Der letzte Schornsteinfeger

Sie zählen als die Glücksbringer schlechthin - Schornsteinfeger. Erich Neumann war der letzte seiner Art in Ostbelgien und auch er hat jetzt seine Karriere beendet.

Schornsteigfeger (Bild: Lindsay Ahn/BRF)

Bild: Lindsay Ahn/BRF

Die Arbeit in schwindelerregenden Höhen – das war über 46 Jahre lang der Alltag von Erich Neumann. Bei Wind und Wetter steigt er auf die Dächer der Region und kehrt die Kamine. Alleine beim Gedanken an die luftigen Höhen wird vielen sicher mulmig – Erich Neumann kennt es nicht anders: „Mein Vater war schon Schornsteinfeger. Von daher habe ich schon in der Ferienzeit mitgearbeitet und habe nach der Schulzeit eine richtige Ausbildung gemacht.“

Als er anfing, gab es alleine in Eupen drei Schornsteinfeger. Die Nachfrage nach dem Traditionsberuf ist in den letzten Jahrzehnten aber stark gefallen. Auch, wenn es in seinem Betrieb keinen Nachfolger gibt, sollen seine Kunden sich aber keine Sorgen machen: „Ich habe mir sagen lassen, dass man momentan den Beruf hier nicht mehr erlernen kann. Aber ich habe jetzt Kontakt bekommen und werde höchstwahrscheinlich jemanden haben, der meine Kunden übernimmt.“

In Belgien ist es Pflicht, seinen Schornstein reinigen zu lassen – dass das extrem wichtig ist, zeigen einige Momente, an die Erich Neumann sich zurück erinnert: „Was ich aus dem Schornstein gezogen habe? Das war zum Beispiel mal ein riesiger Uhu, der runter gefallen ist. Er hat es leider nicht überlebt. Ich habe aber auch schon eine Taube raus geholt, habe das Tierchen fliegen lassen und wo ist sie hin geflogen? Genau auf den Schornstein, in den sie gerade reingefallen war.“

Schornsteigfeger (Bild: Lindsay Ahn/BRF)

Über 46 Jahre auf den Dächern der Region – dort erlebt man sicher viel. Und trotzdem habe es in der ganzen Zeit nur einen einzigen Schreckmoment gegeben, sagt Erich Neumann: „Ich habe einen Unfall gehabt. Da ist eine Leiter mal weg gerutscht, auf der ich stand. Aber sonst ist zum Glück nie was passiert.“

Ob das am Glück der Schornsteinfeger liegt? Nicht nur Erich Neumann ist sich sicher, dass da was dran ist: „Das passiert jeden Tag: Leute, die mir die Hand geben, die mal am Knopf fühlen müssen. Es gibt auch Frauen, die gerne mal gedrückt werden möchten. Aber nur unter der Bedingung, dass das weiße T-Shirt da ist.“

Denn der schwarze Ruß auf dem weißen Stoff soll besonders viel Glück bringen. Und auch an seinem allerletzten Arbeitstag ist nochmal alles gut gegangen, für den letzten Schornsteinfeger Ostbelgiens.

Lindsay Ahn

2 Kommentare
  1. Peer van Daalen

    Kaum zu glauben!

    Der gute Mann hat anno 2000 mal bei einem Hausbesuch auf unserem Gehöft in Baelen mir schwer leidenden Menschen eine Erkrankung treffsicher diagnostiziert, für die meine damaligen Ärzte 9 Wochen gebraucht haben, sie zu erkennen.

    Tiefe Ober- und Unterschenkel-Thrombose rechtes Bein. Sollte bei der Eindeutigkeit der Symptomatik eigentlich jeder Idiot zu in der Lage sein.

    Danke Herr Neumann | Gruß Peer

  2. Christophe Heuschen

    Alles Gute wünschen wir!