Wenn noch vor wenigen Tagen alle Welt übers Winterwetter diskutierte, haben sie in Büllingen das zwar nicht von oben herab, aber doch aus einer eher souveränen Position betrachtet: In der flächengrößten Gemeinde mit ihren vielen Dörfern und Weilern muss der Winterdienst mehr als 500 Kilometer kommunale Straßen und Wege abdecken.
Auch das, sagt Bürgermeister Rainer Stoffels, komme in die Waagschale, wenn über die Finanzierung der Gemeinden gesprochen werde. "Dazu gehört eben auch dieser große Kostenapparat, um diese großflächige Struktur instand zu halten. Wir müssen die Grundversorgung in den abgelegensten Orten sichern. Zum Beispiel beim Winterdienst, aber das geht ja weiter: Wir müssen diese Straßen instand halten. In diesem Jahr haben wir dafür ein Budget von fast 700.000 Euro vorgesehen. Das sind ganz große Ausgaben, die wir bewältigen müssen."
Vor diesem Hintergrund taucht immer häufiger die Frage nach möglichen Gemeindefusionen auf. Beim Neujahrsempfang der Liberalen, bei dem auch Rainer Stoffels war, drängte MR-Präsident Georges-Louis Bouchez förmlich darauf. Aus Sicht des Büllinger Bürgermeisters ergäbe eine solche Fusion aber keinen Sinn. "Wir haben schon 27 Dörfer. Wenn wir mit einer anderen Gemeinde fusionieren würden, wären es ja noch mehr Dörfer."
"Wir haben schon Mühe und Not, unsere Strategie umzusetzen, dass wir jeden einzelnen Ort in der Gemeinde lebenswert machen wollen. Ich teile da nicht die Meinung des Herrn Bouchez. Hingegen bin ich ein starker Befürworter, dass wir so viel, wie es nur geht, in Synergie mit den anderen Gemeinden machen, dort, wo es Sinn ergibt. Wo wir Kräfte bündeln können, machen wir das."
Noch arbeitet die Gemeinde von Rainer Stoffels an einigen Großbaustellen: Nach dem Sportkomplex mit Dorfhaus in Büllingen sind das der Ausbau des örtlichen Kindergartens, die energetische Sanierung der Sporthalle in Rocherath oder der neue Bauhof an der Gemeindegrenze zu Bütgenbach. Projekte, die der vorige Gemeinderat auf den Weg gebracht hatte. "Wer A sagt, muss auch B sagen. Wir haben gesagt, dass wir mit der neuen Mehrheit alle großen Projekte, die in der vergangenen Legislatur verabschiedet worden sind, weiterführen und ausführen. Wir sind auf dem Weg, all diese Projekte zu einem guten Ende zu bringen. Nichtsdestotrotz setzen wir natürlich auch eigene Akzente in unserem Haushaltsprogramm."
Mit Blick auf den Altersdurchschnitt in der Bevölkerung will die Gemeinde etwa gezielt Anreize setzen, sich in der Gemeinde niederzulassen ... oder zu bleiben. "Wir haben jetzt ein großes Projekt in Büllingen selbst, das sind 16 Baustellen. Aber es gibt noch mehrere andere Orte, wo sich das peu a peu auftut. Wir möchten in der ganzen Gemeinde nicht nur jungen Bauwilligen günstiges Bauland zur Verfügung stellen."
Prämien sollen dazu anregen, bestehende Bausubstanz zu sanieren und barrierfrei zu gestalten. Und auch dezentrale Angebote in der Kinderbetreuung gehören dazu, wie aktuell in Manderfeld - auch wenn die Opposition es anders als die Mehrheit nicht als Aufgabe der Gemeinde sieht, in diesem Bereich aktiv zu werden und einen Beitrag zu leisten.
Einig sind sich Mehrheit und Opposition darin, dass es nicht sein könne, dass das sogenannte "Treeschland" um Manderfeld in Sachen Geldautomaten von den Banken ignoriert wird. "Da ziehen wir an einem Strang, Mehrheits- und Minderheitsfraktion, da sind wir sehr initiativ geworden. Wir haben zahlreiche Gespräche geführt mit dem Bankenverband, mit Batopin, mit Febelfin, mit anderen Akteuren, die auf dem Gebiet tätig sind. Ich muss ehrlich sagen: bisher ohne Erfolg."
Jedenfalls sei die Arbeit in Gemeinderat und Kommissionen alles andere als ein Einheitsbrei, freut sich Büllingens Bürgermeister. Gemeindepolitik lebe vom Austausch der Argumente, sagt Rainer Stoffels und für ihn könne das ruhig so weitergehen.
Ausführliches Radio-Interview mit Rainer Stoffels im Player:
Stephan Pesch