und Deutschland wurden Beobachtungen gemeldet. In Rheinland-Pfalz meldeten Zeugen den Einschlag von Trümmerteilen in Wohnhäuser.
Auch Gregor Rauw, Astronom an der Universität von Lüttich, hält es für wahrscheinlich, dass es sich bei dem Objekt um einen Meteoriten gehandelt hat. Komplett sicher könne man sich zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht sein. "Man muss da schon vorsichtig sein. Es dauert immer so ungefähr zwei Wochen oder einen Monat, bis man mit Sicherheit sagen kann, worum es sich genau gehandelt hat."
"Zum einen muss man jetzt in den beschädigten Häusern nach den Trümmerteilen suchen. Im Anschluss kann man die in einem geologischen Labor untersuchen, um festzustellen, ob es sich um Material handelt, das von einem künstlichen Satelliten stammt, oder von einem natürlichen Objekt im Sonnensystem."
Auch Zeugenaussagen müssten in die Untersuchung einbezogen werden, sagt Rauw. Die Liste möglicher Objekte, die auf der Erde eingeschlagen sein könnten, ist lang. Immer wieder fallen beispielsweise Teile von ausgebrannten Raketen oder Satelliten zurück auf die Erde. Generell müsse man damit rechnen, dass künftig immer wieder Weltraumschrott auf der Erde lande.
"Pro Tag fallen etwa 40 Tonnen Material aus dem Weltall auf die Erde herunter. Davon erreicht rund ein Drittel den Boden. Es ist aber so, dass die meisten Teile sehr klein sind, das sind dann Staubkörner, die zum Boden fallen. Selten ist das also nicht."
"Etwa einer von tausend Meteoriten, die den Boden erreichen, ist ein sogenannter Bolide. Von der Größe her reichen sie von einigen Zentimetern bis zu zehn, 15 oder 20 Zentimeter Durchmesser. Boliden können auch zersplittern, so wie es gestern vermutlich der Fall war. Zeugen in NRW und Rheinland-Pfalz haben die Detonationen hören können."
Auch die große Feuerkugel, die am Himmel zu sehen war, sei typisch für einen Boliden. Untypisch war jedoch, dass der Bolide alleine unterwegs war. "Meistens ist es so, dass Boliden mit einem Sternschnuppenregen verbunden sind. Das war gestern nicht der Fall. Hier handelt es sich um ein Einzelobjekt, das beispielsweise nicht von einem Kometen hinterlassen wurde."
Besonders sei hingegen gewesen, dass so viele Menschen den Feuerball am Himmel gesehen haben. Für viele wohl ein beeindruckender Anblick, den sie nicht so schnell vergessen werden.
Radio-Interview mit Gregor Rauw im Player:
Lindsay Ahn