Antisemitismus: Jüdische Gemeinde Aachen in Sorge

Vertreter jüdischer Gemeinden in Deutschland haben sich nach mehreren antisemitischen Vorfällen alarmiert gezeigt. In vielen Städten verschärft die deutsche Polizei den Schutz vor Synagogen. Am Samstag findet um 16 Uhr eine Kundgebung geben Antisemitismus in Aachen statt.

Jüdische Synagoge in Aachen (Bild: © Bildagentur PantherMedia / Mechthild Bach)

Jüdische Synagoge in Aachen (Bild: © Bildagentur PantherMedia / Mechthild Bach)

Die Eskalation der Gewalt in Israel geht weiter. Der Gaza-Konflikt erhitzt auch in Europa vielerorts die Gemüter. Dabei bleibt es nicht bei einfachen Demonstrationen. In mehreren deutschen Städten hat es antisemitische und anti-israelische Demonstrationen gegeben, bei denen auch Flaggen angezündet worden sind. In einigen deutschen Städten sind auch Fensterscheiben von Synagogen mit Steinen eingeworfen worden.

Auch in Aachen gibt es eine Jüdische Gemeinde, die schon so mancher ostbelgische Schüler zu Bildungszwecken besucht hat, weil es ja in Ostbelgien kein jüdisches Leben gibt – jedenfalls nicht in organisierter Form. Vor der Aachener Synagoge hat es bislang keine Protestaktion gegeben. Es gibt aber eine Polizeipräsenz am Synagogenplatz. Die ist jedoch nicht neu und gehört fast schon zum Stadtbild im Viertel der Synagoge.

Da es den Polizeischutz gebe, fühle man sich als Jude an und in der Synagoge sicher, sagt Friedrich Thull, der Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde Aachen. Im Alltag sieht die Sache aber schon anders aus. Es gebe da zwar keine Richtlinien, aber Thull geht davon aus, dass man zur Zeit besser beraten sei, die traditionelle jüdische Kopfbedeckung, die Kippa, nicht in der Öffentlichkeit zu tragen.

Verunsicherung

Antisemitismus ist vielleicht kein neues Phänomen, aber die Ereignisse vom Mittwoch vor einer Synagoge in Gelsenkirchen haben dann doch eine neue Qualität. Hasserfüllte Demonstranten schrien mehrmals „Scheiß Jude!“. Bereits am Dienstag gab es Verbrennungen von Israel-Flaggen in Bonn und Münster und einen Brandanschlag auf ein Synagogen-Denkmal in Düsseldorf. Deutschlandweit sind jüdische Gemeinden alarmiert.

Laut Friedrich Thull sind aber die Juden in ganz Europa verunsichert. Das Schlimme sei, dass der Antisemitismus so zugenommen habe. Das hätte vor drei oder vier Jahren keiner gedacht, dass es sich so entwickelt.

Das Erschreckende ist für die jüdische Gemeinschaft, dass nicht vor einer offiziellen Institution des Staates Israel demonstriert wird, sondern vor jüdischen Gebetshäusern. Wer dort „Scheiß Jude!“ ruft, „dem geht es nicht um Kritik an den Staat Israel, sondern um puren Antisemitismus gegen die jüdische Menschheit“, sagte dazu auch der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Abraham Lehrer. Der deutsche Staat und die Gesellschaft müssten jetzt Farbe bekennen, ob sie die jüdische Gemeinschaft in ihrer Mitte haben wollten oder nicht, so Lehrer.

Initiativen

In Aachen soll am Samstag um 16 Uhr am Elisenbrunnen eine Kundgebung stattfinden: eine Demonstration gegen den Antisemitismus in Deutschland.

„Wir laden alle Menschen ein, die sich gegen Antisemitismus stellen, die nicht den Staat Israel in irgendeiner Form dämonisieren, die sich ganz klar solidarisch mit den jüdischen Menschen in Deutschland und Europa stellen und ein klares Zeichen setzen wollen“, sagt Henning Nießen, der die Kundgebung angemeldet hat.

Der Zeitpunkt ist vielleicht nicht unbedingt ideal, da am Samstag der jüdische Feiertag „Shabatt“ ist. Das ist der jüdische Ruhetag, an dem keine Arbeit verrichtet werden soll. Die rund 1.200 Juden aus dem Raum Aachen können also nicht an der Demonstration teilnehmen.

Schon am Freitag gab es eine spontane Aktion in Aachen. Aktivisten hatten um 16 Uhr zu einer pro-palästinensischen Demonstration aufgerufen, ursprünglich auf dem Willy-Brandt-Platz ganz in der Nähe der Synagoge. Die Demo durfte dann aber nur im Kurgarten am Eurogress stattfinden. Der Aufruf stammt angeblich von einer bundesweit aktiven Gruppe, die mitteilt, dass sie nur den Zionismus und Israel kritisieren, aber nicht gegen Juden zu sein. Rund 250 Personen hatten sich am Freitagnachmittag im Kurgarten versammelt.

