Weltgedenktag für alle verstorbenen Kinder und junge Erwachsene

Es ist eine schöne und herzerwärmende Aktion: Bei "Worldwide Candle Lighting" oder auf Deutsch "Ein Licht geht um die Welt" zünden Menschen auf der ganzen Welt, jedes Jahr am zweiten Sonntag im Dezember um 19 Uhr Ortszeit, Kerzen für ihre verstorbenen Kinder, Geschwister und Enkelkinder an.

Brennende Kerzen

Illustrationsbild: Yasin Akgul/AFP

Erlöschen die Kerzen in der einen Zeitzone, werden sie in der nächsten entzündet, so dass ein Kerzenband in 24 Stunden die ganze Welt umringt. So soll sich – durch die Zeitverschiebung – ein leuchtendes Band um den Globus ziehen und an alle Kinder erinnern, die viel zu früh gehen mussten. Begleitet wird dieses Candle Lighting weltweit von Aktionen wie Gottesdiensten, Lesungen, Zeitungsberichten und vielem mehr.

Auch in Ostbelgien wird diese Aktion begleitet – im Norden genauso wie im Süden findet dieses Jahr ein Gedenkgottesdienst statt. Valérie Lambert ist selbst Betroffene und hat sich vor zwei Jahren dafür eingesetzt, dass diese Aktion auch im Norden der DG stattfindet, während sie in Iveldingen in der Eifel schon seit Längerem stattfindet.

Die Tatsache, dass an diesem Abend auf der ganzen Welt Eltern, die das Gleiche erlebt haben wie man selber, ihren verstorbenen Kindern gedenken, stärkt sie. „Es gibt einen Zusammenhalt, ein ganz großes Gefühl, das für jeden Einzelnen etwas bedeutet“, sagt sie.

Nicht-betroffene Menschen tun sich schwer im Umgang mit Eltern, die den Verlust eines Kindes erleben mussten. „Trauer an sich ist immer ein sehr großes Tabuthema und viele Menschen haben Schwierigkeiten, sich dem zu öffnen. Und wenn es dann auch noch um Trauer um ein verstorbenes Kind geht, ist das noch mal ein ganz anderes Kapitel. Ich denke, viele Betroffene wünschen sich viel, viel mehr Offenheit und wünschen sich auch, dass man auf sie zugeht.“

Umso wichtiger sei diese Aktion als eine Art geschützter Rahmen, in dem jeder, der dieses Schicksal erfahren hat, zusammenkommen und trauern oder liebevoll gedenken kann. Jedes Jahr gibt es ein anderes Thema für den Gedenkgottesdienst. In diesem Jahr lautet es ‚In guten Händen geborgen‘. Um dieses Thema herum werden passende Lieder und Texte ausgesucht, die einen kleinen Impuls geben sollen.

Außerdem gibt es jedes Jahr zwei wiederkehrende Aktivitäten: So schreiben die Eltern den Namen des verstorbenen Kindes auf und bringen ihn nach vorne. Und am Ende wird für jedes verstorbene Kind eine Kerze entzündet und nach vorne in eine Feuerschale gelegt. Eine Minute wird dann ganz ruhig innegehalten und auf dieses Meer an Kerzen geschaut. „Das ist ein sehr starker Moment in diesem Gedenkgottesdienst“, sagt Valérie Lambert.

Im vergangenen Jahr musste das Zusammenkommen corona-bedingt ausfallen, was sie sehr schade fand. „Das hat uns auf jeden Fall gefehlt. Die Tatsache, dass um 19 Uhr eine Kerze ins Fenster gestellt wird, macht da noch mal was mit einem. Aber das ist ja natürlich etwas ganz Persönliches und etwas, was man alleine macht für sich. Und wie gesagt zu wissen, dass hier jetzt viele Betroffene einfach reinkommen in einen Raum, wo wir zusammen feiern können – ich nenne es jetzt einfach mal feiern – oder gedenken können: Das macht schon viel mit einem.“

Die Gedenkgottesdienste finden am Sonntag, 12. Dezember, statt: im Norden um 17 Uhr in der Bergkapelle von Eupen, im Süden um 16:30 Uhr in der Kirche von Iveldingen.

lo/fk

10 Kommentare
  1. Frank Mandel

    Die Toten soll man ruhen lassen, denn sie sind schon von uns gegangen.
    Die Lebenden benötigen unsere Gedanken aus denen Taten werden, im besten Falle.
    Die Vergangenheit soll den Kummer und das Leid mit sich nehmen und nicht Irrlichter die Herzen blockieren und Menschen im Schmerz fest halten.

  2. Susanne Schiffer

    Ein „soll“ ist an dieser Stelle unangebracht!
    Danke für das tolle Angebot!
    Ob es der Seele gut tut, darf jede und jeder für sich selbst entscheiden.

  3. Janina Pauels

    Herr Mandel,
    Ich finde Ihren Kommentar ziemlich unpassend. Jeder Mensch trauert auf seine sehr eigene Art und Weise. Niemand muss dieses Angebot annehmen, aber Sie können es auch niemandem absprechen.

  4. Werner Meyer

    Zu (u. a.) Herrn Mandels Kommentar:
    Gibt’s die Netiquette im brf-Forum eigentlich noch?

