Energiepreise steigen und steigen – kein Ende in Sicht

Die Preise für Strom und Gas steigen und steigen - und ein Ende ist nicht in Sicht. Kaum ein Haushalt ist nicht von steigenden Energie-Rechnungen betroffen. Zum Jahresende haben viele Energielieferanten ihre Vorauszahlungen angepasst.

Die Eupener Lehrerin Verena Brammertz sollte plötzlich eine viermal höhere Vorauszahlung leisten (Bild: Simonne Doepgen/BRF)

Die Eupener Lehrerin Verena Brammertz sollte plötzlich eine viermal höhere Vorauszahlung leisten (Bild: Simonne Doepgen/BRF)

Die gestiegenen Vorauszahlungen hat auch die Eupener Lehrerin Verena Brammertz bemerkt. Für ihre Gasrechnung sollte sie plötzlich das Doppelte zahlen.

„Im letzten Jahr war ich noch bei Mega und zahlte 118 Euro monatlich Abschlagsszahlung. Ich bekam dann von Mega die Information, dass es auf 209 Euro erhöht würde und daraufhin habe ich dann angefangen, mich zu informieren bei der Verbraucherschutzzentrale, bei der Cwape (Wallonische Energie-Regulierungskommission) und habe schließlich und endlich zu Eneco gewechselt.“

Und die Rechnung sollte noch teurer werden – bei gleichbleibendem Verbrauch. Als Brammertz sich für den Wechsel zu Eneco entschieden hatte, bekam sie die künftige Abschlagszahlung präsentiert: 454 Euro. Die Lehrerin war geschockt. Das wäre rund das Vierfache des Anfangspreises. Unrealistisch auf den ersten Blick. Also wählte die Eupenerin einen Mittelweg.

„Was im Endeffekt der reele Preis sein wird, das kann einem so wirklich auch niemand sagen. Das hängt davon ab, in welche Richtung die Entwicklung weiter geht. Statt 209 Euro zahle ich im Moment 170 Euro monatlich. Das scheint aber laut Cwape aber zu wenig zu sein. Also rechne ich jetzt mit einer saftigen Nachzahlung. Falls sich nichts ändert an den Energiepreisen.“

In der Verbraucherschutzzentrale Ostbelgien bereitet man sich auf einen Ansturm von Verbraucherklagen vor. Die Preise für Heizöl und Strom hätten sich innerhalb eines Jahres verdoppelt, berichtet Bernd Lorch, der Geschäftsführer der VSZ. Beim Gas sei es noch extremer: Hier hätten sich die Preise vervierfacht bis versiebenfacht.

„Und das Leben wird teurer. Deshalb ist es wichtig, jetzt schon etwas Geld auf Seite zu legen und zu sparen, um diese Vorauszahlungen bewältigen zu können. Und Energiesparen. So einfach oder so dumm es klingt: Energiesparen ist wichtig.“

Bernd Lorch von der Verbraucherschutzzentrale Ostbelgien (Bild: Simonne Doepgen/BRF)

Bernd Lorch von der Verbraucherschutzzentrale Ostbelgien (Bild: Simonne Doepgen/BRF)

Trotzdem können Verbraucher etwas tun: Wer einen fixen Vertrag für Strom oder Gas hat, kann sich glücklich schätzen. Wurde der Vertrag vor Oktober 2021 abgeschlossen, sollte er beibehalten werden. Bei variablen Verträgen lohnt sich der Blick zur Konkurrenz. Die Verbraucherschutzzentrale sieht aber auch die Regierung in der Pflicht.

„Wir fordern, dass die Regierung zumindest die Mehrwertsteuer von 21 Prozent auf sechs Prozent reduziert, damit die Verbraucher die Möglichkeit haben, nicht in die Armutsfalle abzurutschen“, sagt Bernd Lorch. Das sei nämlich die große Gefahr, „dass die Menschen am Ende des Jahres nicht mehr mit ihren Ecken und Enden zu Rande kommen.“

Doch warum steigen die Preise? Die Antwort ist komplex. Eine entscheidende Rolle spielt die Geopolitik. Aktuell bereitet vor allem der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine Sorgen.

Die Verbraucherschutzzentrale hat keine Hoffnung, dass die Preise bald wieder sinken: „Zum momentanen Zeitpunkt auf jeden Fall nicht. Im Gegenteil. Die Preise könnten sogar noch weiter steigen.“ So lange bleibt dem Verbraucher nur eins: Heizung runter und Licht aus.

Praktische Infos

Haben Sie Fragen zu Ihrer Energierechnung oder brauchen Beratung in puncto Energielieferant? Die Verbraucherschutzzentrale Ostbelgien erteilt Auskunft.

Eine wichtige Anlaufstelle ist auch die Energieberatungsstelle Ostbelgien.

Vergleichen Sie verschiedene Energieanbieter. Die Wallonische Energie-Regulierungskommission Cwape bietet einen Online-Vergleich an.

Infomaterial der VZS Ostbelgien (Bild: Simonne Doepgen/BRF)

Infomaterial der VZS Ostbelgien (Bild: Simonne Doepgen/BRF)

Simonne Doepgen

12 Kommentare
  1. Uwe Chemnitz

    Und? Wie soll man das machen, wenn man mietet….keinen Einfluss darauf hat..von wegen Wärmedämmung?
    Ich finde, das es höchste Zeit ist, das diese verdammt gut bezahlten Politiker das tun, für was sie eigentlich mal gedacht waren…also TVA runter auf 6% mit Anpassung auf das Einkommen, sonst lachen sich die Reichen noch kaputt.

    Es ist nicht zu Verstehen, wie man derart den Preis erhöhen kann, weil „ETWAS“ Sorge bereitet…so schön nach dem Motto: Wir holen uns mal was von
    unseren Kunden, könnte ja schlimmer kommen.

