Fachkräftemangel in der DG: Zwei Gründe im Fokus

Der Fachkräftemangel beschäftigt die Region schon seit Jahren. Laut Studie des WSR finden inzwischen mehr als die Hälfte der Unternehmer es sehr schwierig, Fachkräfte zu finden. Wo kommt das Problem her? Laut Arbeitsamt sind der demografische Wandel und die Grenznähe die Hauptgründe für den Fachkräftemangel.

Viele Wege führen ... ja, wohin eigentlich? (Bild: Stephan Pesch/BRF)

Archivbild: Stephan Pesch/BRF

Der Fachkräftemangel – eine Entwicklung, die sich seit einigen Jahren abzeichnet. Sie hat zum einen einen ganz einfachen Grund. „Der Punkt ist, dass das Ganze natürlich vor allem auch demografisch bedingt ist“, erklärt Sabine Herzet, die Direktorin des Arbeitsamtes der DG.

„Die geburtenstarken Jahrgänge, die sogenannten Babyboomer, werden in den nächsten Jahren in Rente gehen. Dann wird das Verhältnis zu der Anzahl junger Menschen, die neu in den Arbeitsmarkt reinkommen, besonders negativ sein. Und genau diese Zuspitzung ist ein Element, was den aktuellen Fachkräftemangel in den nächsten Jahren noch stärker zeigen wird.“

Aktuell wird davon ausgegangen, dass die Spitze 2025 erreicht sein wird. In dem Jahr werden in der DG auf 100 Personen, die in Rente gehen, nur 40 Personen auf den Arbeitsmarkt nachrücken. Dieser demografische Wandel betreffe auch die anderen Gemeinschaften in Belgien, allerdings nicht so stark wie die DG.

Gegen diese Entwicklung anzukämpfen, ist quasi unmöglich. Aber der demografische Wandel ist ja nur ein Faktor, der den Fachkräftemangel befeuert. Es gibt noch einen zweiten großen Faktor: die Grenzlage. „Es gibt viele Arbeitsplätze im unmittelbaren Umfeld. Und es ist so, dass auch viele junge Menschen beispielsweise auch nach Deutschland ins Studium gehen.“

Wir haben heute die Situation, dass ungefähr doppelt so viele Ostbelgien zum Arbeiten verlassen, wie beispielsweise aus der Wallonie oder anderen Landesteilen zum Arbeiten nach Ostbelgien reinkommen.“

Faktor Grenzregion

Dabei gilt für Ostbelgien auch noch die Besonderheit, gleich mehrere Landesgrenzen direkt nebenan zu haben. Den größten Zuwachs an Pendlern gibt es in Richtung Luxemburg: In den letzten fünf Jahren sind circa 2.000 Personen dazu gekommen. Knapp 4.200 Personen fahren täglich zur Arbeit nach Luxemburg. Nach Deutschland sind es 4.850 Personen.

Andersherum kommen aber nur 571 Personen aus Deutschland nach Ostbelgien arbeiten. Immerhin kommen knapp 5.600 Pendler aus der Wallonie in die DG, aber dennoch reicht das nicht, um den Fachkräftemangel in der DG zu stoppen.

Der Mangel wird immer größer und ist nicht mehr nur ein Problem für handwerkliche Berufe. Das zeigt auch die Liste der Mangelberufe, die von den belgischen Arbeitsverwaltungen erstellt werden. „Da tauchen natürlich eine ganze Reihe von Handwerksberufen auf, aber auch beispielsweise die Pflege. Mittlerweile muss man sagen, dass der Fachkräftemangel in nahezu allen Sektoren angekommen ist.“

Wie kann dieser breite Fachkräftemangel bekämpft werden? Der Standort muss attraktiver werden und das beginnt schon bei der Ausbildung. Beispielsweise durch eine duale Ausbildung, auch in Verbindung mit den Nachbarländern. „Es wird sehr viel gemacht, um den Standort insgesamt attraktiv zu gestalten und um vielleicht eben auch Fachkräfte von außen hierhin zu locken.“

Aber es bleibt effektiv ein großes Unterfangen„, so Sabine Herzet. Ein Unterfangen, das jedenfalls nicht schnell zu lösen ist. Es braucht wohl noch mehr Lösungsansätze und Zeit, um den Fachkräftemangel in der DG wirklich nennenswert eindämmen zu können.

