Es ist ja nicht so, dass sie sich in der Gemeinde Amel etwas darauf einbilden: Aber sechs Prozent Zuschlag auf die Einkommenssteuer und 1.200 Zuschlaghundertstel bei den Immobilien gehören nun mal zu den günstigsten Steuersätzen. Fragt sich: wie lange noch? "Unterschreiben möchte ich nicht, dass die Steuern niemals erhöht werden. Momentan ist es nicht vonnöten, aber auch wir wissen nicht, was die Zukunft bringt. Dann muss man das natürlich anpassen. Aber natürlich versuchen wir, das so weit, wie es nur geht, nach hinten zu schieben."
Auf der anderen Seite drücke die Gemeinde aber auch ohne neue Anleihen nicht auf die "Investitionsbremse", sagt Erik Wiesemes. Rund eine Million Euro sind in diesem Haushalt alleine für den Unterhalt von Wegen und Bürgersteigen eingeplant. "Das ist natürlich sehr viel Geld, aber auch Geld sparen im Wegeunterhalt, das rächt sich immer zwei oder drei Jahre später. Dann muss man umso mehr investieren. Deswegen ist es auch wichtig, frühzeitig da zu reagieren und den Unterhalt zu garantieren."
Kräftig investiert wird auch in den Wald, der sich in den vergangenen Jahren durch Holzverkäufe wieder als gute Einnahmequelle erwiesen hat. Klimatische Veränderungen, die Aussicht auf Stürme oder den Borkenkäfer erfordern aber, dieses Kapital widerstandsfähiger zu gestalten - auch wenn dafür keine schnellwachsenden Fichten neu gepflanzt werden. Auch die Fläche des Ameler Gemeindewaldes dürfte bald wachsen - und zwar im Umfeld des Klosters Montenau, das seit 2018 leersteht und nach einer neuen Zweckbestimmung sucht. "Wir sind guter Hoffnung, dass das in diesem Jahr auch geschehen wird. Wir haben immer gesagt, die Gemeinde Amel wird die Immobilie nicht ankaufen, um zum Beispiel mit Geldern der DG dort etwas zu schaffen. Es ist nicht Sinn und Zweck von Steuergeldern, in solche Projekten zu investieren. Wir sind wohl bereit, Gemeindegeld zu nehmen, um die Klosterwaldungen zu kaufen."
Neue Einnahmen soll unter anderem die Nutzung der Windkraft bringen: Bis Ende der Legislaturperiode sollen drei Windparks in der Gemeinde Energie und Geld aus Anteilen liefern. Ein zentrales Anliegen in der Gemeinde Amel ist auch, jungen Paaren oder Familien günstiges Bauland anzubieten wie in Born oder neuerdings in Iveldingen. Aber könnte die entspannte Finanzlage bei den Verhandlungen über eine mögliche Neuverteilung der Gemeindedotation nicht zum Nachteil gereichen? Für Erik Wiesemes könnte der Verteilungsschlüssel so bleiben, wie er ist. "Strukturelle Probleme können nur durch gemeindeinterne und tiefgreifende Reformen oder eben durch eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden bewerkstelligt werden. Die Herausforderungen der Zukunft werden noch um ein Vielfaches größer werden. Da muss schon die grundsätzliche Frage erlaubt sein, wie die Gemeinden sich darauf vorbereitet. Hoffentlich nicht in jedem Jahr durch eine Diskussion über die Gemeindedotationen."
Erik Wiesemes hatte schon vor den Wahlen angekündigt, dass dies seine letzte Legislaturperiode als Ameler Bürgermeister ist. Daran hält er fest. Die Nachfolge sei aber bislang noch nicht festgelegt. "Wir sind momentan noch zu sehr im Tagesgeschäft. Das ist natürlich ein Denkprozess, der in den nächsten Jahren auch einsetzen wird, um die Nachfolge zu bestimmen. Aber dann ist es auch besser, dass ich mich ein wenig da raushalte. Das müssen dann meine Kollegen und Kolleginnen machen."
Ausführliches Radio-Interview mit Erik Wiesemes im Player:
Stephan Pesch