Pilotprojekt geht zu Ende: Dosenpfandautomat keine langfristige Lösung

Vor gut zwei Jahren bekamen die Gemeinden Büllingen und Bütgenbach den Zuschlag für ein wallonisches Pilotprojekt. Das Ziel des Projekts: weniger Müll, beziehungsweise weniger weggeworfene Büchsen in der Natur. Ein Pfandautomat sollte dazu anregen. Nun geht das Projekt zu Ende. Zeit für ein Fazit.

Bild: Chantal Scheuren/BRF

Schöffe Reinhold Adams am Pfandautomat in Büllingen (Archivbild: Chantal Scheuren/BRF)

Dose rein, Pfand raus – so zumindest das Prinzip des Pfandautomaten. Der wurde vor zwei Jahren vorgestellt. Nun geht das wallonische Pilotprojekt zur Müllvermeidung zu Ende. „Es haben sich schon etliche Bürger in beiden Gemeinden an der Aktion beteiligt“, erzählt die Bütgenbacher Schöffin Nadia Sarlette. „Wir haben in jeder Gemeinde so etwa 100 fleißige Sammler. Da sind aber ein paar sehr fleißige Sammler bei. Eine Sammlerin hat schon über 20.000 Büchsen alleine gesammelt. Das ist schon eine Leistung für die Gesellschaft.“

Wirklich reibungslos hat das Projekt jedoch nicht funktioniert. Der administrative Aufwand war hoch. Sammler mussten sich online registrieren. Neben dem Automaten gab es auch eine manuelle Annahmestelle. Die musste wegen Corona jedoch vorübergehend geschlossen werden. Auch fiel der Automat in Panne.

Teilerfolg

Büllingens Schöffe Reinhold Adams hat deshalb eine klare Meinung. „Es ist für mich kein Zukunftsprojekt, weil der Arbeitsaufwand und Verwaltungsaufwand in keinem Verhältnis zu dem steht, was es einbringt“, findet Adams. „Das einzig Positive ist, dass wir in der Natur in der Tat weniger Metallbüchsen finden.“

Es war die Situation um den Bütgenbacher See, die den beiden Gemeinden zu schaffen machte. Zu viel Müll wurde dort liegen gelassen. In den vergangenen zwei Jahren wurden 3.010 Kilo Getränkebüchsen eingesammelt. Zumindest ein Teilerfolg. „In der Natur findet man in der Tat weniger Büchsen“, bestätigt auch Schöffin Nadia Sarlette. „Die Flaschen liegen aber noch immer herum. Ein allgemeines Büchsenpfand wäre für uns eine bessere Lösung, als dieser Automat.“

Alternative

Langfristig favorisieren die beiden Gemeinden andere Lösungen. Die Gemeinde Bütgenbach möchte der „alliance de la consigne“ beitreten. Ein Verbund, der mehr als 1.000 niederländische und belgische Gemeinden vereint. Die fordern die Einführung des Pfands auf Plastikflaschen und Metallbüchsen.

„Da sind jetzt auch die ersten französischsprachigen Gemeinden dabei“, erklärt Sarlette. „Ich glaube, Baelen, Lontzen und Weismes haben sich jetzt angeschlossen. Wir wären auch gerne dabei, weil das wäre schon sinnvoller. Man sieht in Deutschland, dass es ganz gut funktioniert und da war es auch ein großes Projekt, so was einzuführen.“

Noch bis Ende Juni wird der Automat in Büllingen stehen. Die Gutscheine bleiben bis Ende September gültig. Langfristig in Erinnerung bleiben wird das Pilotprojekt wohl kaum. Beendet ist die Diskussion um das Pfand damit nicht.

Andreas Lejeune

4 Kommentare
  1. Michael Rebag

    Büllingens Schöffe Reinhold Adams hat deshalb eine klare Meinung. „Es ist für mich kein Zukunftsprojekt, weil der Arbeitsaufwand und Verwaltungsaufwand in keinem Verhältnis zu dem steht, was es einbringt“
    Das ist jedoch ein grosser Erfolg. Arbeitsaufwand und Verwaltungsaufwand zu gross für eine saubere Umwelt? Dann macht es doch wie in Deutschland. Werfe den Müll einfach weg, Strafen drohen. Aber dazu muss Polizei und/oder Ordnungskräfte der Gemeine auf der Strasse sein.
    Es ist traurig, wenn man ansehen muss, wie die Mülltonnen an den Autobahnparkplätzen überlaufen. Kameras sind nicht mehr so teuer und machen sich mit den Strafzetteln für die Verursacher schnell bezahlt.

  2. Luc Saffre

    Hier in Estland hast du an jedem Supermarkt einen solchen Pfandautomaten und das System funktioniert super. Es gibt so gut wie keine Getränke zu kaufen, deren Flasche oder Dose nicht angenommen wird. Die Automaten werden von unabhängigen Firmen betrieben und gewartet. Das System unterliegt einem zentralen Dienst, dem die Verkäufer das kassierte Pfand zahlen. Wer Getränke in unbepfandeten Flaschen und Dosen verkauft (z.B. Direktimportware), der muss das deklarieren und ebenfalls pro Flasche zahlen, aber ohne es vom Kunden zurück zu kriegen.
    Und die Leute reagieren jeder auf seine Art: der Neureiche gibt damit an, dass er die leeren Flaschen weiterhin achtlos wegwirft, weil er das Geld nicht nötig hat. Andere sammeln diese Flaschen mit großen Müllsäcken ein und verdienen sich damit ein warmes Essen pro Tag. Und einmal erklärte mir einer, dass er auf ausländische Flaschen spezialisiert ist: klebt ihnen ein selbstgedrucktes Etikett auf, um den Automaten zu hintergehen.

  3. Norbert Schleck

    Es ist schon etliche Jahre her, da waren wir mal in Köln, um uns den Rosenmontagszug in natura anzuschauen.

    Damals sah man da Leute, die mit einer Einkaufstüte, einem Plasiksack oder gar einem Einkaufswägelchen an den Zuschauerreihen vorbeizogen und jede leere Büchse oder Flasche aufsammelten.

    Kaum einer, der an Getränkeständen oder fliegenden Händlern Bier oder ein sonstiges Getränk kaufte, machte sich wohl die Mühe, das Leergut wieder zurückzubringen.

    Gut für die Sammler, die das Geld wahrscheinlich bitter nötig hatten, zumindest, wenn man das aus ihrem Äußeren schließen konnte.

  4. Hendrik Baacke

    So so, da braucht es also ganze zwei Jahre um fest zu stellen, dass der „Automat“ der Mühe nicht wert ist. Abgesehen von dem sinnlosen Bürokratie-Gedöns dank Registrierung, dem „lächerlichen“ Pfand und dann lediglich ein „Gutschein“. Dabei hätte es doch genügt, einfach mal kurz hinter die Deutsche Grenze zu schauen. Da können das ALDI, Lidl & Co. Aber Belgien muss das Rad ja mal wieder neu erfinden…