Robin Emonts

15 Kommentare
  1. Alessandro Vega

    Die Rechnung ist einfach.

    Warum sollte ich in Belgien arbeiten wenn mir von dem gleichen Bruttolohn in Luxemburg im Schnitt fast 1000 Euro mehr bleiben im Netto als in Belgien.

    Dafür nehme ich persöhnlich gerne die halbe Stunde fahrt in Kauf.

    Auch werden Überstunden im gegensatz zu belgien nicht bestraft sondern sind sogar steuerfrei und mit Boni.

    Das lässt sich auch nicht mit besserer Ausbildung etc. in Belgien beheben.

  2. Frank Mandel

    Super Beitrag genauso sieht’s aus.
    Und es macht nicht den Anschein als wolle man daran etwas ändern. Im Gegenteil, die hiesigen Arbeitsbedingungen in einigen Sektoren werden noch unverschämter und dann klatschen wir alle in die Hände.

  3. Edgar Michaelis

    Früher hatte man einen Beruf und konnte sich damit eine respektierte Karriere aufbauen… Das wurde der Kosten/Nutzen Rechnung der Börsen geopfert und seither spricht man nur von Jobs (das impliziert : es braucht keine Fachkraft, kann jeder)… und wenn eine wirkliche Fachkraft mal illegal entlassen wurde/wird … dann will man von Rechten nichts wissen ! Dann werden aus den Fachkräften des Arbeitsamtes auch mal schnell ‚Jobber‘ die keine Ahnung brauchen zu wollen/dürfen/haben, um nicht helfen brauchen zu müssen !
    Auch die werbeträchtigen Stellenausschreibungen implizieren oft, es wird einer gesucht der den Job von dreien zu machen bekommen wird ! Jeder weiss, die teuersten Fehler verbockt/verursacht immer nur der Chef !

  4. Joseph-Bernard Ramscheid

    Alle, die dem belgischen Staat d.h. dem belgischen Steuerzahler ihre Ausbildung verdanken, müssten sich verpflichten, die ersten zehn Jahre in Belgien zu arbeiten. Das wäre vielleicht die Lösung. Dann hätten unsere Krankenhäuser auch genügend Pflegekräfte. Man bräuchte auch keine Umgehungsstraße für die N 62. Die Gemeinde Burg-Reuland hätte auch mehr Steuereinnahmen!

  5. Frank Mandel

    @Herr Michaelis: der Ansatz stimmt. Es geht nicht darum, Menschen zu verpflichten. Es geht darum, dass Menschen in Führungspositionen ihre Tätigkeit zum Wohle und zur Zufriedenheit der Arbeitnehmer wahrnehmen. Und nicht duckmäusern.
    Flagge bekennen und sich einsetzen.
    Und dann müssen die für die Bereiche (mehr oder weniger gewählten Minister- innen) in die Verantwortung genommen werden, nicht im Alleingang handeln zu können.
    Bsp: ab 2025 sollen Kindergärtnerinnen noch mehr Windeln wechseln als ihre Gruppen Arbeit leisten zu können.
    Der soziale Sektor steht vor einem Kollaps. Das muss nicht sein!

  6. Marcel Scholzen eimerscheid

    Guten Abend Herr Ramscheid.

    Jeder Bürger der EU hat das Recht in einem anderen EU Land zu arbeiten.Das Problem liegt beim belgischen Staat und nicht in Deutschland oder Luxemburg.Wenn grosse Firmen ihren Sitz in irgendeiner Steueroase ansiedeln, dann kann ich als kleiner Mann auch mein Geld in einem anderen Land verdienen, wo die Konditionen besser sind.Ich wäre dumm, es nicht zu machen.Die, die neidisch sind auf die Grenzgänger, sind zu ängstlich, den Schritt über die Grenze zu wagen.

