Speak-Up-Bündnis wird zur Vernetzungsstelle

Falschnachrichten und Hassrede sind nicht erst seit Corona ein Thema. Aber sie scheinen immer mehr Platz in unserer Gesellschaft einzunehmen. Dagegen angehen will eine Vielzahl von Organisationen: Auch in der Deutschsprachigen Gemeinschaft, wo es seit einiger Zeit das Speak-Up-Bündnis gibt. Die Akteure dahinter wollen jetzt noch breiter agieren.

Speak Up: Kampagne für den zivilisierten Umgang mit Sozialen Netzwerken (Bild: IDP)

Speak Up: Kampagne für den zivilisierten Umgang mit Sozialen Netzwerken (Bild: IDP)

September 2020: Der damalige Bildungsminister Harald Mollers tritt nach Anfeindungen zurück. November 2021: Am Triangel in St. Vith hat jemand eine Hassnachricht gegen Ministerpräsident Oliver Paasch angebracht. Dezember 2021: Am Haus des Europaparlamentariers Pascal Arimont wird eine Drohung gefunden, später sogar ein Brandsatz.

In großen Teilen der Bevölkerung sorgten die Taten für Empörung. Auch das Speak-Up-Bündnis zeigte sich besorgt und positionierte sich in einem offenen Brief. Dazu Sabrina Kirschner vom Bündnis: „Uns war halt wichtig, Stellung zu beziehen als Netzwerk, als engagierte Menschen in der Zivilgesellschaft. Und darauf aufmerksam zu machen, dass das nicht geht. Dass halt wirklich da eine rote Linie überschritten war und dass die Strafverfolgung eingeschaltet werden musste. Und damit haben wir in der Gesellschaft einen Nerv getroffen.“

Falschnachrichten als Kriegswaffe

Doch mit der Pandemie hören die Falschnachrichten nicht auf. „Durch den Krieg in der Ukraine, durch die Corona-Pandemie ist es so, dass Informationen auch zur Kriegswaffe werden können. Da ist es natürlich klar, dass man eine größere Sensibilität in der Gesellschaft schaffen muss.“

Was sind Fake News und wie erkennt man sie? Wo kommen sie her? Fragen wie diese hat das Bündnis bereits auf einer ersten Tagung versucht zu beantworten. Auch wenn diese Fragen nicht nur Ostbelgien betreffen, ganz im Gegenteil, findet Sabrina Kirschner es wichtig, genau darüber hier vor Ort zu reden.

„Natürlich gibt es ganz viele wissenschaftliche Publikationen, die sich mit den Themen befassen. Die stehen aber meistens in abgelegenen Bibliotheken und sind in sehr komplizierter Sprache von Leuten geschrieben, die sich damit auf einer sehr abstrakten Ebene auseinandersetzen“, so Kirschner. „Was dort halt fehlt, sind konkrete Informationen, Hilfestellungen und Handlungsempfehlungen, wie man etwas konkret, vor Ort und im Kleinen umsetzen kann.“

Tagung geplant

Eine zweite Tagung ist bereits geplant. Hier sollen Interessierte aus Gesellschaft und Wissenschaft noch besser miteinander vernetzt werden. „Das Bündnis hat sich zur Vernetzungsstelle vergrößert. Wir sind über die Euregio-Grenzen hinüber geschwappt: Die Bibliothek Aachen engagiert sich. Wir haben Kooperationspartner in Deutschland, mit denen wir binational deutsch-belgische Projekte machen, wo wir zum Beispiel was machen für Lehrkräfte und Leute, die in der Jugend- und Sozialarbeit arbeiten.“

Die richtigen Angebote an die richtigen Stellen vermitteln, um dann wichtige Präventionsarbeit zu leisten. Genau darin sieht die Speak-Up-Vernetzungsstelle ihre Aufgabe. „Letzten Endes würden wir uns natürlich freuen, wenn die Menschen, mit denen wir arbeiten, selber zu Multiplikatoren werden, die die Erkenntnisse, den Input, die Informationen und Erfahrungen, die sie auf der Tagung gewonnen haben, dass sie die dann weitertragen – zu den Freunden, zu Bekannten, an den Arbeitsplatz. Sodass es eine immer größere informierte Masse gibt, die nicht mehr für Fake News und Hate Speech zugänglich ist.“

Für eben diese Masse sollen die Erkenntnisse der ersten Tagung bald in Buchform veröffentlicht werden.

Andreas Lejeune

3 Kommentare
  1. Marcel Scholzen eimerscheid

    Früher hieß das Wahlkampf.
    Heute Kampf gegen Fake News.

    Da sieht man, wie die Zeiten sich ändern.

  2. Jochen Decker

    Falschnachrichten oder nicht erwünschte Nachrichten?
    Hatespeech oder Kritik am Zeitgeist?

    Wenn Organisationen sich berufen fühlen, Nachrichten als falsch oder richtig einzustufen, lohnt es sich immer einmal nachzusehen wer das gute Werk finanziert.

  3. Marcel Scholzen eimerscheid

    Es gibt Gesetze und Regelungen genug.Es genügt, diese zu respektieren.Man muss nicht katholischer sein als der Papst.

    Die Erwähnung der Fälle Paasch, Arimont, Mollers zeigt doch überdeutlich, dass es sich hierbei um einen Anbiederungsversuch von irgendwelchen politisch korrekten ostbelgischen Untertanen.Vielleicht um Zuschüsse und Posten zu bekommen.

    Und wie wollen die erkennen, ob eine Nachricht bezüglich des Ukrainekrieges richtig oder falsch ist ? Nicht automatisch ist jede russische falsch und jede ukrainische richtig.

    Und es muss auch nicht automatisch falsch sein, was Impfgegner sagen.

    Ich bin misstrauisch eingestellt bezüglich dieser Initiative.Man kann dieser Sache erst trauen, wenn sie den Parteien im bevorstehenden Wahlkampf auf die Finger schaut und auch Mal ein kritisches Wort von sich gibt.

    Im übrigen entscheide ich auch in Zukunft selbst, ob den Nonsens von Russia Today schaue oder nicht.Dort ist auch nicht alles gelogen.