Das ehemalige Cockerill-Sambre-Gelände in Chertal bei Lüttich könnte für den Bau einer neuen Atomkraftanlage in Frage kommen. Das ergibt eine Studie des Ingenieurbüros Tractebel im Auftrag des Netzbetreibers Elia.
Das Gelände in Oupeye und Herstal erfülle die Bedingungen, um eine große Anlage mit einer Leistung von mehr als 1.000 Megawatt und mehr zu bauen. Es gebe genügend Fläche, die Verkehrsanbindungen seien günstig und auch der geologische Untergrund erfülle die Bedingungen zum Bau eines großen Atommeilers.
Neben dem Standort Chertal soll auch Doel in Flandern für den Bau einer neuen Atomkraftanlage geeignet sein. Tihange kommt laut Tractebel für einen Neubau nicht in Frage. So gibt es zum Beispiel nicht genügend Freifläche rund um den aktuellen Meiler von Tihange.
Neben zwei großen Reaktoren sollen auch kleine Atomkraftwerke entstehen. Dafür wurden ebenfalls sieben bis acht Standorte definiert. Laut einer Schätzung des Netzbetreibers Elia braucht Belgien ab 2035 mehr als vier Gigawatt an zusätzlichem Strom. Das entspricht der Leistung von vier Reaktoren.
Bürgermeister verlangen umfassende Strategie
Die Bürgermeister der Gemeinden Oupeye und Herstal reagieren zurückhaltend. Sie stellen vor allem die Methode der Standortfindung in Frage.
Auf föderaler Ebene sei noch keine umfassende Strategie zum Bau neuer Atomkraftanlagen vorgestellt worden, bemängeln die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden, Frédéric Daerden und Serge Fillot. Sie fordern zudem, in die Überlegungen zur Energiegewinnung - sei es durch Wasserstoff, Windkraft oder Atomkraft - mit eingebunden zu werden.
Der Standort Chertal sei einzigartig in der Wallonie und in der Metropolregion Lüttich. Bei der Reindustrialisierung von Chertal müsse es darum gehen, Fragen der Beschäftigung, Lebensqualität und Sicherheit der Einwohner so optimal wie möglich zu berücksichtigen.
echo/belga/dop
5-10 Mrd €. 8-15 Jahre Bauzeit. Und wohin mit dem Atommüll?