    Wenn also Fachkräfte fehlen, dann bitte über die Grenzen schauen und das gleiche wie dort machen.

    Mir scheint immer mehr, die Politik will keine Lösung.Denn jedes Problem gibt auch so manchem Politiker eine Daseinsberechtigung.Und so manchem Gutachter ein lukratives Geschäft.

  7. Freddy Langer

    @ Herr Ramscheid
    Das ist eine mögliche Lösung, aber auf Dauer ändert sich nicht viel.
    Die Politik hat hier die komplette Verantwortung zu tragen. EU weit dürfte es niemals diese Unterschiede bei den Gehältern, Steuersätzen und sozialen Abgaben geben.

  8. Alessandro Vega

    „Alle, die dem belgischen Staat d.h. dem belgischen Steuerzahler ihre Ausbildung verdanken, müssten sich verpflichten, die ersten zehn Jahre in Belgien zu arbeiten. “

    Dann sind demnächst die Bildungseinrichtungen auch leer. Ich habe damals schon im Ausland studiert, weil die Belgischen Konditionenen einfach nur lächerlich sind.

  9. Joseph-Bernard Ramscheid

    Herr Vega, haben Sie auch vom Kindergarten an im Ausland studiert? Die Ausbildung im Kindergarten, Volksschule, Mittelschule … kostet mir Steuerzahler auch sehr viel Geld.

  10. Manz Hannelore

    Wie ich schon im letzten Bericht geschrieben habe..die Menschen die in Luxemburg diese horrenden Löhne kassieren müssten verpflichtet werden auch dort zu wohnen, dann würde diese Ungerechtigkeit schnell ein Ende nehmen.Dicke Löhne kassieren und hier die Mietpreise ins Unermessliche hochtreiben,das kann nicht gehen.Von dem Gehalt was die meisten in Belgien für die gleiche Arbeit verdienen kann sich kaum eine Familie noch die Miete leisten,und schon gar nicht ein Haus bauen.

  11. Alessandro Vega

    @JOSEPH-BERNARD RAMSCHEID „Herr Vega, haben Sie auch vom Kindergarten an im Ausland studiert? Die Ausbildung im Kindergarten, Volksschule, Mittelschule … kostet mir Steuerzahler auch sehr viel Geld.“ Warum nicht gleich noch den Urlaub im Ausland verbieten. Einkaufen sollte auch tabu sein, könnte sonst noch jemand von dem günstigerem Sprit profitieren. Wenn wir schon dabei sind gleich die Grenzen schließen und voll autark machen. EU braucht eh kein Mensch….

    Sie sollten echt mal um weiter als drei Meter voraus denken bevor Sie etwas fordern.

    Die Eifel gehört zu den Wohlhabensten Regionen Belgiens und das liegt nicht daran, dass wir so eine schöne Gegend haben.

    @MANZ HANNELORE

    Das die Miet und Baupreise steigen liegt den Pendlern. So wie Sie schreiben spricht da der Neid und damit einhergehend das Bedürfnis einen Schuldigen zu finden für die eigene Misere. Ungerecht ist es auch nicht, jeder kann den Weg auf sich nehmen.

  12. Manz Hannelore

    Vega…. ich habe viele Jahre in Luxemburg gearbeitet,an der Grenze, also keine lange Anfahrt, aber auch keinen Luxemburger Lohn.Mir ging es deshalb eine Arbeit zu finden die mir gefiel.Neid..bestimmt nicht,mir passt nur nicht dass im Gebiet der DG kein Personal zu finden ist,zb.in dem Pflegebereich,weil im nahen Luxemburg man mehr als das doppelte verdient,mit diesem Geld dann in Belgien baut.oder mietet.was den hiesigen nicht mehr möglich ist..das könnten sie vielleicht verstehen? oder sie gehören auch zu diesen Großverdienern.Mir geht es gut, ich denke nur an die jungen Leute die kaum die Miete bewältigen können..
    Und die Eifel gehört zu den Wohlhabendsten….ja weil alle ins Ausland arbeiten fahren

