Schon seit 2017 laufen die Planungen für eine Reform des Lehramtsstudiums in der DG. Mit Beginn des neuen Schuljahres wird die Reform wirksam.
Für die Kindergärtner und Lehrer von morgen wird sich einiges ändern. Eine der wichtigsten Veränderungen ist wohl die Länge des Studiums: Aus bisher drei Jahren werden deren vier.
Zum einen biete das zusätzliche Jahr die Möglichkeit, bereits gesehene Inhalte theoretisch und praktisch zu vertiefen, zum anderen werde der Studienplan entzerrt und entstünde Platz für neue Inhalte und Schwerpunkte, sagt Cathérine Mattar, Leiterin des Fachbereichs Bildungswissenschaften der AHS.
"Die aktuellen Herausforderungen in der Gesellschaft sind andere als damals noch 2017 oder im Jahr 2000. Die Vielfalt, die Heterogenität ist größer geworden. Wir möchten unsere Studierenden stärken, auch in inklusiven Lerngruppen arbeiten zu können", erklärt Mattar. "Themen wie Globalisierung oder interkulturelle Pädagogik sind einfach aktuell sehr wichtig, aber auch Medien und Bildung. Das sind alles Beispiele für Themen und Schwerpunkte, die noch stärker verankert werden müssen und da reicht eine Studiendauer von drei Jahren einfach nicht, um all diese Themen intensiv genug abzudecken."
Das reformierte Studium hat außerdem höhere Anteile in den Bereichen der Förderpädagogik und der Fremdsprachendidaktik Französisch. Für Absolventen öffnet das auf dem Arbeitsmarkt neue Türen. Mit dem Abschluss können sie unter anderem auch als Förderpädagogen arbeiten.
Auch die Praxis bekommt in dem Studium einen ganz neuen Stellenwert. So wird die Zeit für verpflichtende Praktika fast verdoppelt. Aus 16 Wochen werden 26. Dabei kommen auch neue Formate zum Einsatz.
"Ein Praktikum wird auf jeden Fall im Förderkontext stattfinden. Ein weiteres Praktikum werden unsere Studierenden im Team absolvieren und auch generell werden wir noch stärker als bisher die Zielsetzungen der jeweiligen Praktika fokussieren und mit den Ausbildungsbegleitungen arbeiten, da freuen wir uns schon drauf", so Mattar.
Die Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft begrüßt das Konzept.
"Unterrichten ist ein praktisches Tun und ich glaube, dass man darin wirklich Erfahrungen sammeln muss, damit man sich sicher fühlt und auch eine Reflektion entwickeln kann", sagt Bildungsminister Jérôme Franssen. "Wir erleben in unserer Gesellschaft eine sehr viel größere Vielfalt, der auch die Schule gerecht werden muss. Wir beobachten, dass die Lehrpersonen aktuell sehr große Herausforderungen haben und an der Stelle liegt es auch an uns, die Lehrkräfte schon in der Ausbildung zu unterstützen. Ich glaube, dass sich darin dann auch sehr wohl eine Weiterentwicklung der Ausbildung rechtfertigt und die Reform verständlich macht".
Auch nach Abschluss des neuen Bachelorstudiengangs sollen die zukünftigen Lehrkräfte nicht alleine gelassen werden. Möglich macht dies das Projekt 'Startklar'.
"Wir stehen", so Mattar, "den Berufseinsteigern sehr gerne zur Seite und arbeiten in einem Berufseinstiegsprogramm mit ihnen zusammen. Das ist ein dreijähriges Programm, in dem wir mit den jungen Lehrkräften in vertieften Auseinandersetzungen zu Fragestellungen oder in gegenseitigen Hospitationen und Unterrichtsbesuchen zusammenarbeiten und sie in dieser Eingangsphase stärken möchten."
Nicht zuletzt ist an der Autonomen Hochschule auch ein neuer Masterstudiengang Lehramt in Planung. "Selbst mit einem vierjährigen Bachelorstudium bilden wir keine 'fertigen' Lehrer aus. Denn wir denken, dass es vor allen Dingen in den Bereichen der Heilpädagogik und der Förderpädagogik Vertiefungen bedarf. Deshalb würden wir hier gerne einen passgenauen Master anbieten. Dieser Master ist aber natürlich nicht nur für unsere zukünftigen neuen Studierenden, sondern für alle Lehrkräfte, die hier in Ostbelgien tätig sind", berichtet Mattar.
Im Hinblick auf die Reform des Bachelorstudiengangs ist die Autonome Hochschule aktuell auf der Suche nach aktiven Lehrern. Sie sollen Teil des Pilotprojekts "Kooperative Praktika" werden und Lehramtsstudierende bei ihren Praktika begleiten.
Lindsay Ahn