Mit dem Moby unterwegs: Zu Besuch bei Streetwork

Sie sind knallrot und bunt bemalt: Die Rede ist von den sogenannten Mobys. Mit den umgebauten Kleintransportern sind die Streetworker der Deutschsprachigen Gemeinschaft unterwegs. Dank der Unterstützung von Sponsoren konnten zwei neue Modelle angeschafft werden.

Moby (Bild: Andreas Lejeune/BRF)

Bild: Andreas Lejeune/BRF

Die Schule ist aus und am Eupener Bushof ist einiges los. Busse kommen an, Schüler steigen ein und aus. Direkt neben dem Bushof und kaum zu übersehen – dem neuen Anstrich sei dank – steht ein Moby. Damit sind Streetworker wie Céline Taeter seit Kurzem unterwegs. Eine mobile Anlaufstelle, die flexibel eingesetzt werden kann: „Mit dem Bus ist es das Ziel, einen Ort zu kreieren, an dem die Jugendlichen sich wohlfühlen können, wo die ankommen können. Dann haben sie die Möglichkeit, uns als Ansprechpartner zu nutzen. Aber die sind auch frei, das zu nutzen oder nicht.“

Gerade ist ein Jugendlicher vorbeigekommen, um kurz Hallo zu sagen. Er trinkt eine Tasse Tee, unterhält sich kurz, dann muss er auch schon wieder weg. Vom Weg aus rufen immer wieder junge Menschen der Streetworkerin zu, man kennt sich. Genau das ist ein wichtiger Grundstein für die Arbeit auf der Straße: „Daraufhin können wir auch besser sehen, was gerade los ist bei der Jugend, was die Jugend braucht. Dann können wir auch als Sprachrohr dienen und auch Anfragen oder einen Bedarf sehen und mit den Jugendlichen gemeinsam nach Lösungen suchen.“

Eine dieser Jugendlichen ist Noélia. Auch sie schaut beim Moby vorbei und freut sich, Bekannte zu treffen. Sie weiß genau, was gerade los ist bei der Jugend. Im Hinblick auf die letzten Monate sind ihre Wünsche klar: „Also auf jeden Fall psychische Hilfe, weil viele auch Probleme dadurch haben. Und vielleicht auch Aktivitäten, um wieder aus dem Haus zu kommen und sich vielleicht auch zu integrieren.“

Die Streetworker arbeiten auf der ersten Linie. Sie stellen den Kontakt her, bauen Vertrauen auf und leiten die Sorgen und Wünsche der Jugendlichen weiter. So die Theorie. Manche brauchen weniger Unterstützung, manche mehr. Der ein oder andere kommt wieder auf das Angebot der Streetworker zurück. So ist es am Ende dann auch die letzte Linie, auf der man aktiv ist, erzählt Céline Taeter – und das bei vier Streetworkern für ganz Ostbelgien.

Zum Vergleich: An einem Mittwochnachmittag am Bushof kommen bis zu 80 junge Menschen vorbei: „Es ist sehr schwer. Da müsste man tatsächlich viele Leute haben. Aber da arbeiten wir auch gemeinsam in dem Netzwerk, um zu schauen, wie wir das machen können. Aber es gibt tatsächlich trotzdem sehr viel Bedarf. Und wir kreieren keinen Bedarf, wir decken ihn nur auf. Wir haben das Glück, durch den Rahmen, den wir haben – wir funktionieren sehr niederschwellig und auf freiwilliger Basis – viele Jugendliche zu erreichen.“

Moby (Bild: Andreas Lejeune/BRF)

Moby (Bild: Andreas Lejeune/BRF)

Wenn die Jugendlichen sich wohl- und ernst genommen fühlen, sei die eigene Arbeit bereits erfolgreich, so Céline Taeter. Vielleicht ist genau das in Zukunft noch etwas öfter der Fall. Denn die neuen Mobys sind kaum zu übersehen und einladend gestaltet. 25 Jugendliche haben geholfen, das Innere der Fahrzeuge zu gestalten: „Wir haben mehr Sitzplätze. Es hat auch viel mehr Persönlichkeit, weil so viele Jugendlichen daran teilgenommen haben. Der Stauraum ist besser organisiert, der Bus ist ein Meter länger. Wir haben eine Standheizung für den Winter. Wir haben Strom, können ein Handy laden. Das ist schon Luxus für uns.“

In der Zwischenzeit sind wieder neue Menschen am Moby eingetroffen. Sie brauchen Hilfe bei behördlichen Dokumenten. Auch hier helfen die Streetworker weiter.

Moby (Bild: Andreas Lejeune/BRF)

Bild: Andreas Lejeune/BRF

Andreas Lejeune