  13. Alessandro Vega

    @MANZ HANNELORE „ich habe viele Jahre in Luxemburg gearbeitet“ „aber auch keinen Luxemburger Lohn“ Das widerspricht sich. Was ist denn ein „Luxemburger Lohn“

    „….mir passt nur nicht dass im Gebiet der DG kein Personal zu finden ist,zb.in dem Pflegebereich,weil im nahen Luxemburg man mehr als das doppelte verdient,mit diesem Geld dann in Belgien baut.oder mietet.was den hiesigen nicht mehr möglich ist..das könnten sie vielleicht verstehen?“ Die Mieten in Ostbelgien sind nicht höher als in den anderen Landesteilen wie begründen Sie dann den anstieg dort ?
    Und sind die Belgier die in Luxemburg arbeiten etwa keine „hiesigen“ ?

    „Und die Eifel gehört zu den Wohlhabendsten….ja weil alle ins Ausland arbeiten fahren“ Und wo ist das Problem ? Jeder hat die Möglichkeit es auch zu machen. Sie tun so als wäre es ein Privileg, das nur den „Großverdienern“ zusteht was auch das laut Ihnen ist.

  14. Frank Mandel

    Ein zweiter Kommentar wird oft nicht veröffentlicht. Ich versuche es trotzdem mit folgender Motivation:
    Der besagte „Fachkräftemangel“, also der Mangel an sich hat m.E., damit zu tun, dass die Betriebe es nicht mehr wagen, dafür selbst zu sorgen.
    Wer im Rahmen von Vorstellungsgesprächen die passende Fachkraft haben will, orientiert sich an dem was der Mensch anhand seiner Bewerbungsunterlagen mit sich bringt.
    Der Fokus sollte aber auf die Persönlichkeit selbst gerichtet sein.
    Das Vertrauen in den Menschen sollte im Vordergrund stehen: nach qualifizieren und Arbeitsbedingungen schaffen, die das erlauben.
    Wenn Mitarbeiter auf Leitungsebene, keine Voraussetzungen selbst mit bringen, um aus motivierten Menschen Fachkräfte werden zu lassen, muss man sich nicht wundern.
    Der Ansatz und Anspruch was es heißt eine Fachkraft sein zu dürfen, stimmt einfach nicht.
    Es gibt so viele Fachkräfte, die nicht als diese erkannt werden.
    Aus Frust an der Sache, wandert man letztlich ab.
    Luxemburg ist schön!

  15. Guido Schwartz

    Der demographisch bedingte Wandel, am Arbeitsmarkt, ist kaum bestreitbar und nicht umkehrbar. Trotzdem gehört eine Tatsache an- bzw. ausgesprochen, die unabdingbar zum Gesamtbild gehört. Diese heißt, Arbeitgeber-Anforderungsprofil, an Bewerber. (-Achtung Outing, ich bin auch Arbeitgeber!-)
    Wenn ich mir so manche Stellenanzeige, hinsichtlich abgeforderter, zertifizierbar nachzuweisender, Qualifikationen ansehe, dann frage ich mich, ob man unterhalb eines Abschlußes z.B. in Luft-und Raumfahrttechnik und vier Sprachen (Niveau Muttersprachler) überhaupt nach befähigt ist, einen Beruf in der administrativen Betriebsführung, der Produktion, in der Dienstleistungsbranche, als Gabelkstaplerfahrer ect. pp., auszuüben. Es ist doch eine traurige Tatsache, dass eine Vielzahl von Arbeitnehmern (Ü 50), mit gewaltiger Expertise im jeweiliegen Berufsbild, in der Arbeitslosigleit stecken oder in den Niedriglohnsektor abgedrängt werden, weil sie diese Anspruchsphantasterei papiermäßig nicht bedienen können. Ein Teil der Problemlösung liegt doch klar bei den (abgedrehten) Personalern, in den Personalbüros. Von Schulabgängern, unterhalb des Abiturs, will ich erst garnicht anfangen.
    Welch eine arrogante Ressourcenverschwendung!!!