"Wenn ich tanze, das ist herrlich. Ich bin eins mit dem Universum, eins mit dem Moment. Das kann man nicht in Worte fassen", schwärmt Marc von seinem Traumberuf. Dass das sein Weg ist, war Marc Schürmann nicht von Anfang an klar. Als Junge spielte er Fußball. Erst ein Schnupperkurs brachte ihn auf den Geschmack.
"Beim Fußball war mein Problem, dass man verlieren kann. Ich habe in der Verteidigung gespielt und wenn wir verloren haben oder der Gegner ein Tor gemacht hat, dann war das gefühlt immer meine Schuld. Im Tanzen hat man das nicht. Da ist man ein Team und es geht nicht um gewinnen oder verlieren, sondern darum, dass man für sich das Beste draus macht."
Marc hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Einen wesentlichen Anteil daran hatte das Zentrum Bewegung und Tanz in Walhorn. Anna Edelhoff und Fernando Flores haben sein Talent entdeckt und ihn gefördert. "Ohne sie wäre ich kein Tänzer geworden. Ganz einfach. Ich weiß nicht, was ich sonst gemacht hätte - vielleicht Informatik. Ich hätte es bestimmt auch gut gehabt, aber dass es den Weg als Profitänzer überhaupt gibt und dass ich ihn gehen kann, habe ich einzig und allein ihnen zu verdanken."
"Marc war 13 oder 14, als er zu uns kam", erzählt seine ehemalige Tanzlehrerin. "Er war relativ schüchtern und wollte eigentlich zuerst Breakdance machen, etwas Modernes tanzen. Dann haben wir sein Talent erkannt, seine Bewegungsqualität und ihn eingeladen, weitere Tanzstile zu lernen."
So kam Marc zu seiner ersten Hauptrolle in einem Stück, das klassischen und modernen Tanz kombinierte. Von da an trainierte er fast täglich in der Walhorner Kaderschmiede 'Ballet des jeunes', erweiterte sein Repertoire und ging schließlich nach Nizza, wo er Tanz studierte.

Heute sagt er, dass das bisher die schönste Zeit seines Lebens war. "Ich musste mir um nichts Sorgen machen. Meine einzigen Probleme waren: Ist mein Körper gesund und bin ich pünktlich beim Training? Ich hatte tolle Unterrichte, nette Leute um mich und konnte mein Leben auch rundherum genau so gestalten wie ich wollte."
Eine Verbindung zu seiner Heimat behielt der Walhorner trotzdem immer. Als er nach fünf Jahren zurückkehrte, führte ihn sein Weg fast schon selbstverständlich wieder ins Zentrum Bewegung und Tanz.
"Uns ist es sehr wichtig, mit unseren Schülerinnen und Schülern eine sehr enge Beziehung zu haben und sie eng zu begleiten in ihrem Berufswunsch", sagt Anna Edelhoff. "So passiert es regelmäßig, dass sie sich wieder an uns wenden, zurückkommen und dann auch Vorbild für die neuen Generationen sind. Sie geben quasi das zurück, was sie von uns vorher bekommen haben."
Heute ist der 28-Jährige sowohl als professioneller Tänzer als auch als Lehrer aktiv. Der Unterricht bietet ihm eine Perspektive, denn eine Profitänzer-Karriere endet auf der Bühne spätestens mit 40. "Ich sehe keinen Grund, wieder von hier wegzuziehen. Hier ist alles, was ich brauche. Vielleicht würde ich gerne mal für einen Monat ein Projekt oder einen Workshop woanders machen, aber wohnen möchte ich hier."
Als Tanzlehrer ist Marc Schürmann unter anderem für Eastbelgica im Einsatz. Ende Februar startet ein neuer Shuffle-Kurs zu House und Drum'n'Bass. Informationen auf der Webseite von Eastbelgica.
Anne Kelleter