Techno statt Tusch, Bass statt Blasmusik. Die Bürgermeister der Eifel-Gemeinden haben nun die Notbremse gezogen. Karneval ja - aber bitte traditionell und rücksichtsvoller.
Warum kommt dieser Schritt jetzt? "Wir haben da mehrere Rückmeldungen bekommen von Veranstaltern, von Bewohnern, von der Polizei und von Musikvereinen, dass sich bei den Karnevalsumzügen einiges gedreht hat: bei der Lautstärke und bei der Art der Musik. Das haben wir sehr ernst genommen", erklärt der Bütgenbacher Bürgermeister Daniel Franzen.
"Uns war wichtig, dass sich beim Karnevalsumzug niemand benachteiligt fühlt, weder Zuschauer noch Mitwirkende, und dass wir unserer karnevalistischen Tradition treu bleiben.“
Für viele - vor allem für die jüngere Generation - gehören satte Bässe zum Straßenkarneval dazu. Einige Lieder lassen auch die Grenzen verschwimmen. Ein Beispiel: "Wackelkontakt". Ist das noch Karneval - oder muss das weg? Für Bütgenbachs Bürgermeister Daniel Franzen ist klar: Der Song schlägt musikalisch ein härteres Genre an, verleitet dazu, Lautstärke und Bass hochzudrehen - und hat deshalb bei Straßenumzügen keinen Platz.
Den Vorwurf, die fünf Eifelgemeinden würden damit zur Spaßbremse werden, weist Franzen entschieden zurück. "Wir bremsen hier nichts ein - im Gegenteil. Wir sind Befürworter des traditionellen Karnevals. Karneval ist ein langer Brauch mit karnevalistisch angepasstem Liedgut. Mit dieser Initiative möchten wir unterstützen, dass Karneval auch Karneval bleibt - und für jedermann da ist, nicht nur für einzelne Zielgruppen, die mit lauter Techno- oder anderer Musik alles übertönen."
Besonders deutlich kam der Wunsch nach klaren Regeln von den Musikvereinen. Sie fühlen sich bei vielen Umzügen akustisch an den Rand gedrängt - und drohten teilweise sogar, ganz fernzubleiben. "Für uns ist aber klar: Musikvereine gehören zur Tradition der Umzüge. Und genau diesen Platz möchten wir mit der Maßnahme schützen."
Künftig gilt deshalb in den fünf Eifelgemeinden: nur karnevalistische Musik, keine Techno- oder Hardcore-Tracks - und die Lautstärke in einem verträglichen Rahmen. Kontrolliert wird gemeinsam mit den Organisatoren, notfalls auch mit der Polizei.
Wer sich wiederholt nicht daran hält, riskiert sogar den Ausschluss von zukünftigen Umzügen. Die neuen Regeln wurden bereits an die Karnevalsvereine verteilt. Ziel der Eifel-Gemeinden: den Straßenkarneval wieder zu dem machen, was es mal war: laut vor Freude - aber nicht vor Bass.
Dogan Malicki
aber bitte traditionell und rücksichtsvoller
Et juff och Zekt?
Alaaf statt BumBum!
Gibt es eine exakte juristische Definition des Begriffs "karnevalistische Musik" ?
Die Gemeinden können Lautstärke regeln, oder Lautsprecher verbieten. Aber vorschreiben, welche Musik gespielt wird, ist in meinen Augen eine Art Zensur. Ich frage mich, wie das gehandhabt werden soll. Gibt es eine Liste mit erlaubten Liedern ?
Man sollte die Sache gelassen sehen und den jungen Leuten ihren Spaß lassen. Denn am Aschermittwoch ist alles vorbei.