Janina Dötzer dreht jeden Tag ihre tiermedizinische Runde durch den Park. Die muss vorher vorbereitet werden - jeden Tag steht etwas anderes auf dem Programm: "Heute steht einmal die Impfung von zwei Servalen an. Die haben nämlich eine Hautpilz-Erkrankung und die kriegen jetzt einen Impfstoff, der auch gleichzeitig als Therapeutikum dient. Und da sie sich nicht gerne anfassen lassen, müssen wir das heute mit dem Blasrohr tatsächlich machen."
Dass die Zoodirektorin diese Aufgaben übernimmt, ist nicht die Regel. Hier in Aachen war Janina Dötzer jedoch schon vor der Tätigkeit als Direktorin als Tierärztin angestellt. Bis die neue Tierärztin im April anfängt, übernimmt sie eine Doppelrolle. Ihre Tage sind dadurch sehr voll. "Morgens eigentlich immer wirklich Tierpark-Runde. Das heißt, ich mache zwischen neun und zehn alle tiermedizinischen Behandlungen, Nachkontrollen, Therapien etc. Das heißt, alles, was das Tagesgeschäft betrifft, mache ich dann immer vormittags, auch was Personal angeht oder Baustellenbesichtigung zum Beispiel. Und die Zeit für Strategieentwicklung, eine Vision oder um einen Masterplan zu erstellen, das ist dann immer erst im Nachmittag. Vorher kommt das Tagesgeschäft eigentlich immer dazwischen."
Mit geladenem Blasrohr geht es für Janina Dötzer an diesem Dienstag zu den Servalen. Die schwarz gefleckten Katzen ahnen schon, was auf sie zukommt und fauchen. Kurze Zeit später: Beide Pfeile sitzen und Janina Dötzer kann zum nächsten Patienten. Heute steht unter anderem auch noch das Fäden ziehen bei einem Graupapagei auf dem Programm.
So schön es bei dem Frühlings-Wetter auch ist, im Tierpark unterwegs zu sein: Der Job der Zoodirektorin findet auch viel am Schreibtisch statt. Telefonate führen, E-Mails beantworten, Planung mit den Kollegen - auch das gehört zum Alltag der Zoodirektorin dazu. Janina Dötzer will den Tierpark vor allem fit für die Zukunft machen. "Ich habe wahnsinnig Spaß daran, eine Vision für den Tierpark zu entwickeln und zu sagen: 'Wir sind ein moderner Zoo. Wo soll es hingehen?' Auch in Richtung Artenschutz, Forschung, Bildung, Animal Wellfare, also Tierwohl. Wo soll die Reise hingehen? Das zu entwickeln und mir Gedanken darüber zu machen, wie der Tierpark in 20 oder 25 Jahren ausschauen soll - das finde ich schon total toll und deswegen habe ich es auch gemacht."
Klimawandel, Artensterben - Themen, mit denen sich die Zoodirektorin auseinandersetzen muss, denn "da können wir nicht noch mal länger, 20 oder 25 Jahre warten, sondern müssen jetzt handeln. Und das ist auch meine Aufgabe, unser Konzept zu entwickeln, was wir tun können, um das Artensterben weiter zu verhindern. Was können wir hier vor Ort tun? Was können wir in den verschiedenen Artenschutzprojekten tun? Und ja, das macht Spaß und verunsichert einen auch. Aber es ist für die Zukunft."
Ihr Vorgänger Wolfram Graf-Rudolf war 26 Jahre lang der Zoodirektor in Aachen und hat sie gut in die neuen Aufgaben eingearbeitet. Nach wie vor darf sie ihn auch um Rat fragen. "Er hat mich auch in den letzten Monaten seiner Amtszeit noch so ein bisschen vorgeschickt. So dass er aber auch immer im Hintergrund war, dass ich ihn immer fragen konnte, was ich auch heute noch kann. Wir sind auch immer noch super gut in Kontakt und ich freue mich wirklich, dass wir so einen schönen Übergang gefunden haben, weil ich glaube, dass es nicht selbstverständlich ist."
Lena Orban



