Lontzen: Diskussion um Arbeitsklima geht in die nächste Runde

Vergangenen Oktober hatte die Union-Fraktion des Lontzener Gemeinderates schwere Vorwürfe gegen die Mehrheit erhoben. Es ging - grob zusammengefasst - um schlechtes Personalmanagement. Darauf folgten Diskussionen im Gemeinderat. Nun haben sich Mehrheit und Opposition auf ein weiteres gemeinsames Vorgehen einigen können.

Das Rathaus von Lontzen (Archicvbild: Bruno Fahy/Belga)

Das Rathaus von Lontzen (Archicvbild: Bruno Fahy/Belga)

Auf einen Schlag stand das Lontzener Gemeindepersonal im Fokus – und damit auch die Gemeindeführung. An die waren die teils schweren Vorwürfe gerichtet. Ein öffentlichkeitswirksamer Schritt, den Union-Politiker Roger Franssen nach wie vor verteidigt. „Wir haben das nicht zu bereuen. Es war konstruktiv gemeint und nicht destruktiv. So, wie wir hier auch nicht nur kritisieren möchten. Wir möchten dazu beitragen, etwas mit aufzubauen und zu erreichen.“

Für die Union gibt es einiges an Verbesserungspotenzial – das spiegelt sich alleine schon in den Vorwürfen der letzten Monate wider. Die Mehrheit, bestehend aus Ecolo und Energie, sieht das natürlich anders und verweist auf eine Studie. „Dieser externe Dienst hat eine Befragung zum psychosozialen Wohlbefinden am Arbeitsplatz durchgeführt. Die Ergebnisse dieser Befragung sind im Dezember 2021 eingereicht worden. Das Ergebnis ist, dass 78 Prozent der befragten Mitarbeiter sagen, dass das Arbeitsklima in der Gemeinde gut oder sehr gut ist“, erklärt Bürgermeister Patrick Thevissen.

Zu unspezifisch findet wiederum die Union die durchgeführte Umfrage. Neben der Einsetzung einer Vertrauensperson fordert die Oppositionspartei eine „psychosoziale Risikoanalyse“. Die soll genaue Erkenntnisse über die angeblichen Missstände innerhalb von Verwaltung und Bauhof liefern. Gemeinsam mit der Mehrheit soll das weitere Vorgehen erarbeitet werden – und das noch im Monat Juni. „In der Kommission werden wir dann über die Rahmenbedingungen dieser Studie austauschen und dann auch sehen, was danach kommen soll. Vielleicht die Ausarbeitung eines Aktionsplans, eine jährliche Bewertung, die Aktualisierung des Aktionsplans. Aber wirklich gezielt und positiv in Richtung Verbesserung des Arbeitsklimas.“

Während Roger Franssen schon an konkrete Ergebnisse der Studie denkt, relativiert Patrick Thevissen. „Eine solche Analyse macht nur dann Sinn, wenn die Leute, die davon betroffen sein sollen, auch eine gewisse Adhäsion an dieses Verfahren aufbringen können.“

Mit dem Personal reden

Das „Ob“ steht also noch im Raum. Um diese Frage zu klären und nicht nur über das, sondern mit dem Personal zu reden, sollen die Gewerkschaften in die Diskussion eingebunden werden. Die Diskussion um das Arbeitsklima in der Gemeinde soll aber hinter verschlossenen Türen stattfinden, so der Bürgermeister. „In einer Arbeitssitzung, warum? Weil man nicht den konkreten Fall eines Mitarbeiters der Gemeinde in der öffentlichen Sitzung mit allen und dem ganzen Publikum besprechen soll.“

Das Ergebnis ist also offen, die Diskussion darum hat sich aber etwas beruhigt, so dass der ein oder andere am Ende noch versucht, zu beschwichtigen. „Weil alles auch nicht schwarz und düster ist. Den Antrag haben wir effektiv im Gemeinderat vorgebracht. Im Gemeinderat wurde Bereitschaft erklärt, darüber zu diskutieren. Es wurde abgestimmt. Wir haben dann auch eine, ich denke, Einstimmigkeit erzielt. Das heißt, die Forderungen werden geteilt“, erklärt Roger Franssen.

Nun soll festgelegt werden, worüber überhaupt gestritten wird. „Welche ist unsere Ausgangsposition? Können wir uns darauf verständigen, dass es nicht so schlimm ist, wie die Union es sagt und vielleicht nicht so schön ist, wie wir es gesagt haben?“, sagt abschließend Patrick Thevissen.

Die Wahrheit liegt wohl auch hier in der Mitte und die Lösung des Problems in der Arbeitsgruppe. Abgeschlossen ist das Thema nicht.

Andreas Lejeune