Rudy Collienne ist Chemiker. Sein ganzes Arbeitsleben hat er dem Trinkwasser gewidmet - und jetzt ein Buch darüber geschrieben, woher das Eupener Wasser kommt. Drei Jahre hat er daran gearbeitet. Schon immer hat er sich für den Bau der Eupener Talsperre interessiert. Als der gebürtige Weismeser am 1. Mai 1965 seinen Dienst im Labor der Talsperre antrat, gab es dort noch Kollegen, die am Bau der Talsperre mitgewirkt hatten und ihm gern davon erzählten.
Der eigentliche Anlass zum Buch kam aber erst später. "Im Herbst 2021 kam Josef Weber vom Geschichtsverein mit zwei Alben voll Schwarzweiß-Fotos von damals, aufgenommen vom 'Ministère des Travaux publiques et de la résorbtion du chômage' (Ministerium für öffentliche Arbeiten und Bekämpfung der Arbeitslosigkeit), wie das in der Krise der 1920er Jahre hieß."
Rudy Colliennes Interesse war geweckt. Er recherchierte weiter, gab erste Vorträge und stellte fest: Das Thema interessiert viele Menschen. Und ist so umfangreich, dass ein Buch mit knapp 200 Seiten daraus geworden ist, mit vielen Fotos.
Am meisten hat ihn die Größe der Baustelle überrascht. "Vor dem Krieg waren da über 650 Arbeiter, darunter schon 150 Italiener. Dann kam die Kriegszeit, Bau-Stopp von den Deutschen, Wiederaufnahme von den Deutschen, definitiv Stopp von den Deutschen. Ende 1945 kam die belgische Verwaltung wieder. Ab 1946 waren 600 Italiener dabei. Da waren also 850 Leute auf der Baustelle. Das war für mich die größte Baustelle dieser Art in Belgien."
Als Chemiker interessierten ihn besonders die Verfahren, nach denen man damals gearbeitet hat. Aber auch der Aufwand, den man betreiben musste, um das Material heranzuholen. "Wo heute der große Parking ist und das Restaurant, ist damals ein Dienstbahnhof gebaut worden. Da waren 15 Bahn-Trassen, breit wie die von der belgischen Bahn. Das ganze Material kam von außen mit Schiffen bis Lüttich, dann mit dem Zug bis Raeren, dann drei bis vier Kilometer durch den Wald nach Eupen. Es mussten so 4.000 Tonnen Material jeden Tag ankommen, um den Rhythmus beizubehalten."
Für die Eupener Talsperre wurde damals Beton verwendet, in den Steine eingelassen wurden. Das Verfahren war neu - und verlangte auch neue Arbeitsgeräte. "Der Beton musste tüchtig gerüttelt werden, dass keine Luft drin bleibt. Und was auf dem Markt war, war nicht stark genug. Dann haben sie mit Kollegen aus Herentals einen speziellen Rüttler gebaut, der sehr schwer und sehr stark war. Da brauchte man zwei, drei Männer, um das festzuhalten. Sie brauchten 200 Kubikmeter Beton für einen Block. Und das sind 2.000 Blöcke für die Mauer."
Knapp drei Wochen ist das Buch auf dem Markt und findet bereits zahlreiche Interessenten. Unter den ersten Käufern: ein Eupener, der heute in Bayern lebt.
Das Buch ist zweisprachig deutsch-französisch und kostet 35 Euro. Erhältlich ist es beim Autor selbst und in den Geschäftsstellen des GrenzEcho in Eupen und St. Vith.
Gaby Zeimers


