Innovation in Rodt: Gemeinde St. Vith weiht erste Pflanzenkläranlage der Provinz ein

Abwasser nachhaltig klären - das ist das Ziel einer neuen Kläranlage, die am Freitag in Rodt eingeweiht wurde. Die zuständige Abwasser-Interkommunale Aide hatte sich dafür entschieden, dort eine Kläranlage zu bauen, die auf natürliche Weise funktioniert: nämlich eine Pflanzenkläranlage – die erste überhaupt in der Provinz Lüttich.

Bild: Raffaela Schaus/BRF

Bild: Raffaela Schaus/BRF

Wasser Marsch in Rodt – die Ortschaft in der Gemeinde St. Vith hat seit Freitag ihre eigene Kläranlage. Aussehen tut die Anlage aber eher wie ein großer Garten, und weniger wie ein übliches Klärwerk. Die Abwasserreinigung läuft nämlich mit Hilfe von Pflanzen wie Schilfrohr. Ein Vorgang, der besonders nachhaltig und umweltschonend ist, „vor allen Dingen, weil hier sehr wenig Strom verbraucht wird“, erklärt der St. Vither Bürgermeister Herbert Grommes.

„Wir haben hier ein natürliches Gefälle, wo die Abwässer in die Anlage gelangen. Das ist ein wichtiger Punkt. Es müssen auch keine Motoren betrieben werden. Hier wird alles natürlich durch die Pflanzen geklärt“, so Grommes weiter.

Um alle Schmutzpartikel zu filtern, fließt das Abwasser durch verschiedene Ebenen. Zwischen dem Schilfrohr ist Kies aufgeschichtet – in verschiedenen Größen, um auch feineren Schmutz aus dem Wasser zu klären. „Das Abwasser kommt zuerst oben an der Kläranlage an. Dort ist ein Gitter, das den größeren Schmutz zurückhält.  Dann sinkt das Abwasser bis zur ersten Ebene, auf der drei Filter nacheinander arbeiten. Das geschieht während dreieinhalb Tagen. Jede Filterschicht besteht aus Kies, die nacheinander immer kleiner werden“, erklärt Anne-Lise Lava. Sie ist Ingenieurin bei der Abwasser-Interkommunalen Aide und hat das Projekt in Rodt begleitet.

„Das Schilfrohr dient dazu, einen Gang zu schaffen, damit die Filter nicht verstopfen. In dieser Art von Filter bleibt bereits viel Schmutz hängen“, erklärt sie weiter. „Dann gelangt das Abwasser zur zweiten Filterebene, die etwas tiefer liegt. Dort sind zwei weitere Filter für feineren Schmutz. Es handelt sich um das gleiche Prinzip, aber das Kies dort ist noch feiner. Dann fließt das Wasser wieder zurück in den Bachlauf.“

Es ist die erste Pflanzenkläranlage in der Provinz Lüttich. Denn der einzige Nachteil des Systems ist, dass es viel Platz in Anspruch nimmt. Zwei Quadratmeter pro Einwohner – das sei selten umsetzbar, erklärt die Ingenieurin. „Man muss mit zwei Quadratmeter pro Person rechnen. Hier haben wir 760 Einwohner in Rodt, also brauchten wir 1.500 Quadratmeter Filter. Es ist nicht überall möglich, genug Platz zu haben, um das Wasser auf diese Weise zu klären.“

Es ist die zweite kollektive Kläranlage auf dem Gebiet der Gemeinde St. Vith. Das Kollegium zeigt sich zufrieden mit dem Projekt in Rodt, hofft aber auch, dass bald schon das nächste Projekt ansteht, so Herbert Grommes. „Was wichtig ist, dass jetzt schnell eine dritte Kläranlage nach Recht kommt. Aber da sitzen wir nicht an den Hebeln. Es gilt jetzt bei der Spge und Aide dafür zu sorgen, dass die dritte Kläranlage kommt. Die ist dann in Recht vorgesehen, weil das auch ein kollektives Gebiet ist.“

Raffaela Schaus