Vier der insgesamt fünf beweglichen Kulturgüter auf der Liste der Deutschsprachigen Gemeinschaft stammen aus der Sammlung des Staatsarchivs in Eupen. Die ältesten Dokumente des Archivs sind Urkunden aus der Pfarre von Reuland. "Wir haben 20 Urkunden, die aus der Zeit von vor 1600 stammen. Das älteste Dokument stammt aus dem Jahr 1330 und das zweitälteste aus 1331. Da haben wir sofort daran gedacht, als es hieß, dass solche Stücke definiert werden sollen, die besonderen Schutz brauchen", erklärt die Leiterin des Staatsarchivs, Els Herrebout.
Neben diesen Urkunden findet sich auf der Liste ein weiteres Dokument aus Reuland: ein 250 Seiten starkes Register mit Ledereinband. Es enthält unter anderem die Abstammungsliste der Herren von Reuland sowie detaillierte Angaben zu Grundbesitz und steuerlichen Abgaben der damaligen Bevölkerung.
Besondere Bedeutung misst das Archiv den Zeichnungen in dem Buch bei, etwa einer Darstellung der Schlossanlage. "Fast fotografiegetreu hat man alle Häuser bis zu den Bäumen und auch die Anlage selbst gezeichnet und es ist tatsächlich so, dass man durch diese Zeichnung Stücke und Anbauten an der Burg entdeckt hatte, bei denen man gar nicht wusste, dass es sie gab. Das war wirklich eine Revelation", so Herrebout.
"Zu dem Zeitpunkt, wo wir das Buch gekauft haben, planten Architekten die Restaurierung der Anlage. Die haben das Dokument dann auch studiert und dann ihre Pläne abgeändert, um das Ganze wahrheitsgetreu restaurieren zu können. Als wir dieses Dokument gekauft hatten, wurde uns klar, dass es die Geschichte von Burg-Reuland komplett neu und viel detaillierter schreiben könnte."
Ebenfalls neu unter Schutz gestellt ist ein Aktenstück aus der Reichsherrlichkeit Lontzen aus dem Jahr 1386: eine fast drei Meter lange Pergamentrolle, auf der – ähnlich wie im Reuländer Register – die Abgaben der damaligen Bevölkerung festgehalten sind. Die einzelnen Pergamentseiten wurden in sorgfältiger Handarbeit beschrieben und anschließend zu einer einzigen Rolle zusammengenäht.
Verfasst ist das Dokument auf Brabantisch. "Das Gebiert gehörte zum Herzogtum Limburg und Limburg gehörte zum Herzogtum Brabant. Daher spricht man von Brabantisch, das ist Altniederländisch. Das heißt aber nicht, dass die Leute das hier gesprochen haben. Die Sprache nutzten nur die Leute, die schreiben konnten, in ihren Dokumenten. Es war eine typische Amtssprache."
Das vierte Dokument im Bunde stammt nicht aus der Deutschsprachigen Gemeinschaft: eine Erstausgabe der Enzyklopädie von Diderot und D'Alembert. Die erste Enzyklopädie nach dem heutigen Verständnis. Geschrieben in der Zeit der Aufklärung, zielten Diderot, D'Alembert und 142 weitere Autoren darauf ab, den gesamten Wissensstand der damaligen Zeit für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Das fünfte Objekt auf der Liste der geschützten beweglichen Kulturgüter in der DG ist der Steinepitaph Johann Reinhard von Bulich in der Kirche St. Stefanus in Bütgenbach.
Der neue Status der Dokumente im Staatsarchiv bringt klare Pflichten, aber auch Vorteile mit sich. "Die Kulturgüter sind insofern geschützt, dass man sie auf keinen Fall veräußern darf. Sie dürfen also nicht verkauft werden. Aber auch, wenn man die Kulturgüter in einer Ausstellung, beispielsweise in Aachen, ausstellen will, braucht man dafür eine Genehmigung der DG. Auf der anderen Seite bezuschusst die DG zum Beispiel die Restaurierung der Gegenstände. In erster Linie geht es vor allem um den Schutz und es ist eben festgelegt, was man mit dem Gegenstand machen darf und was nicht."
Als erste konkrete Maßnahme der Unterschutzstellung hat die Deutschsprachige Gemeinschaft maßgeschneiderte Schutzhüllen für die 35 Bände der Enzyklopädie bezuschusst.
Fürs Erste ist man im Staatsarchiv froh über die Eintragung der Kulturgüter in die Liste. Els Herrebout ist sich zudem sicher, dass auch in vielen anderen Institutionen der DG noch Schätze schlummern, die auch bald in die Liste aufgenommen werden.
Weitere Informationen zu den bislang auf der Liste eingetragenen beweglichen Kulturgütern in Ostbelgien gibt es auf der Kulturerbe-Webseite der Deutschsprachigen Gemeinschaft.
Lindsay Ahn






Wenn sie die Sachen nun in die Hand nehmen, werden die Dinge hoffentlich gleichzeitig digitalisiert um sie dauerhaft als Kopie zu sichern.