Professor der Uni Lüttich fordert Minenbau 2.0 in Kelmis

Die Gemeinde Kelmis hat eine reiche Geschichte. Und diese Geschichte hat auch mit dem Reichtum, den der Minenbau einst gebracht hat, zu tun. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde dort Galmei abgebaut, der für die Zinkherstellung wichtig war. Die Mine ist längst geschlossen. Aber ein Professor der Universität Lüttich glaubt an eine Renaissance des Minenbaus in Kelmis und Umgebung.

Oskarstollen im Hohnbachtal zwischen Lontzen und Kelmis

Erinnerung an den Bergbau: Oskarstollen zwischen Lontzen und Kelmis (Bild: Julien Claessen/BRF)

Im Boden von Kelmis und Umgebung ist noch einiges zu holen. Es klingt flapsig ausgedrückt, fasst aber die Ansicht von Eric Pirard zusammen. Denn da, wo es Galmei gab oder gibt, gebe es auch eine Reihe von wertvollen Rohstoffen wie Germanium, Indium und Gallium, sagt der Ingenieurprofessor für geologische Minenressourcen an der Universität Lüttich.

Germanium ist wertvoll für die Glasfaserherstellung, Indium für die Touchscreen-Produktion und Gallium für elektronische Hochfrequenzbauteile sowie Leuchtdioden. Ob sich eine Förderung lohnt, könnten Probebohrungen zeigen.

Als 2018 ein im Bergbau tätiges Privatunternehmen die Absicht äußerte, in Kelmis und Umgebung den Bergbau wiederzubeleben, hatte die Wallonische Region dies aber abgelehnt – zur Erleichterung vieler Anwohner.

Professor Pirard ist aber der Ansicht, dass man den Minenbau wieder lokal nutzen sollte. Man könne doch nicht alle wirtschaftlichen Aktivitäten outsourcen. Man mache es sich zu einfach, wenn man die Herstellung der Produkte, die unseren Alltag vereinfachen, einfach den Chinesen und Afrikanern überlässt, sagte Pirard der RTBF. Man müsse wieder lernen, die Ressourcen zu fördern, damit Produkte herzustellen und am Ende auch zu recyceln.

Fragt man auf der Straße, findet man Befürworter, die sich davon neue Arbeitsplätze versprechen, andere machen sich Sorgen, ob die Umwelt und die Gesundheit darunter leiden könnten. Die Bürgermeisterin von Bleyberg, Marie Stassen, ist auch eher skeptisch. Seit mehr als 100 Jahren gebe es nun schon keinen Minenbau mehr in Bleyberg, sagt sie.

Man habe eine neue Wirtschaft entwickelt, die aus Landwirtschaft und Tourismus bestehe. Eine Wiedereröffnung der Minen hätte große Auswirkungen, vor allem auf die Wassergewinnung. „Es geht also um eine substantielle Frage, da das Wasser doch unser Gold ist“, so die Bürgermeisterin.

Fest steht: Die Wiedereröffnung von Minen ist in Belgien und auch in Europa ein sensibles Thema. Das gilt besonders für die direkten Anwohner. Der aus Eupen stammende Geologe der Universität Lüttich, Hans-Balder Havenith, hatte das Dilemma bereits 2018 im BRF so zusammengefasst: „In vielen Bergbaugebieten sind Schäden entstanden, die niemals wieder rückgängig gemacht werden konnten. Da sollte man drauf acht geben. Aber man sollte auch wissen, dass die wohl reichsten Regionen der Welt die Regionen sind, wo Bergbau unternommen wird oder wo Öl gefördert wird.“

Manuel Zimmermann

8 Kommentare
  1. Frank Mandel

    Ein herausragender Beitrag!
    Mir ist der Professor (ich kenne ihn nicht und mach aber trotzdem Reklame) überaus sympathisch.
    Alle Daumen hoch!

