Nach dem Busunfall im Kulturzentrum Select und dem erzwungenen Auszug aus dem Gebäude gab das Ministerium der Deutschsprachigen Gemeinschaft der Gemeinde Kelmis ein klares Signal: Ein weiteres Provisorium für die Tourist-Info sollte es in Kelmis nicht mehr geben. Nach Gesprächen mit der Autonomen Gemeinderegie und Museumsleiter Jan Sabri Cetinkaya hatten sich die Verantwortlichen schließlich auf den Standort im Museum Vieille Montagne geeinigt. Für Kulturschöffe Björn Klinkenberg der ideale Standort:
"Gerade wir als Gemeinde Kelmis mit der einzigartigen Geschichte der Neutralität und des Bergbaus möchten hier die beiden Bereiche Kultur und Tourismus ganz eng miteinander verknüpfen. Wir wollen Synergien schaffen. Die Touristen sind Kulturtouristen, die Touristen sind Freizeittouristen. Wir wollen sie alle in das Museum bringen, um ihnen unsere Geschichte näher zu bringen."
Der neue Standort soll dabei mehr sein als nur ein neues Büro. Er gilt auch als Startschuss für eine neue Tourismusstrategie der Gemeinde.
"Wir sind Teil einer touristischen und kulturellen Euregio mit Aachen und Stolberg, die genau die gleiche Geschichte wie Kelmis im Bereich des Bergbaus haben, und da muss jetzt in den nächsten Monaten und Jahren eine tiefgründige und fundierte Kooperation entstehen", so Klinkenberg. "Da reicht keine Eintagsfliege, da muss mehr Substanz in dem Konzept und in der Strategie sein und da werden in den nächsten Monaten Gespräche geführt, wie wir diese verschiedenen Standorte touristischer und kultureller Natur zusammenbringen."
Zwar ist das Museum Vieille Montagne alles andere als ein Provisorium, langfristig soll die Tourist-Info aber doch wieder an den Kirchplatz ziehen. Der Infrastrukturplan der Deutschsprachigen Gemeinschaft sieht weiterhin vor, die Informationsstelle am Projekt Betreutes Wohnen anzusiedeln. Darüber hinaus sieht Björn Klinkenberg Kelmis als starken Kandidaten für eines der geplanten Häuser für Tourismus, die in der Strategie von Tourismusminister Gregor Freches vorgesehen sind. Je zwei dieser Häuser sollen im Norden und im Süden der DG entstehen und künftig die ganze Regionen bewerben.
"Da denke ich, dass unsere Position und unsere Geschichte auf jeden Fall eine ganz besondere Rolle spielen werden, um ein Haus des Tourismus auch nach Kelmis zu holen, und es muss auch der Ansporn von Herr Freches sein, dieses Kulturerbe, das Kelmis hat, in seiner Tourismusstrategie unterzubringen. Deswegen denke ich und hoffe auch, dass da die Signale ganz klar in Eupen angekommen sind, um in Kelmis ein Haus des Tourismus perspektivisch aufzubauen."
Die Chancen scheinen nicht schlecht zu stehen. "Wir stehen hinter dieser Idee und glauben auch, dass diese Geschichte von Kelmis und natürlich auch der Dreiländeraspekt ein hervorragendes Bild abgeben würde, um ein Haus des Tourismus in Kelmis aufzubauen", erklärt Gregor Freches, auf den Wunsch der Göhlgemeinde angesprochen.
Entschieden sei allerdings noch nichts. In Kelmis müsse zunächst die notwendige Infrastruktur geschaffen werden, außerdem seien auch die anderen Gemeinden weiterhin im Rennen, so Freches. Entscheidend sei am Ende, dass die Standorte der Häuser für Tourismus Sinn ergäben.
In Gemeinden ohne eigene Tourist-Info – etwa in Burg-Reuland, wo das Büro seit einiger Zeit definitiv geschlossen ist – setzt die Deutschsprachige Gemeinschaft künftig verstärkt auf digitale Infotafeln.
"Uns ist wichtig, dass der Tourist in Ostbelgien Informationen vorfindet. Meistens werden die schon digital vorbereitet, bevor die Reise angetreten wird, aber auch vor Ort wollen wir durch diese digitalen Tafeln noch mehr Informationen preisgeben. Unser Ziel ist es, dass der Tourist lebt und bleibt und wir von 2,5 Tagen auf 3,5 Tage Verweildauer hochkommen können."
Aktuell wird bereits mit mehreren Gemeinden über digitale Infotafeln verhandelt. In den nächsten Monaten sollen außerdem Entscheidungen zu den Häusern des Tourismus fallen.
Lindsay Ahn



