Schulprojekt Lichtenbusch bleibt Streitthema in der Gemeinde Raeren

Im Streit um die Gemeindeschule Lichtenbusch hat die Raerener Mehrheit die Weichen gestellt: Sie hat den Kauf eines Grundstücks für einen Schul-Neubau beschlossen - rund 300 Meter vom alten Standort entfernt. Die Opposition kämpft weiter für eine Fusion mit der Schule in Eynatten.

Die Schule in Lichtenbusch (Bild: Raffaela Schaus/BRF)

Die Gemeindeschule in Lichtenbusch (Archivbild: Raffaela Schaus/BRF)

Man sieht sie nicht, aber man hört sie, wenn man in der Lichtenbuscher Pleistraße steht: die Autobahn, die hinter dem Grundstück verläuft, auf dem die neue Schule gebaut werden soll. Zu laut und zu unsicher kritisierte die Opposition im Raerener Gemeinderat. Bürgermeister Jérôme Franssen sieht das nicht so. „Wir werden dem beim Bauplan Rechnung tragen. Mit Sicherheit wird man die Autobahn in der Schule nicht hören“, betont Franssen. Das Gebäude wird sich circa 300 Meter von der Autobahn befinden.“

Für das Projekt habe es eine breite Konzertierung gegeben: sowohl mit dem Urbanismus, Infrastrukturdienst und der Feuerwehr als auch mit dem Lehrerkollegium der Lichtenbuscher Schule, so Bürgermeister Franssen.

Sein Vorgänger und jetziger Oppositionsführer Erwin Güsting kritisiert die Entscheidungsfindung. „An der Entscheidungsfindung waren nur Befürworter beteiligt: dienstältere Lehrer, Parteien aus dem Gemeinderat, die das Projekt befürworten. Man hat die Entscheidung über den Schulneubau in Lichtenbusch im eigenen Brei getroffen“, so Güsting.

Rund 170.000 Euro kostet das Grundstück. Viel zu teuer, schimpft die Opposition. Denn es handelt sich um Agarland und nicht um Bauland. Franssen hält den Preis für fair und angemessen, da aus dem Agrarland Bauland werde. „Jetzt ist es Wiesenland, in Zukunft aber nicht mehr, weil wir dort die Schule bauen. Deshalb ist ein erhöhter Preis von 28 Euro fair und angemessen.“

Hier an der Pleistraße in der Nähe zur Autobahn soll die neue Schule gebaut werden (Bild: Julien Claessen/BRF)

Hier an der Pleistraße in der Nähe zur Autobahn soll die neue Schule gebaut werden (Bild: Julien Claessen/BRF)

Auf rund acht Millionen Euro veranschlagt die Mehrheit den Schulneubau in Lichtenbusch. Viel zu teuer für dieses kleine Einzugsgebiet, meint Güsting. Denn die Schule würde nur von elf Prozent der Schulpflichtigen genutzt. „Das ist ein Wahnsinnspreis für eine kleine Ecke in der Gemeinde, eine neue Schule zu bauen. Und auch noch Grünland dafür in Anspruch zu nehmen, ist heutzutage nicht mehr standesgemäß.“

„Mit uns“ befürwortet statt eines Neubaus in Lichtenbusch eine Fusion mit Eynatten. Im Dorfzentrum könnte dann ein Schulzentrum entstehen. Das sei aufgrund der Personalreserven sinnvoller und weitsichtiger, weil die Einwohnerzahlen steigen.

Doch die Mehrheit hält gerade deswegen an vier Schulstandorten in der Gemeinde Raeren fest. Insgesamt erreiche die Einwohnerzahl knapp 11.000. „Wir dürfen die Situation in Eynatten nicht verschärfen“, findet Franssen. „Dort haben wir noch Kapazitäten, um die Entwicklung aufzufangen. Wir müssen an allen vier Standorten anbauen.“

Auch wenn er emotional an der Schule Lichtenbusch hänge, sei ein Neubau dort nicht sinnvoll, bekräftigt Güsting. Er bezweifelt auch, dass das Projekt starten wird und die Aufsichtsbehörde den in seinen Augen überhöhten Kaufpreis des Grundstücks genehmige. „Ich nenne 28,30 Euro einen Gefälligkeitspreis, den die Gemeinde zahlen möchte. Ob das genehmigt wird, stelle ich in Frage.“

Deshalb will die Opposition noch nicht die Waffen strecken. Das Schulprojekt Lichtenbusch bleibt wohl ein Streitthema.

Michaela Brück