    Ginge ich zum Metzger und will ein Rindersteak kaufen, sagt der:
    War gestern auf der Koppel, und die Kuh hat so blöd die Augen verdreht, jetzt isset 10 € mehr pro KG 😉

    Energieanbieter wechseln..hier in Belgien….Telefonanbieter wechseln hier in Belgien…
    In beiden Fällen kann man böse Überraschungen erleben.
    Die Geldvorteile sind hier marginal.

  2. Marcel scholzen eimerscheid

    Im Ukraine-Konflikt war man schnell bei der Hand. Nur den Verbraucher entlasten, scheint ein Ding der Unmöglichkeit zu sein. Da wird diskutiert und gestritten ohne Ergebnis. Das macht Politik ziemlich unglaubwürdig.

  3. Damien Leusch

    Die Tipps im Video am Ende.. Heizung runter und Licht aus .. wow phänomenal!
    Immerhin haben wir damals fixe Preise genommen und hatten „nur“ eine Nachzahlung von 600€. Klar die muss man auch erst mal haben, aber schon heftig..
    Und dann wundern wenn der Unmut ansteigt – die Politik ist JETZT gefordert und muss umgehend handeln, wenn sie sich noch glaubwürdig geben will, was aufgrund der momentanen Corona-Beschränkungen ohnehin schon schwer genug ist. Gruß

  4. Hendrik Baacke

    Zitat: [So lange bleibt dem Verbraucher nur eins: Heizung runter und Licht aus.] Und das von der Verbraucherzentrale… Geht es noch sarkastischer?

  5. Manz Hannelore

    Wenn man den Hausbesitzern Mal beibringen würde Solar-Platten aufs Dach zu machen, damit wäre das Problem warmes Wasser schon gelöst, bekommen ja vom Staat Zuschuss, eventuell noch Votovoltaik,das würde den Menschen helfen und der Umwelt.Verstehe nicht was da so kompliziert ist.Wenigstens da könnte der Staat helfen,und selbst den Mietern wäre geholfen.Aber rumjammern wegen der Umwelt,die Politiker müssen dringend wach gerüttelt werden.

  6. Guido Scholzen

    Zum Vergleich mal Heizöl(normal)-Preise wie früher:
    Datum; Preis pro Liter (Franken und Euro): ==> Inflationsbereinigt in Euro 2022
    23.1.1982; 14 BFR=0,35€ ==> 0,87€
    21.1.1992; 8 BFR=00,20€ ==> 0,34€
    31.1.2002; 0,27 € ==> 0,38€
    31.1.2012; 0,86-0,89 € ==> 0,97-1,00€
    25.1.2022; 0,83-0,86 €

    Man sieht, dass die Heizölpreise stets extrem schwankten, und dass es Zeiten gab, wo diese so teuer waren wie bisher.
    kein neues Phänomen.
    Verändert haben sich andere Rahmenbedingungen:
    -Besteuerung der Energie
    -Durchschnitts-Einkommen der Menschen
    -Die Menschen bezahlen immer mehr Anteil ihres Einkommens an Steuern und Sozialversicherungen. Für andere private Notwendigkeiten bleibt weniger übrig.
    -Der Energiebedarf pro Person steigt permanent.

  7. Anke Baatz

    Die Schuld alleine bei den Hausbesitzern zu suchen ist falsch. Ich lebe im eigenen Altbau allein mit meinen Kindern, es gibt immer irgendwas auszubessern und ich würde mich verdienstmäßig dem unteren Mittelstand zuordnen. Erst neulich meine letzten Ersparnisse für neue Fenster ausgegeben und die Heizung musste repariert werden. Mehr ist zur Zeit einfach nicht drin! Ich kann mir eine umfangreiche Sanierung einfach nicht leisten. Auch nicht mit einem KfW Kredit, da dass Haus noch nicht abbezahlt ist. Die Kreditraten auf mein Haus sind genauso hoch wie eine Kaltmiete. Mehr investieren ist einfach nicht drin. Wir gönnen uns keinen Luxus, keine Urlaubsreisen. Unser Luxus ist es, mal anderswo als bei Lidl einkaufen zu gehen! Ich mache mir große Sorgen um unsere Zukunft. Alles wird teurer, wie soll man das noch alles bezahlen? Fühle mich von der Politik im Stich gelassen!

  8. Peter Mertens

    Warum sendet der der Stromanbieter , wenn er die Preise erhöht nicht einen Brief an seine Kunden und bietet als Sofortmaßnahme schon eine Erhöhung der monatlichen Abschlagszahlung an
    Ist er gesetzlich nicht gezwungen die Kunden zu Informieren?

  9. Georg Kremer

    Das ist meines Wissens „schon“ der Fall. Möglicherweise noch nicht seitens aller Anbieter, aber zumindest LUMINUS hat gestern alle Kunden in diesem Sinne ihre Kunden kontaktiert.

  10. Peter Mertens

    Wenn der Anbieter den Preis erhöht, ohne eine Benachrichtigung zu senden, sollte man klagen, da man nicht informiert wurde.

    Man sollte den Brief vor der Preiserhöhung senden mit dem Hinweis das man den monatlichen Abschlag mit sofortiger Wirkung erhöhen oder Kündigen kann.
    Von Engie / Ores kam bisher nichts.

  11. Margarete Rossberg

    Wir haben bei Electrabel am 14. OKTOBER den Vertrag von variabel auf fix gesetzt mit 3 Jahre Laufzeit
    Da bin ich mal gespannt

  12. Pierre Völl

    Statt gegen Corona und Impfzwang zu meutern, sollten die Allesleugner eher gegen die steigenden Energie- und Lebensmittelpreise auf die Straße gehen!