Manuel Zimmermann

11 Kommentare
  1. Frank Mandel

    Wir sind mit der jüdischen Gemeinde in Aachen, wir die die wir zu ihnen stehen. Schalom!
    Wer nicht kommen kann, kann aber beten!
    Vor allem für die Verblender, die das nicht verstehen können. Sei es nun politisch, kulturell oder idiologisch bedingt. Ich meine damit gerade die Revolutionären- AktivistInnen aus den 70 er Jahren, die politisch aktiv gewesen sind und lagen nun doch daneben oder allein oder verbittert. Kein Mensch muss einsam sein. Beten hilft.
    Der Terror in Israel ist kein Terror zwischen Menschen sondern politisch organisiert und durchgeführt.
    Bleibt gesund Israelis und Menschen aus dem Gaza Streifen.

  2. Marcel Scholzen Eimerscheid

    Gibt es auch Online Aktionen ? Es kann ja nicht jeder nach Aachen kommen.

  3. Jean-Pierre DRESCHER

    Ich kenne die Menschen von der Deutsch-Israelischen Gemeinde in Aachen selber. Absolut freundliche Menschen.

    Die Deutschen Juden sind seit etlichen Jahrhunderten fester Bestandteil der Deutschen Nation. Und das ist auch gut so.

    Ihr seid herzlich willkommen in Deutschland wie auch jeder Zeit in unserer DG!

  4. Werner Radermacher

    Der Angriff ging vom Gaza aus, verantwortlich dafür ist die Hamas – und die wird vom Iran finanziert. Viele Millionen hat die EU den Palästinesern gegeben, aber statt in die Infrastruktur zu investieren, pumpen die das Geld im Raketenbau. Denn die Hamas möchten keinen Frieden.
    Schalom.

  5. Philipp Jates

    Ich bete zwar nicht, gleichwohl hoffe ich, dass das kollektive Gedächtnis noch so weit in Takt ist, dass wir als Gesellschaft nicht erneut Minderheiten ausgrenzen und in alte Muster zurückfallen.

    Es ist mir unverständlich warum wir aus vermeintlich rekursiven Schleifen nicht herauskommen wollen.

    Ich kann heute nicht nach Aachen kommen, auch ohne physische Präzens vor Ort sind meine Gedanken bei euch.

    #KeinenMilimeterNachRechts

  6. Guido Scholzen

    Muss denn jede Nahost-Streitigkeit internationale Auswirkungen haben?
    Können sich die Juden ausserhalb Israels denn nicht lossagen vom Zionismus?
    Was hat der Rest der Welt mit dieser Konflikt-Region reell zu tun? Syrien oder Libyen ist seit Jahren für Europa wichtiger als Palästina oder Israel.

    Wer interessiert sich denn überhaupt noch ernsthaft für den Nahen Osten? Willkommen im 21. Jahrhundert.

  7. Peter Mertens

    Wie heisst es doch so schön…
    „Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.“

  8. Manz Hannelore

    Ich fühle mit all dem Jüdischen Volk, aber all das was diese Menschen erlebt haben müsste sie intelligenter gemacht haben. Wer hat diesen Konflikt angefangen? Die Politik! Es leben seit Menschengedenken Palästinenser in Jerusalem, friedlich mit den Juden zusammen, und die sollen jetzt ihre Häuser räumen? Warum,? Wieder ein Konflikt der wegen uneinsichtichtigen Politikern entflammt. Meine Hochachtung allen Juden und Palästinensern die versuchen friedlich zusammen zu leben.

  9. Andre Schmidt

    Ich gebe Herrn Scholzen recht. Nicht jeder Konflikt im Nahen Osten muss auch hier in Europa ausgetragen werden.

    @Radermacher: Die Hamas sind eine terroristische Organisation und wollen keinen Frieden. Verstehen kann ich sie trotzdem. Wer möchte schon gerne unterdrückt werden. Israels Politik provoziert doch gerade diese Reaktionen. Es ist ein Fehler, die israelischen Juden immer in der Opferrolle zu stellen.

  10. Werner Radermacher

    Es gibt Antisemitismus unter Deutsche und sonstige Europäer. Der wird hart und entschieden bekämpft – und das ist gut so.

    Aber seit Jahren wird muslimischer Antisemitismus in Deutschland stillschweigend toleriert.

  11. Willy Hoffmann

    Aber, laut Medien sind es doch die bösen Rechten (AfD, anders Denkende…) die angeblich gegen Juden hetzen. Hmm, nun stellt sich auf einmal raus, so stimmt das nicht, es sind Andere, die in meinen und anderen Augen brandgefährlich sind. Welche, die sich zum Teil immer noch nicht integriert haben, und es auch nie tun werden. Die auf unsere Gesetze, unsere Gebräuche und Religionen spucken, und nur nach ihren Gesetzen und Religion leben, sprich in der oft zitierten Parallelgesellschaft.