Samstagmittag in einem Seminarraum des Triangel St. Vith: Um einen großen, weißen Tisch sitzen zehn Teilnehmer. Vor ihnen: Laptops. Heute heißt es: ausprobieren. Welche KI-Tools gibt es? Wie funktionieren sie? Wo liegen Chancen – und wo die Grenzen? Und vor allem: Wie kann KI im Alltag helfen?
Im Workshop werden Bilder und Videos generiert, sogar ein Karnevalssong entsteht. Der St. Vither Paul Bongartz testet unter anderem ChatGPT und lässt die KI eine Urlaubsreise für sich planen. "Ich fand die Vorschläge ganz interessant. Ich habe präzise Fragen gestellt und auch klare Antworten bekommen. Aber als ich nach den Kosten gefragt habe – da war ChatGPT dann doch überfordert", sagt Paul Bongartz.
Überforderung – ein gutes Stichwort. Denn bei all den Möglichkeiten, die KI-Tools bieten, stoßen auch Nutzer schnell an ihre Grenzen. Fotos, Videos, Lieder – was ist echt, was ist KI-generiert? Realität und Fiktion verschwimmen zunehmend. Der Kurs soll helfen, den Überblick zu behalten, erklärt Gerlinde Wächter vom Medienzentrum. "Bei den technischen Entwicklungen halten viele Menschen nicht mehr Schritt – oder glauben zumindest, dass sie es nicht tun. Sie suchen Informationen und Hilfe. Und wenn sie im Internet recherchieren, stoßen sie sofort auf KI. Deshalb ist es wichtig, persönliche Ansprechpartner zu haben – und einfach die Gelegenheit, selbst auszuprobieren", so Gerlinde Wächter.
Im Laufe des Seminars wird deutlich: Die Mehrheit sieht KI vor allem als Werkzeug. Ein mächtiges Werkzeug, das sowohl für gute als auch schlechte Zwecke genutzt werden kann. Einige blicken eher skeptisch in die Zukunft. Immer wieder fällt das Wort "Überrollt-Werden". Auch Nadine Grommes bleibt kritisch – sieht aber auch viele Chancen. Sie arbeitet seit rund 30 Jahren in der Bibliothek in St. Vith und organisiert dort Vorlesestunden für Kinder. "Im letzten Jahr hatten wir 52.490 Ausleihen von Büchern und Medien. Deshalb blicke ich positiv in die Zukunft. Es ist schön zu sehen, dass gerade bei Kindern das Buch weiterhin gefragt ist. Ganz ohne Computer wird es nicht gehen – aber wichtig ist, dass man sich immer wieder viele Fragen stellt", sagt Nadine Grommes.
Am Ende nehmen die zehn Teilnehmer eine große Portion neuer Erkenntnisse mit nach Hause. Klar ist: Kritisches Denken wird wichtiger denn je. Doch dafür muss man erst einmal verstehen, womit man es eigentlich zu tun hat. Ein erster, wichtiger Schritt dahin wurde am Wochenende auf jeden Fall gemacht.

Dogan Malicki