Heißwasserzug: Huppertz AG aus St. Vith hilft Infrabel bei Nachhaltigkeit

Unkraut ist auch bei der belgischen Bahn ein Thema: Es destabilisiert das Gleisbett und wenn man nichts dagegen tut, gibt es irgendwann kein Durchkommen mehr. Statt auf Chemie setzt Bahnnetzbetreiber Infrabel nun auf Heißwasserdampf. Der Prototyp eines neuen Zugs ist von der Huppertz AG in St. Vith gebaut worden.

Der neue Heißwasserzug zur Unkrautvernichtung von Schienennetzbetreiber Infrabel (Bild: Laurent Cavenati/Belga)

Der neue Heißwasserzug zur Unkrautvernichtung von Schienennetzbetreiber Infrabel (Bild: Laurent Cavenati/Belga)

Es wird heißer Wasserdampf statt Glyphosat gesprüht. Denn so soll Unkrautvernichtung bei der Bahn in Zukunft funktionieren. Den Probelauf gab es letzte Woche in Visé. Genutzt wurden dazu ausgemusterte Tankwagen, die aufwändig umgebaut werden mussten.

Den Infrabel-Auftrag erhalten hatte die Huppertz AG, ein Familienunternehmen aus St. Vith, das plötzlich eine besondere Herausforderung zu meistern hatte. So beschreibt es jedenfalls der Leiter der Stahlbauabteilung, Freddy Classen. „Das sind Prototypen. Da gab es keine Zeichnung im Vorfeld. Da wurde viel mit unseren Leuten und den Ingenieuren von Infrabel diskutiert, geplant und Ideen in den Raum geschmissen, um das Projekt zu verwirklichen.“

Mittlerweile wird schon der vierte Wagen umgebaut. Pro Wagen braucht das Unternehmen drei bis vier Monate. Bei einem Leergewicht von 21 Tonnen, im Einsatz kommen noch 50.000 Liter Wasser hinzu. Wasser, das auf eine hohe Temperatur geheizt werden muss und heiß bleiben soll. Gute Technik und Isolation sind dabei wichtig, sagt Classen. „Das erste Projekt umfasste drei Tankwagen, mit einem Fassungsvermögen von insgesamt 150.000 Liter Wasser zur Unkrautvernichtung. Das Projekt wird erweitert auf 300.000 Liter. Das heißt: sechs Tankwagen und zwei Technikwagen.“

Huppertz AG St. Vith

Geschäftsführerin Mireille Huppertz und Freddy Classen, Leiter der Stahlbauabteilung (Bild: Manuel Zimmermann/BRF)

48 Mitarbeiter zählt die Huppertz AG. Das außergewöhnliche und zukunftsorientierte Infrabel-Projekt habe die Belegschaft besonders motiviert, sagt Geschäftsführerin Mireille Huppertz. „Ja, für die Mitarbeiter war es schon sehr spannend. Wir hatten keine Pläne. Wir mussten von vorne anfangen. Da konnten die Mitarbeiter ihr Wissen einbringen.“ Und Freddy Classen merkt an: „Wir hatten die Kapazitäten, um das Projekt herzustellen.“ Also alles aus einer Hand.

Mireille Huppertz‘ Großvater hatte das Unternehmen 1959 gegründet, ihr Vater 1984 übernommen. Seit 2018 ist sie selbst im Unternehmen. Eigene Produkte stellt der Zulieferbetrieb nicht her. Gefertigt wird nach Kundenzeichnungen. Das Unternehmen mit einem Jahresumsatz von sieben bis acht Millionen Euro befindet sich weiter im Wachstum. „Wir haben 2019 die Beschichtungshalle neugebaut. Im Moment bauen wir noch eine neue Strahlanlage“, so Mireille Huppertz.

Das Geschäft läuft. Eine Sorge teilt die Huppertz AG aber mit vielen anderen Unternehmen: den Fachkräftemangel.

Manuel Zimmermann