Konzert-Event „1945“ steht in den Startlöchern

Am Wochenende wird die Premiere des Musicals "1945" gefeiert. Es erzählt die Geschichte eines Soldaten aus Eupen, der im Zweiten Weltkrieg Gebirgsjäger war. Eigentlich hätte das Musical schon im Mai 2020 aufgeführt werden sollen. Doch mehrmals wurden die Proben coronabedingt verschoben. Jetzt ist es endlich soweit.

Generalprobe zu "1945" (Bild: Chantal Scheuren/BRF)

Generalprobe zu "1945" (Bild: Chantal Scheuren/BRF)

Das Musical 1945 ist eine aufwändige Inszenierung. Es spielt in einer Zeit, in der Ostbelgien zum Dritten Reich gehörte. Der Eupener Soldat Robert Pönsgen zieht in den Krieg. Es entsteht ein reger Gedankenaustausch in Form von Briefen.

„1945 präsentiert eigentlich die Zeit des Zweiten Weltkriegs aus Sicht der ostbelgischen beziehungsweise der damaligen Bevölkerung hier in der Region. Wir haben eine authentische Briefsammlung von über 300 Briefen von einem Eupener Soldaten komplett gelesen und analysiert. Daraus werden auch sehr viele Briefe vorgetragen und die Szenen sind daran orientiert“, sagt Orchesterdirigent und Drehbuchautor Simen Van Meensel.

Die Aussagen von Familie und Angehörigen erschrecken, sind sie doch zum Teil von nationalsozialistischem Fanatismus geprägt. Während Robert Pönsgen als Gebirgsjäger in Finnland ausharrte, tobte anderswo der Krieg. „Er hat eigentlich sehr viel Glück gehabt, im Gegensatz zu vielen anderen Soldaten hier aus der Region. Gerade aus der Gegend Eupen-Malmedy-St. Vith ist ein Großteil der Soldaten nie zurückgekommen, weil die wirklich an der Front stationiert waren.“

„Bei den Gebirgsjägern war es sehr ruhig, sie saßen im Gebirge und haben sehr viel gewartet. Man sieht auch in den Briefen, wie viel Langeweile eigentlich da oben herrschte und es teilweise sogar spannender war, was hier in der Region passierte“, erzählt Van Meensel.

Orchesterdirigent und Drehbuchautor Simen Van Meensel (Bild: Chantal Scheuren/BRF)

Dirigent und Drehbuchautor Simen Van Meensel (Bild: Chantal Scheuren/BRF)

Stimm- und tongewaltig erzählen die Akteure die Geschichte von Robert Pönsgen, seinen Kumpels an der Front und der Familie, die in der Heimat geblieben ist. Die Akteure des Musicals wurden in der gesamten Euregio rekrutiert. „Es sind fast 120 Leute, die hier auf der Bühne stehen – in Co-Orchester und Schauspiel. Im Eastbelgica-Orchester einerseits sind schon etwas mehr als 50 Musiker. Dann gibt es den Chor Musica Cantica, verstärkt durch sehr viele Gastsänger aus der gesamten Region. Auch noch knapp 20 Schauspieler sind dabei, sie wurden für dieses Projekt gefunden in allen Altersklassen.“

Über das Eupener Staatsarchiv ist Eastbelgica an die originale Feldpost des Gebirgsjägers gelangt. Es entstand ein persönlicher Kontakt zum Sohn von Robert Pönsgen, mit dem das Stück gemeinsam erarbeitet wurde. „In Zusammenarbeit mit meiner Kollegin Anja Pitz wurden die gesamten Texte geschrieben, zum Beispiel auch alle Chorwerke“, erklärt Van Meensel.

„Das ist bestehende Musik, aber alles englischsprachig. Wir haben dazu komplett neue Texte geschrieben, die dann zum Stück passten. Dann haben wir zusammen mit Astrid Baguette, die sich um das Schauspiel kümmert, die gesamte Inszenierung, die konkreten Abläufe der Schauspieler auf der Bühne erstellt.“ Im dritten Anlauf kommt die Produktion „1945“ auf die Bühne. Die Chorsänger, Orchester-Musiker und Schauspieler brennen darauf, im Eupen Plaza die Zuschauer in ihren Bann zu ziehen.

Der Briefwechsel ist die Grundlage des Drehbuchs zu "1945" (Bild: Chantal Scheuren/BRF)

Der Briefwechsel ist die Grundlage des Drehbuchs zu „1945“ (Bild: Chantal Scheuren/BRF)

Chantal Scheuren