  2. Claudia Iseler

    Ich befürchte, dass das Naturschutzgebiet rund um Kelmis und überhaupt die Natur sehr sehr schwer beschädigt wird, so dass der Tourismus, den es wegen der Schönheit der Natur ja nur geben kann, als Wirtschaftsfaktor nicht mehr leben kann.

  3. Mike Abt

    Als Geologe und Anwohner in der in Frage kommenden Gegend bleibt festzustellen: der bergbauliche Eingriff in einer seit 100 Jahren renaturierten, idyllischen und touristischen beliebten Gegend, mit über 20’000 dadurch entstandenen Arbeitsplätzen, gerechtfertigen keine wenige Tonnen Ausbeute seltener Metalle die ökologische und wirtschaftliche Zerstörung dieser so einmaligen Gegend. Die Gewinnung von Pb/Sn würde gleichzeitig betrieben werden, mit allen begleitenden Nachteilen die bergbauliche Förderung, auch die modernste, mit sich bringt. Von den damaligen „Reichtümern“ des Abbaus ist nichts Sichtbares geblieben, weder für die Bevölkerung, noch von der bestehenden Architektur. Von einem neuen Vorhaben der bergbaulichen Ausbeutung profitieren also wiederum ganz Wenige, zum Vorteil von ebenfalls ganz wenigen, aber zum Nachteil sehr vieler Menschen und der Umgebung. Finde den Fehler.

  4. Keller Bernd

    Ich wäre dabei!
    Mit den Minen war auch immer ein gewisser Wohlstand verbunden.
    Ob in Alsdorf oder Lüttich.
    Heute hat man das Wissen Umweltschäden besser zu vermeiden, die Technik unter Tage ist fortgeschritten und das Unfallrisiko gesunken.
    Lokaler Abbau entspricht zudem der Forderung nach kurzen Wegen und Autarkie.
    Die wenigen Touristen bringen keinen Wohlstand.

  5. Christian Reul

    Ich finde den Grundgedanken auch sehr interessant.
    Wenn ich mir vorstelle wo diese Rohstoffe derzeit abgebaut werden, und vor allem zu welchen Bedingungen (inklusive Kinderarbeit), und in Betracht der Lieferwege und Verfügbarkeiten, wäre es sicher interessant über diesen Vorschlag weiter zu diskutieren. Denn auch für die weiterverarbeitende Industrie wäre es somit wieder vorteilhafter sich hier anzusiedeln, und dies ist auch nicht zu vernachlässigen!

  6. Patrick Kockartz

    Also wo in Kelmis ein grosses Touristenaufkommen besteht ist mir wohl bisher verborgen geblieben. Blühende Hotels oder Geschäfte? Fehlanzeige…eher Leerstand. Da kann der Bergbau kaum Schaden verursachen. Ok Umwelt, da muss man sensibel planen … Arbeitsplätze und Steuereinnahmen sind wichtig und durch Arbeitsplätze kommt auch Leben in die Stadt, werden Hotels benötigt usw.

  7. Erwin Vroomen

    Mann sollte auch bedenken das unsere Gegend reich an Grundwasser ist .Einmal verseucht dann werdet ihr merken das man Geld nicht Trinken kann.

  8. Martin Henke

    Ich war damals bei der entsprechenden Informationsveranstaltung in Kelmis. Man Bedenke, dass im modernen Bergbau nur verhältnismäßig wenige Arbeitsplätze geschaffen werden. Die entsprechenden Fachkräfte kommen dann von außerhalb. Der „Wohlstand“ fließt vor allem an die Unternehmen und Aktionäre. Die Infrastruktur und Umwelt hingegen werden verstärkt belastet.

    Nicht zuletzt ist unsere Region Rhein-Maas als Standort für das Einstein-Teleskop im Gespräch. Mit der Wiederaufnahme von Bergbau wäre das Projekt hinfällig. Schade, dass das im Artikel nicht erwähnt wird.