Trockenheit und Waldbrandgefahr: Auch der Wind ist schuld

Das Wetter in diesem Mai ist schön und sonnig. Die Kehrseite: Es ist viel zu trocken. Und ergiebiger Regen ist auch nicht vorhergesagt. Der BRF-Wetterexperte Carsten Brandt warnt im Interview vor Dürre und der Gefahr von Waldbränden.

Die rote Fahne im Hohen Venn zeigt: Waldbrandgefahr! (Bild: Stephan Pesch/BRF, 24. April 2020)

Die rote Fahne im Hohen Venn zeigt: Waldbrandgefahr! (Archivbild: Stephan Pesch/BRF, 24. April 2020)

Es ist schon früh sehr trocken. Ist das ungewöhnlich?

Ja und nein. Eigentlich haben wir immer wieder mal Phasen in Eifel und Venn, aber auch im Eupener Land, in denen wir große Trockenheit haben. Das kommt häufiger vor, aber in den letzten Jahren mehren sich die Signale, dass diese Trockenphasen länger und viel häufiger werden. Im Zeitraum der letzten 15 Jahre gab es in vier von fünf Jahren lange Phasen mit großer Trockenheit, mit Waldbrandgefahr und mit Feldbrandgefahr.  Das ist deutlich mehr als das im 19. Jahrhundert oder nach dem Zweiten Weltkrieg der Fall war.

Wenn wir uns erinnern: Bis Februar war es sehr nass. Aber von den Winter-Niederschlägen ist nichts mehr übrig, oder?

Das ist sehr verrückt gewesen. Wir haben bis Anfang Februar große Nässe gehabt. Wir haben im Dezember, Januar und Anfang Februar mehr Regen gehabt als üblich. Aber dann, als wäre ein Schalter umgelegt worden, kamen diese Ost- und Nord-Ost-Wetterlagen mit trockener Luft. Es war gar nicht mal so warm, aber wir hatten Wind, der dafür gesorgt hat, dass die obersten Zentimeter Boden komplett austrocknen. Da reichen wenige Tage aus, und die Bodenschicht ist komplett trocken. Das ging schon im Februar los, im März und im April gab es die Wetterlagen wieder und jetzt stecken wir im Mai wieder in diesen Situationen. Zwischendurch gab es natürlich kurze Regenphasen, kurzzeitig auch ein paar Tage mit Schnee im Venn. Aber das reicht dann nicht mehr aus, um die Wasserbilanz auszugleichen.

Der Boden ist jetzt so trocken wie normalerweise am Ende des Sommers. Also jetzt, Anfang Mai, haben wir ein Bodengewicht, weil da gar kein Wasser mehr drin ist, wie am Ende des Sommers. Und das ist wirklich verrückt. 2018 hatten wir ja auch ein Trockenjahr, jetzt 2022 sieht es ähnlich aus.

Am Wochenende bleibt es sonnig, trocken und warm. Bis 28 Grad werden im Sendegebiet für Sonntag erwartet. Wann kommt denn der Regen? Und wie viel müsste mindestens fallen, damit die Natur auftanken könnte?

Am Sonntagnachmittag und -abend gibt es ein kleines Schauerrisiko. Am Montag gibt es eventuell einzelne Schauer und Gewitter. Das ist aber kein Landregen, das sind einzelne Schauerzellen. Natürlich gehen das Waldbrandrisiko und das Feldbrandrisiko am Montag zurück, aber schon am Dienstag gibt es wieder trockenes Wetter, am Mittwoch wahrscheinlich auch. Vielleicht kommt am Wochenende danach mal etwas mehr Regen. Aber ob das wirklich kommt, das ist noch sehr unsicher.

Alles, was ich im Augenblick sehe, ist, dass diese gleiche Wetterlage bleibt – wir nennen es eine Blockade-Situation. Das ist eine Blockade der klassischen Tiefdruckgebiete vom Atlantik, die uns normalerweise im Sommer immer wieder feuchtes Wetter bringen. Die Trockenheit kommt wieder zurück, sie ist leider nicht vorbei.

Ich gehe davon aus, dass wir bis Ende Mai, sogar bis weit in den Juni hinein – ohne das jetzt wirklich genau vorhersagen zu können – ähnliche Wetterlagen bekommen, nicht unbedingt immer warm, aber immer wieder trockenen, starken Wind, der die Böden austrocknet.

Das wird also ein ganz schwieriges Jahr für den Forst, für die Wälder und für die Landwirtschaft, weil es schlichtweg einfach an Wasser mangelt.

Das trübt ein bisschen die Freude über das Freibadwetter. Der Wind spielt also eine wichtige Rolle. Die Wetterlage spitzt sich langsam zu.

Der Wind trocknet alles aus. An einem Tag mit Wind sind drei bis fünf Liter pro Quadratmeter weg. Ohne Wind wäre das wesentlich schwächer.

Es gibt ja in der Wallonie das Heckenschutzprogramm. Die Hecken sind unglaublich wichtig, um den Wind zu brechen, den Wind zu reduzieren und die Feuchtigkeit im Boden zu lassen. Gerade bei solchen Wetterlagen sind die Hecken wirklich Gold wert.

Vor zwei Tagen gab es sogar am Weißen Stein einen Staubsturm , so trocken war es. Der Staub ist vermutlich aus landwirtschaftlichen Flächen weg geweht worden. Der Wind greift den Staub von den Feldern auf und treibt ihn dann über Eifel und Venn und über das Eupener Land hinweg. Diese kuriose Situation liegt an der extremen Trockenheit.

jp/est

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