Seit einem guten Jahr im Amt hat Alain Stellmann die Entscheidung, in die Gemeindepolitik zurückzukehren, nie bedauert - im Gegenteil. Im Laufe des Frühjahrs wird er dann auch für den Haushalt zuständig sein, da der bisherige Finanzschöffe Serge Dollendorf seinen zur Hälfte der Legislaturperiode anvisierten Rückzug vorzieht.
"Nach diesem knappen Jahr hat er mir gesagt, er hätte sich entschieden, jetzt schon früher aufzuhören. Ob ich damit ein Problem hätte. Er habe festgestellt, dass wir neuen Mitglieder im Gemeindekollegium schon viel eigenständig leisten können. So könne er mit gutem Gewissen schon früher als Schöffe aufhören. Und wir hatten ja schon Chris Maus als Sonderbeauftragten in dieser Voraussicht mit einbezogen ..."
Die Finanzen sind nicht nur in Burg-Reuland das A und O - umso mehr als es in Gesprächen mit der DG-Regierung und den anderen Gemeinden um eine mögliche Neuverteilung geht.
"Was wir vor allen Dingen nicht wollen, ist, dass wir untereinander Streit haben. Wir wissen, dass wir alle sparen müssen. Wir sind auch solidarisch, Gemeinden, denen es finanziell sehr schlecht geht, zu helfen. Deshalb wurde ja auch ein Sonderfonds eingerichtet. Aber wir müssen natürlich auch sehen, dass wir überleben. Wir selbst versuchen ja schon über 15 Jahre zu sparen, seitdem wir jährlich 500.000 Euro weniger an Dotation bekommen als vorher."
Offen und kontrovers wie in keinem anderen Gemeinderat wird in Burg-Reuland schon seit Längerem über die Finanzierung der Kirchenfabriken bzw. der vielen Kirchen und Kapellen diskutiert.
"Wir werden da in kürzester Zeit eine Regelung finden müssen. Ich habe den Ministerpräsidenten gebeten, er soll mit dem Bistum darüber sprechen, wie wir uns einig werden können. Denn das Problem haben wir ja nicht nur in Burg-Reuland mit 17 Kirchen und Kapellen, insgesamt 20 Gebäuden bei nur 4.000 Einwohnern. Das liegt uns sehr, sehr schwer im Magen und wir brauchen da Hilfe vom Bistum."
Eine weitere Vermittlerrolle also für Stellmanns Parteikollegen Oliver Paasch, ähnlich wie beim leidigen Thema des hohen Verkehrsaufkommens durch die Pendlerströme nach Luxemburg. Auch wenn der Eupener Regierungschef das mit der ihm vom Reuländer Bürgermeister zugewiesenen "Chefsache" N62 mangels Zuständigkeit mehrfach zurückgewiesen hat.
"Ob es Chefsache ist oder nicht, das hilft uns hier unten nicht weiter. Es muss auf jeden Fall etwas geschehen seitens der Wallonischen Region, seitens der DG. Wir haben das Problem auf unserem Territorium und unsere Bürger sind die Leidtragenden in allen Dörfern, weil mittlerweile die Dorfstraßen genutzt werden, 'vergewaltigt' werden als Umgehung. Das kann es doch nicht sein."
In einer weiteren regionalen Zuständigkeit, der Nutzung von Windkraft, war vor ziemlich genau einem Jahr ein Vorprojekt zu einem Windpark zwischen Hohenbusch und Braunlauf vorgestellt worden. Viel weiter ist man in der Sache aber nicht.
"Ich habe letzte Woche ein Schreiben von dem Anbieter erhalten, da ich ihm zwei andere Standorte angeboten hatte, die er bitte mal untersuchen soll, ob es da eine Möglichkeit gäbe anstatt am Standort Hohenbusch. Ich warte noch auf seine Auswertung und werde mich dann kurzfristig mit ihm zusammensetzen und hören, wie es weitergeht. Aber wir sind immer noch der Auffassung, dass der Standort Hohenbusch auf gar keinen Fall in Frage kommt."
So oder so bleibt das Reuländer Kollegium dabei, dass Windräder - wenn überhaupt - nur auf Gemeindeland gehörten, damit alle etwas davon hätten, im Sinne von neuen Einkünften für die Gemeinde.
Ausführliches Radio-Interview mit Alain Stellmann im Player:
Stephan Pesch