Nach der Flutkatastrophe: Der Schimmel macht sich breit

Mehr als zwei Monate ist die Flutkatastrophe nun her. Auch wenn Weser und Hill wieder in ihrem natürlichen Bett fließen, ist bei vielen Betroffenen noch lange nicht alles wie vorher. Zahlreiche Häuserfassaden in den vom Hochwasser betroffenen Vierteln lassen nur erahnen, was sich im Inneren verbirgt.

Flutopfer Heidi Krasel (Bild: Simonne Doepgen/BRF)

Flutopfer Heidi Krasel (Bild: Simonne Doepgen/BRF)

Der Schimmel macht sich breit. Mal sind es ganze Pilze, die aus den Innenwänden sprießen, mal kommt der Schimmel als schwarze Flecken daher, mal als rosa Pelz. In dem Altbau von Heidi Krasel stand das Wasser mannshoch. Mittlerweile ist das Wasser zwar abgeflossen, Schlamm und Geröll wurden abgetragen. Doch die Feuchtigkeit, die bleibt. Immerhin: Am Tag des Besuchs konnte Heidi Krasel einen Bautrockner in ihrem Gewölbekeller aufstellen: „Den habe ich heute geholt. Und da ist so ein Auffangbehälter, der das Wasser aufnimmt, wenn das Wasser aus der Luft kommt. Aber da ist ein Schlauch, den muss ich in einen Eimer geben. Wenn der Eimer voll ist, muss ich das dann nach oben bringen und das Wasser ausschütten.“

Seit mehr als zwei Monaten bemüht sich die 62-Jährige um einen Bautrockner: „Was ich gucken muss ist das Finanzielle. Es kostet mich jeden Tag 24 Euro. Jetzt für die Dauer von sieben Tagen. Das ist schon ein Happen an Geld. Ich bin Frührentnerin und Invalidin. Reicht denn ein Gerät? Nein, ich glaube nicht. Ich habe ein Fachwerkhaus, das saugt sich voll wie ein Schwamm. Weil die Feuchtigkeit drin ist. Und der Schimmel, der wächst. Ich bin doch froh, was zu haben.“

Kurz nach der Flut waren viele Helfer vor Ort. Auch die Solidarität unter Nachbarn sei sehr groß. Doch nun ist erst mal Schluss mit konkreter Hilfe. Auf die Versicherung kann Heidi Krasel nicht zählen. Das Haus müsste entkernt werden. „Auch die Gutachten müssen bezahlt werden. Das macht keiner umsonst.“

Bislang sind alle Anträge auf finanzielle Hilfe von Heidi Krasel nicht berücksichtigt worden. Immerhin: Das Öffentliche Sozialhilfezentrum hat einen Besuch angekündigt: „Jetzt kommt morgen mal jemand vorbei vom ÖSHZ und schaut sich das an, ob ich überhaupt berechtigt bin, das zu bekommen. Obwohl ja jeder sagt: Das ist dein Eigentum. Ob du jetzt auf dem Speicher bist oder sonst was. Damit ich das Recht auf Beihilfen bekomme. Und ich brauche sehr viel Beihilfe.“

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Ihre Wohnung hat die gelernte Krankenschwester im ersten Stock. Die Feuchtigkeit krieche nach oben. Mit Blick auf den Winter wird die Situation nicht besser: „Ja, das ist es eben. Der Feuchtigkeit kann ich nicht Herr werden. Die krabbelt und nimmt kein Ende. Weil meine Enkeltochter hier gewesen ist und sagte „Oma hier kann nicht schlafen, hier ist alles nass“. Ich merke das nicht mehr. Man funktioniert nur noch.“

Der gesundheitlichen Risiken ist sich Heidi Krasel bewusst: „Ich meine, das Immunsystem wird dadurch sehr geschwächt. Da bin ich froh, dass ich wenigstens ein kleines Apparätchen bekommen habe. Ob es hilft, kann ich nicht sagen. Aber ich habe die Hoffnung.“

Ob sie froh über helfende Hände wäre, fragen wir zum Abschluss. Mit Sicherheit, sagt Heidi Krasel. Jede Unterstützung sei willkommen.

Simonne Doepgen