Ärztin aus Bütgenbach hilft Transitmigranten in Namur

Mehr als 28.000 Migranten haben 2021 den Ärmelkanal überquert. Auch in Belgien harren die Menschen Wochen oder Monate aus und warten auf die Gelegenheit, es zumindest bis nach Calais zu schaffen. Sie sind auf sich alleine gestellt. Außer sie haben das Glück, dass sich ein Kollektiv um sie kümmert - wie in der Gemeinde Bruyères in der Provinz Namur. Dort lebt und arbeitet die aus Bütgenbach stammende Ärztin Ingrid Henz.

Ingrid Henz (1. v. r.) mit Unterstützern des Kollektivs und der Gemeinde vor dem Lokal (Bild: privat)

Ingrid Henz (1. v. r.) mit Unterstützern des Kollektivs und der Gemeinde (Bild: privat)

Es sind hauptsächlich junge Leute aus afrikanischen Ländern wie Eritrea, Sudan und der Tschad, aber auch aus Afghanistan. „Die Leute haben manchmal schon andere europäische Länder durchwandert oder haben auch sogar schon versucht, Asyl anzufragen in anderen europäischen Ländern, wo das dann nicht geklappt hat“, erzählt Ingrid Lenz. Und dann setzen sie ihre Reise fort mit dem Ziel Großbritannien.

Das Hilfskollektiv in Bruyères liefert in erster Linie humanitäre Hilfe. „Wir versuchen, Unterkunft zu beschaffen, damit sie sich ausruhen und schlafen können. Wir versorgen sie mit Essen, sie können sich das Essen selber zubereiten. Hier und da wird auch für sie gekocht.“

In ihrer Gemeinde können die Menschen auch duschen. Der lokale Fußballclub stellt dafür zwei Mal pro Woche seine Duschen zur Verfügung. Auch juristische und medizinische Beratung bieten die freiwilligen Helfer an. Jeder im Kollektiv gibt, was er gerne geben möchte oder geben kann. Als Allgemeinmedizinerin übernimmt Ingrid Henz die medizinische Betreuung. „Dadurch, dass das junge Leute sind, die einigermaßen gesund sind, ist das natürlich keine Arbeit, die sehr viel Zeit in Anspruch nimmt.“

Aber es gibt Ausnahmen: „Manchmal müssen dann auch Situationen im Krankenhaus weitergeführt werden oder beim Zahnarzt. Hinzu kommt: Diese Leute erleben sehr viel Stress, was nicht spurlos an ihnen vorbeigeht. Und da hilft einfach auch die Tatsache, dass das Kollektiv präsent ist. Dass wir mit ihnen reden und einfach ein offenes Ohr haben, ist sehr wichtig.“

jp/sh