Die Tür im Besucherzentrum führt in einen kleinen Raum. Das Licht ist warm, die Wände weiß und die langen Bänke aus Holz. Im ganzen Raum hängen weiße Regale über den Bänken. Darauf befinden sich Holzbilderrahmen. Sie zeigen Namen und Fotos, die nach einer Zeit wieder verschwinden. Gleich am Eingang stehen zwei digitale Tafeln mit Biographien. Gegenüber wird eine Ortskarte an die Wand projiziert.
In einer ruhigen Atmosphäre kann man hier Menschen kennenlernen, die zu Opfern der NS und beinahe vergessen wurden. "Die Bilderrahmen sind eine bewusste Auswahl, um den Menschen hier ein Gesicht zu geben", sagt Thomas Kreyes, Geschäftsführer der Vogelsang IP. "So ein bisschen wie man es zu Hause mit seinen Liebsten macht, wo man sich auch so einen Holzbilderrahmen in die Wohnung stellt, um diese Menschen immer wieder zu sehen."

An Opfer erinnern können Schüler, Vereine aber auch Privatpersonen. Wilma Hoekstra-von Cleef arbeitet ehrenamtlich beim Gedenkbuchprojekt für die Opfer der Schoa aus Aachen. Sie sucht nach der Lebensgeschichte vergessener Menschen. "Wir wollen diese Menschen in die Stadtgeschichte zurückholen. Wenigstens in Form einer Biographie, einem Buch, auf der Webseite oder in Vorträgen. Wenn es geht auch mit Fotos und mit anderen Dokumenten, möchten wir sie in Erinnerung halten."
Thomas Böll ist Vorsitzender der Gesellschaftsversammlung der Vogelsang IP. Ihn freut es besonders, wenn junge Menschen Biographien erarbeiten, "weil die Jugend weniger verbunden ist mit dieser Zeit", so Böll. "Dass eben junge Menschen sich um die einzelnen Personen, um diese Individuen kümmern und die Sache damit so nah an sich heranlassen und das Thema nationalsozialistische Gewaltherrschaft auch nochmal ganz persönlich mit dieser Person verbinden."
Emely ist 18 Jahre alt und Schülerin an dem Städtischem Johannes-Sturmius-Gymnasium in Schleiden. Durch einen Schulkurs hat sie sich mit Johanna Kaufmann beschäftigt. 1941 wurde Johanna zum Opfer des Euthanasieprogramms. "Ich fand es sehr traurig, wie Euthanasie-Opfer behandelt wurden. Auch heute kämpfen viele mit psychischen Erkrankungen und eigentlich sollte man sich in solchen Einrichtungen wohl fühlen und Hilfe bekommen. Wenn also dort jemand umgebracht wird, ist das herzzerreißend."
Jetzt erinnert ein Bilderrahmen an Johanna. Ihre Biographie kann man auf Vogelsang nachlesen. "Ich würde mir auf jeden Fall wünschen, dass es einen Stolperstein geben wird und dass man auch Euthanasieopfer nicht vergisst", sagt Emely. "Ich finde, man sollte viel mehr Acht geben auf psychische Erkrankungen und körperliche Einschränkungen."
Der Hashtag #WeRememberEifel widmet sich den Menschen aus der Region rund um Vogelsang. Sie umfasst derzeit 40 Biographien. "Jeder Mensch hat seine eigene Würde", sagt Thomas Kreyes. "Die zu respektieren und zu pflegen, ist unsere wichtigste und vornehmste Aufgabe."
Lea Reimus



