Leidenschaft für das Töpferhandwerk: Jungkeramikerin aus Eupen eröffnet eigenes Atelier

Es gehört zu den jahrhundertealten Handwerken, die nur noch wenige Menschen beruflich ausüben: das Töpfern. In Eupen hat sich eine junge Frau mit Leidenschaft der Keramik verschrieben und sie zum Beruf gemacht. In ihrem kleinen Atelier kreiert Lynn Schoonbroodt ausgefallene Objekte und gibt auch Unterricht.

Lynn Schoonbroodt in ihrem Atelier in Eupen (Bild: Michaela Brück/BRF)

Lynn Schoonbroodt in ihrem Atelier in Eupen (Bild: Michaela Brück/BRF)

Es ist die Vielseitigkeit des Materials, die Lynn Schoonbroodt fasziniert. Schon als Teenager hat sie sich für das Töpfern begeistert. Erste Schritte hat sie bei Keramikerinnen in Kelmis und Raeren gemacht. Jetzt hat sie selbst ein Masterstudium mit Schwerpunkt Keramik an der Brüsseler Kunsthochschule La Cambre abgeschlossen. „Man kann wirklich sehr viel damit machen: Designobjekte, Kunstobjekte. Das Material und die Techniken sind vielseitig.“

Ihre Objekte sollen nicht nur schön sein, sondern auch nützlich – so wie die Trinkhalme aus Ton. Nachhaltigkeit ist für die 24-Jährige schon lange ein Thema. „Schon bevor die Debatte losging und Trinkhalme aus Plastik verboten wurden, habe ich angefangen, Röhrchen aus Keramik zu machen. Jetzt sind sie immer mehr gefragt.“

Alte Techniken, Lebensmittel zu verarbeiten und zu konservieren, faszinieren Lynn Schoonbroodt. Inspiriert von einer afrikanischen Technik hat sie einen Keramik-Kühlschrank ohne Strom entwickelt. „Der nennt sich ‚frigo du désert‘ – Wüstenkühlschrank: Zwei Tonkrüge werden ineinander gesetzt. Dazwischen ist Sand und Wasser. Durch die Verdunstung des Wassers zwischen den Wänden wird es kühl.“

Die Herausforderung: den „frigo du désert“ an unser Klima anzupassen. „Ich habe mir weißen Ton geholt und experimentiert. Am Ende bin ich bei sieben Grad Innentemperatur gelandet. Das ist natürlich nicht für Fleisch geeignet, aber für Obst und Gemüse.“

Der von Lynn Schoonbroodt kreierte Keramik-Kühlschrank (Bild: Michaela Brück/BRF)

Der von Lynn Schoonbroodt kreierte Keramik-Kühlschrank (Bild: Michaela Brück/BRF)

Mehrfach ausgezeichnet wurde Lynn Schoonbroodt für ihr Abschlussprojekt des Masterstudiums: ein Hocker aus Keramik. Auch hier hat sie sich durch andere Kulturen inspirieren lassen. Im Rahmen ihres Studiums hat sie zweieinhalb Monate bei traditionellen Töpfern in der Türkei gelernt. „Andere Kulturen haben andere Techniken. In der Türkei werden große Pötte zum Konservieren zum Beispiel von Oliven gemacht. Diese spezielle Technik habe ich gelernt.“

Daraus ist auch die Idee der Hocker entstanden – eine Herausforderung für die junge Keramikerin. „Ich habe angefangen mit 18 Kilogramm für einen 45 Zentimeter hohen Hocker. Danach habe ich es mit weniger Ton versucht. Jetzt bin ich bei 14 bis 15 Kilogramm. Das ist immer noch eine Masse.“ Die Hocker sind im März im Alten Schlachthof in Eupen zu sehen – im Rahmen der Ausstellung „Zwischending“.

Wenn Lynn nicht selbst kreativ ist, unterrichtet sie mit Begeisterung. Nächste Woche starten in ihrem neuen Atelier am Selterschlag Töpfer- und Modellierkurse für Anfänger und Fortgeschrittene. Infos zu Kursen und dem Atelier an sich gibt es unter atelier-drehmoment.be.

Michaela Brück