Amel bleibt steuergünstig und sucht neue Einnahmequellen

Die Gemeinde Amel will im kommenden Jahr rund drei Millionen Euro investieren - zum überwiegenden Teil mit Eigenmitteln. Im Unterschied zu anderen Gemeinden verzichtet sie trotz günstiger Zinssätze auf Anleihen. Auch die Steuern werden nicht erhöht.

Amels Bürgermeister Erik Wiesemes (r.) und Oppositionssprecher Berthold Müller (Bild: Stephan Pesch/BRF)

Amels Bürgermeister Erik Wiesemes (r.) und Oppositionssprecher Berthold Müller (Bild: Stephan Pesch/BRF)

Sechs Prozent Zuschlag auf die Einkommenssteuer, 1.200 Zuschlaghundertstel auf die Immobilienvorbelastung: Die Gemeinde Amel bleibt für ihre Bürger eine der steuergünstigsten Gemeinden im ganzen Land. Früher war auch mal vom „Steuerparadies“ die Rede – und von üppigen Holzverkäufen. Nicht nur in dieser Hinsicht hat sich einiges geändert, auch wenn der jüngste Holzverkauf einen „zufriedenstellenden Preis“ erbrachte. Aber angesichts von Borkenkäferplagen und klimatischen Herausforderungen wird die Waldbewirtschaftung umgestellt – hin zu mehr Mischwald.

„Wir müssen uns darauf einstellen, dass mittel- und langfristig die Einnahmen aus den Holzverkäufen etwas sinken werden. Deswegen ist es auch wichtig, nach neuen Einnahmequellen zu suchen“, sagt Amels Bürgermeister Erik Wiesemes. Beispielsweise über die Nutzung von Windenergie. Neben dem bestehenden Windpark bei Valender-Wereth, dessen Konzession 2026 abläuft, schweben der Gemeinde weitere Projekte bei Hepscheid (mit der Gemeinde Büllingen) und entlang der Autobahn vor. Berthold Müller von der Opposition kann sich damit gut anfreunden: „… wo ich aber einen gewissen Mangel sehe, ist zum Beispiel die Förderung von erneuerbaren Energien im privaten Bereich beziehungsweise auch auf öffentlichen Gebäuden. Da bestehen noch sehr viele Möglichkeiten, die in meinen Augen in der Gemeinde noch nicht genutzt werden.“

Einen „Nachholbedarf“ will Erik Wiesemes in dieser Frage aber nicht erkennen, so seien schon Schulen mit Photovoltaik ausgerüstet worden: „In diesem Jahr werden weitere zwei Schulen folgen. Wir werden das dann über mehrere Jahre strecken. Es gibt schon eine Vision, alle Schulgebäude dort, wo es auch technisch machbar ist, mit Photovoltaikanlagen auszustatten und eben nicht nur Schulen, sondern auch andere öffentliche Gebäude.“

In der Vergangenheit gab es in der Gemeinde Amel zwischen Mehrheit und Opposition Reibungspunkte aufgrund von Problemen in der Industrie- und Gewerbezone Kaiserbaracke. Aber das ist laut Berthold Müller vorbei: „In meinen Augen läuft das im Augenblick ziemlich gut, auch dank der Mehrheit, und da vor allem Stephan Wiesemes, der als zuständiger Schöffe in der letzten Legislatur schon die Initiative ergriffen hatte und für eine gewisse Ordnung gesorgt hatte – natürlich auch unter Einfluss und Mitwirken der Bürgerinitiative Kaiserbaracke und auch der Opposition.“

Auch die Gemeinderatssitzungen zeugen von einem harmonischen, konstruktiven Miteinander von Mehrheit und Opposition – trotz klarer Verhältnisse von 13 zu vier: „Grundsätzlich: wenn jemand im Gemeinderat oder aus der Bevölkerung gute Ideen hat, die auch finanzierbar sind, bin ich offen dafür, egal aus welcher Ecke das kommt“, so der Bürgermeister. „Da kann ich klipp und klar sagen: In diesem Zusammenhang ist schon ein großer Unterschied zur letzten Legislatur zu merken. Obwohl: Gehört und umsetzen ist ja noch etwas anderes. Es gibt schon noch Themen, wo wir verschiedener Meinung sind. Nichtsdestotrotz sind der Umgangston und die Art, wie man miteinander spricht, schon wesentlich anders“, empfindet Berthold Müller .

Stephan Pesch