  5. Lutz-René Jusczyk

    Herr Mandel, es erstaunt mich immer wieder, mit welcher Selbstsicherheit Atheisten inzwischen auftreten: Nicht die Spur eines Zweifels, dass die eigene Position falsch sein könnte!
    Als Christ glaube ich an Gott und an ein ewiges Leben. Dies schließt für mich den Glauben daran ein, dass wir unsere Lieben einmal in einer transzendenten Dimension des Seins wiedersehen dürfen.
    Nachdem ich mich seit Jahren intensiv mit dem Phänomen der Nahtod- und Außerkörperlichkeitserfahrungen beschäftige und selbst die Möglichkeit erhielt, mit Betroffenen ins Gespräch zu kommen, fällt es mir schwer, daran zu zweifeln, dass es einen immateriellen Personkern, sprich: eine Seele, gibt, welcher den physischen Tod überdauert.
    Selbstverständlich beweisen derartige Erfahrungen solches nicht; gleichwohl ist es keineswegs vermessen, sie als gewichtige Hinweise zu werten.
    Ich frage mich, woher Atheisten ihre Sicherheit beziehen. Aus einer Hirnforschung, die nicht über den Aufweis von Korrelationen zwischen Geistigem und Physischem hinaus kommt?

  6. Maria van Straelen

    Ich frage mich, woher Christen seit jeher ihre Sicherheit beziehen, Herr Jusczyk und mit welcher Selbstsicherheit sie seit knapp 2000 Jahren auftreten. Hier steht nicht mehr als Aussage gegen Aussage und es ist bisher KEIN EINZIGER BEWEIS für einen Gott gegeben, nur Hirngespinste, hauptsächlich mit dem Ziel, sich Menschen untertan zu machen und mit der Hölle zu drohen. Bis heute überwiegen die Schandtaten der Kirche bei weitem den „Nutzen“

  7. Alexander Hezel

    Herr Jusczyk, das alles hat nichts mit „Selbstsicherheit“ zu tun, sondern schlichtweg mit der Tatsache, dass sehr viele – in Europa die zunehmende Mehrheit – eben nicht an Märchengeschichten glauben.

    Ist es nicht vielmehr die Arroganz der Gläubigen auf ihrem hohen moralischen Ross, die einen Herrn Mandel dafür rügen, dass er die Dinge einfach anders sieht?

    Zur Bezeichnung „unpassend“ oder „unangebracht“: Der Britische Comedian Ricky Gervais hat einmal gesagt: „Der größte Trick der Religionen war nicht, den Leuten weiszumachen, es gäbe einen Gott, sondern dass sie diese Vorstellung nicht lächerlich finden dürfen.“

  8. Janina Pauels

    Herr Hezel,
    Ich bin keinesfalls gläubig, noch sitze ich auf einem „moralisch hohen Ross“. Ich fand den Kommentar von Herrn Mandel, jemandem vorschreiben zu wollen, wie er zu trauern hat, bzw. Jemandem seine Art der Trauer/ des Gedenkens „madig“ zu machen, einfach unpassend. Jeder Mensch, ob gläubig oder nicht, hat das Recht zu trauern und zu gedenken, wie er möchte. Ob er dafür das Angebot eines Gottesdienstes annimmt oder nicht, liegt nicht im Ermessen eines Kommentatoren im Brf Forum.

  9. Lutz-René Jusczyk

    Werte Frau von Strealen, Christen beanspruchen doch gar nicht, die Existenz Gottes beweisen zu wollen. Das, was als sog. „Gottesbeweise“ angesehen wird, sind strenggenommen nichts anderes als begründete Hinweise; – nicht mehr, aber auch nicht weniger.
    Ich stelle nicht in Zweifel, dass in vergangenen Jahrhunderten der christliche Glaube dazu missbraucht wurde, weltliche Macht zu legitimieren. Dies ist glücklicherweise heute nicht mehr so. Durch den christlichen Glauben fühle ich mich keineswegs eingeschränkt, ganz im Gegenteil. Der Glaube schenkt mir die Freiheit, die Endlichkeit unseres irdischen Dasein zu akzeptieren.
    Was ist denn besser: Darauf hoffen zu dürfen, dass wir unsere verstorbenen Angehörigen und Freunde einmal im Reich Gottes wiedersehen dürfen, oder sich damit abzufinden, dass einmal ein großes Nichts auf uns wartet?

    Herr Hetzel, ob es einem vollständig säkularisierten Europa, in dem der christliche Glaube durch eine atheistische Weltsicht abgelöst wurde, gelingt, die Herausforderungen der Zukunft zufriedenstellend zu meistern, muss sich erst noch zeigen.

  10. Maria van Straelen

    Herr Jusczyk, wäre schön, wenn Sie meinen Namen mal richtig hinbekämen, das gelingt mir doch bei Ihrem nicht ganz einfachen auch. Das nur nebenbei.
    Indem Sie sich aber immer hervortun, der christl. Glaube würde alles besser regeln, wollen Sie Ihre Sichtweise aufdrängen. Christen untereinander haben sich noch in meiner Jugend gegenseitig zerfleischt, es wurde von der Kanzel gepredigt, dass Ehen zwischen Protestanten und Katholiken eine Sünde seien (sowieso nur legitimiert, falls katholisch vollzogen). Nein, der kath. Glaube ist BIS HEUTE in vielen Punkten nicht hinnehmbar (ich sage nur Kindesmisbrauch)
    Ich akzeptiere die Endlichkeit meiner Existenz. Übrigens, was ist denn von einem Gott zu erwarten, der das „ewige“ Leben nur Menschen der letzten 2000 Jahre zugesteht, und davon die meiste Zeit nur den (weissen) Europäern? Haben Menschen von vor 3000 Jahren nicht das Recht Ihre Angehörigen wiederzusehen? Ein sehr eingeschränkter Gott ist das