Alles, was mit dem regionalen Karneval zu tun hat, ist im Bauhof untergebracht. Dazu gehört auch ein hölzernes Zollhäuschen – eine Spendenbox vom Eupener Traditionsverein "Die Blauen Funken". Auch jede Menge Bilder sind zu finden, darunter Aufnahmen, die den Betrachter hundert Jahre in der Geschichte zurückreisen lassen, wie ein Bild aus der Unterstadt im Jahr 1910.
Karneval war schon immer eine Art Ventil für die Gesellschaft – und oft hochpolitisch. "Gerade beim Karneval gibt es viele Menschen, die nehmen kein Blatt vor den Mund. Ich denke da zum Beispiel an die Karnevalszeitung oder die Domino-Kostüme. Die Leute sagen ihre Meinung und das ist als geschichtliche Quelle auch unglaublich interessant. Es ist ein Spiegel der Zeit und ein Spiegel der Gesellschaft", sagt Michelle Giebels, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Stadtmuseum Eupen.
Domino-Kostüme sind lange weiße oder schwarze Kutten mit Kapuze. Sie wurden vor allem im 19. und 20. Jahrhundert mit einer Maske getragen. Sinn und Zweck war, im Schatten der Maske die Wahrheit sagen.
Vielerorts wurde die Anonymität zur Karnevalszeit aber auch missbraucht, auch in unserer Region. "Und dann hat die Stadt Eupen Maskenkarten entworfen. Jeder, der ein Domino-Kostüm trug, musste auch eine Maskenkarte tragen. Jede Maskenkarte hatte ihre eigene Nummer und musste bei der Stadt abgeholt werden. So konnten Personen identifiziert werden, wenn Dinge aus dem Ruder gelaufen sind", erklärt Werner Lübbert vom Eupener Geschichts- und Museumsverein.
Mal ist es leichter, mal ist es schwerer, die alten Gegenstände zu identifizieren und sie zeitlich einzuordnen. "Wir haben hier natürlich auch jede Menge Sachen, die wir nicht datieren können. Unter anderem wurde bei uns Kleidung als 'Altweiberkleidung' abgegeben, aber anhand der Nähtechnik konnten wir feststellen, dass es sich um alltägliche Kleidungsstücke aus dem 18. Jahrhundert gehandelt hat, die einfach wiederverwendet wurden", weiß Michelle Giebels.
Vom Archiv aus schaffen es auch immer wieder Gegenstände ins Eupener Stadtmuseum. Und wer tiefer in die Geschichte eintauchen möchte, der sollte die Karnevals-Medienstation nutzen. Bis in die 50er Jahre hinein gab es zwei Pole im Eupener Karneval. In der Unterstadt gab es den etwas raueren Karneval. "Und in der Oberstadt hatten wir die bürgerliche Gesellschaft. Sie versuchten, den traditionellen, rheinischen Karneval einzuführen. Der war natürlich dominiert durch Karnevalsumzüge, große Bälle oder Festgesellschaften. Da gab es ein strenges Protokoll. Das rauere Karnevalstreiben in der Unterstadt versuchte man auszumerzen. Ende der 30er Jahre hat es dann sogar eine Art Karnevalskrieg gegeben. Der Olengraben war die Grenze zwischen den beiden Fronten", erklärt Catherine Weisshaupt, Leiterin des Stadtmuseums Eupen.
Zurück zum Archiv: Werner Lübbert ist karnevalsbegeistert. Wenn ein Traditionsverein wie "Die Blauen Funken" das Aus verkündet, sei das natürlich bedauerlich. Aber: "Es ist auch gut, dass die Dinge erhalten bleiben und nicht im Container landen. Ich kann da auch nur an die Leute appellieren, nicht zu schnell Sachen wegzuschmeißen und lieber zuerst nachfragen, ob der Gegenstand vielleicht erhaltenswert ist. Es ist einfach unsere Aufgabe, den Eupener Karneval und die Kultur aufrecht zu erhalten und zu dokumentieren - für die nachfolgenden Generationen."
Dogan Malicki




