Als Werner Paulus mit 20 Jahren als Lehrer nach Eynatten kam, war von großen Erfolgen noch keine Rede. In der Mittagspause langweilten sich die Kinder – besonders an regnerischen Tagen, wenn Fußball keine Option war. "Ich habe einfach ein Schachbrett mitgebracht und drei Kindern das Spiel beigebracht", erinnert er sich.
Aus drei Kindern wurde eine Bewegung: Heute spielen rund 100 Kinder allein an seiner Schule regelmäßig Schach. Eynatten entwickelte sich zu einer der erfolgreichsten Schachschulen Belgiens.
Internationale Erlebnisse und große Turniere
Auch sportlich blickt Werner Paulus auf eine beeindruckende Karriere zurück. 14 Teilnahmen am Europapokal gehören zu seinen größten Erfolgen. "Einmal sind wir Zehnter von 34 Mannschaften geworden. Gegen Teams aus Russland, der damaligen Sowjetunion, Ungarn oder Tschechoslowakei mitzuspielen – das war schon etwas Besonderes."
Doch nicht nur Platzierungen zählen für ihn. Besonders bewegend war die Teilnahme eines jungen Mädchens an der Jugend-Weltmeisterschaft in Rio de Janeiro. "Für sie war das das Erlebnis ihres Lebens. Vor der Christusstatue zu stehen und mit Kindern aus aller Welt Schach zu spielen – davon schwärmt sie heute noch, über 40 Jahre später." Dieser Moment gehört für Werner Paulus zu den drei schönsten Erlebnissen seiner gesamten Laufbahn.
Ein weiteres Highlight: eine Reise nach Kapstadt im Jahr 1981, eingeladen von einem befreundeten Schachverein. "Eine unglaubliche Atmosphäre – Schach am Kap der Guten Hoffnung. Das vergisst man nicht."
Mehr als nur Gewinnen
Schach ist für Werner Paulus weit mehr als ein Wettkampfsport. Er lernte das Spiel mit sieben Jahren von seinem Vater – und spielt es heute mit 78 noch immer. "Das Schöne am Schach ist: Man kann es ein Leben lang spielen."
Besonders wichtig ist ihm der respektvolle Umgang miteinander. "Nicht jeder muss ein großer Sieger sein. Jeder kleine Erfolg ist schön." Pokale motivieren die Kinder – doch entscheidend ist das gemeinsame Erlebnis.
In seinen Gruppen spielen Kindergartenkinder, Jugendliche und Senioren Seite an Seite. Über 200 Menschen kommen jede Woche zu den Trainings.
Humor als Schlüssel zum Erfolg
Was ist das Geheimnis, um über Jahrzehnte so viele Menschen für Schach zu begeistern? "Es muss lustig sein", sagt Werner Paulus. "Wenn ich nur ernst wäre und schimpfen würde, käme niemand." Mit Humor, Geduld und Begeisterung schafft er eine Atmosphäre, in der sich alle wohlfühlen.
Der Kontakt mit jungen Menschen hält ihn selbst jung. "Da lernt man Wörter wie mega oder krass. Das ist mega krass – und das hält frisch."
Eine Auszeichnung, die berührt
Die Ehrung für sein Lebenswerk erfüllt ihn mit Stolz – und ein wenig Nachdenklichkeit. "Meistens bekommt man solche Preise, wenn man alt wird", sagt er schmunzelnd. "Ich hoffe aber, auch wegen dessen, was ich geleistet habe."
Sein größter Verdienst? "Dass ich so vielen Menschen schöne Stunden geschenkt habe – mit Schach."
Christophe Ramjoie