Husten, Schnupfen, Halsschmerzen, Fieber: Alle Jahre wieder im Winter erwischt es viele Menschen. Das bedeutet auch derzeit viel Arbeit für die Ärzte. Marc Franckh, Allgemeinmediziner aus Eupen, kann das bestätigen.
"Die Anzahl Patienten, die Atemwegsinfekte haben, steigt jetzt langsam. Auch richtige Grippefälle mit hohem Fieber sehen wir jetzt immer häufiger. Es ist der Anfang der Grippewelle. Man sieht schon: Man ist noch nicht mittendrin in der Grippewelle, aber man sieht schon, dass die ersten Fälle jetzt zu beobachten sind", sagt Franckh.
Bereits in der vergangenen Woche ist die Alarmstufe für Atemwegsinfektionen von Gelb auf Orange erhöht worden. Dafür gebe es zwei Gründe, sagt Bertrand Draguez, Leiter der Risk Management Group des Föderalen Öffentlichen Dienstes Volksgesundheit. Und zwar weil mehr Grippeviren im Umlauf seien, darunter die Variante K. Aber auch das RS-Virus (RSV), das ebenfalls Atemwegserkrankungen auslösen kann, habe sich ausgebreitet.
Neue Variante im Umlauf
Die Grippevariante K ist im Sommer erstmals nachgewiesen worden. "Es gibt jedes Jahr neue Grippewellen mit neuen Varianten. Jedes Jahr probiert man, die Eigenschaften des Virus zu verstehen. Scheinbar ist die neue Variante K etwas ansteckender", so Franckh. "Man denkt, dass die Grippewelle vielleicht etwas stärker sein könnte dieses Jahr", ergänzt er.
"Die Grippe ist für die meisten Patienten relativ harmlos. Aber natürlich für geschwächte Patienten ist die Grippe gefährlich. Besonders wenn man schon Atemwegserkrankungen hat, chronisch krank ist, etwas älter ist, wenn das Immunsystem gegen die Krankheit nicht gut reagieren kann, dann gibt es manchmal Komplikationen, die manchmal sogar bis zum Tod führen können", erklärt der Eupener Allgemeinmediziner.
Anzahl der Covid-19-Fälle gesunken
Die Fälle von Covid-19 seien dagegen gesunken, sagt Bertrand Draguez. Dass jetzt die Alarmstufe Orange für Atemwegsinfektionen gilt, sei nicht außergewöhnlich. Damit rechne man in jedem Jahr, so der Leiter der Risk Management Group. "Vergangenes Jahr wurde viel früher als dieses Jahr auf Orange umgestellt. Es hängt also ein wenig vom jeweiligen Jahr ab, aber es ist nichts Außergewöhnliches. Eine Umstellung auf Rot wäre hingegen außergewöhnlich", sagt Draguez.
Selbst wenn es regional teils große Unterschiede bei der Ausbreitung der Viren gibt: Die Empfehlungen und Warnstufen gelten landesweit, betont er. Denn Viren machten natürlich nicht an Sprachgrenzen halt. Es sei deshalb nicht sinnvoll, Maßnahmen etwa nur für Brüssel, für Gent oder für Malmedy auszusprechen. Dafür sei der Personen- und Warenverkehr im Land zu ausgeprägt.
Schutzmaßnahmen werden empfohlen
Die Maßnahmen, sich gegen eine Ansteckung zu schützen, sind den meisten aus der Covid-19-Pandemie bekannt. Marc Franckh erinnert noch einmal daran: "Hände waschen. Mundschutz, wenn man selber Symptome hat und dass man ein bisschen Abstand hält, um jemanden nicht anzustecken, wenn man selber krank ist."
Der Föderale Öffentliche Dienst Volksgesundheit empfiehlt zudem derzeit das regelmäßige Lüften von Räumen sowie das Tragen einer Maske in öffentlichen Verkehrsmitteln oder bei Veranstaltungen. In der Klinik St. Josef in St. Vith etwa ist für Mitarbeiter mit Patientenkontakt ein Mund-Nasen-Schutz Pflicht. Gleiches gilt für Patienten und Begleiter, die die Notaufnahme aufsuchen oder ein Patientenzimmer betreten, erklärt Michel Kreutz, Beigeordneter der Pflegedienstleitung.
Das Ziel derartiger Maßnahmen nicht nur in Krankenhäusern sei, so sagt Draguez, "den Druck auf das Gesundheitssystem zu verringern. Wir wollen versuchen, die Zahl der Patienten zu verringern, die ein Krankenhaus überlasten können und die Auswirkungen auf andere Arten von Krankheiten haben. Ganz einfach ausgedrückt: Das Pflegepersonal muss sich auf das konzentrieren, was am dringendsten ist."
Moritz Korff