Immobilien: Warum ist Burg-Reuland so günstig? Und bleibt das so?

Das belgische Wirtschaftsmagazin Trends veröffentlicht jedes Jahr einen Immobilienführer mit den Durchschnittspreisen für Wohnungen in allen Gemeinden des Landes. Dabei basiert sich die Zeitschrift auf die Statistiken des Königlichen Verbands der belgischen Notare. Demnach ist die Gemeinde Burg-Reuland nach wie vor eines der allergünstigsten Pflaster, wenn man eine preiswerte Immobilie erwerben möchte.

Haustürschlüssel

Illustrationsbild: Jonas Hamers/Belga

„Ein eigenes Dach überm Kopp, das kostet ja ein Vermögen“. So oder ähnlich könnte es klingen, wenn man den Immobilien-Führer von Trends aufschlägt und auf die Belgien-Karte stößt.

In der Provinz Lüttich sticht nur Aubel dunkelrot hervor. 300.000 bis 350.000 Euro ist der Medianpreis für eine Wohnung. Preise wie in Brüssel, Gent oder Antwerpen. Noch erstaunlicher: Nur drei Gemeinden sind hellgelb eingefärbt: Viroinval und Hastière in der Provinz Namur und Burg-Reuland in der Provinz Lüttich. Hier liegt der Medianwert unter 100.000 Euro.

„Einer der Gründe könnte die geographische Lage sein. Die meisten Käufer wünschen sich eine Autobahnanbindung, möglichst nah zu ihrem Wohnort. Und wer in Burg-Reuland wohnt, muss ja bekanntlich nach St. Vith fahren, um zur Autobahn zu kommen“, sagt der Immobilienmakler Arthur Spoden. Genau den gleichen Grund führt auch Immobilienmakler Heinz Keul an: „Man hat keine Nähe zur Autobahn. Heutzutage sind viele, die möchten 15 Minuten von der Autobahn entfernt sein. Das hat man in Burg-Reuland nicht.“

Soweit die schlechte Nachricht. Aber die gute ist, dass die Immobilien in Burg-Reuland nicht schlechter als anderswo sind, sagt Spoden. Und die Natur spricht auch für sich, ergänzt Keul: „In Burg-Reuland gibt es wirklich eine wunderbare Landschaft.“

Belgien-Karte der Immobilien-Trends (Bild: Manuel Zimmermann/BRF)

Belgien-Karte der Immobilien-Trends (Bild: Manuel Zimmermann/BRF)

Eine Landschaft, die immer mehr Flamen anspricht, sagen beide Makler. Aber das muss halt kein schicker Neubau sein: „Ich stelle fest, dass sehr viele Flamen versuchen, im Süden der DG und auch in Burg-Reuland ein Wochenendhaus zu erwerben. Meistens sind sie auf der Suche nach einer günstigen Immobilie, die noch renoviert werden muss. Das heißt, dass der Kaufpreis beim Notar sehr gering ist“, so Arthur Spoden.

„Die Flamen bevorzugen alte Bruchsteinhäuser. Und die sind preisgünstiger. Die kommen hauptsächlich für die Natur. Das ist ihnen lieber als ein schickes Haus“, sagt Heinz Reul. Aber was ist mit den Luxemburgern? Ist für sie so ein Schnäppchen nicht reizvoll? Heinz Keul glaubt das nicht: „Die Luxemburger bevorzugen es, in ihrem Heimatland zu wohnen. Ist ja keine schlechte Sache. So treiben sie die Preise hier schon mal nicht rauf.“

Gut für den Nachwuchs in Burg-Reuland. Da gebe es noch Preise die erschwinglich und realistisch sind, so Keul. Aber genau da sieht Arthur Spoden ein drohendes Problem. Angesichts der hohen Immobilienpreise im Großherzogtum, sei ein Umdenken der Luxemburger nicht auszuschließen: Da in Luxemburg quasi die Preise durch die Decke schießen, wird es auch in Luxemburg immer schwieriger, zu einer eigenen Immobilie zu kommen. Die Nachfrage von Luxemburgern nach Immobilien in Burg-Reuland steigt. Ich bin mir sicher, dass die Immobilienpreise auch aus diesem Grund in Burg-Reuland wieder steigen werden.“

Ganz Gallien? Nein! (Bild: Manuel Zimmermann/BRF)

Ganz Gallien? Nein! (Bild: Manuel Zimmermann/BRF)

Vielleicht wird es aber nicht so schlimm. Denn es gibt noch einen weiteren Faktor der auch zukünftig eine Rolle spielen könnte, sagt Heinz Keul: „In der deutschen Eifel gibt es noch bessere Schnäppchen zu machen. Die Preise dort sind günstiger.“

Noch günstiger. Kaum zu glauben. Eigentümer aus Aubel könnten mit ihrer Immobilie locker zwei Häuser in der Eifel kaufen. Aber warum ist Aubel eigentlich so teuer? „Das ist die „haute volée“. Das sind die Leute in der Vervierser Gegend und im Herver Land, die sich für bessere Leute halten. Wer nach Aubel zieht, muss mehr zahlen, nur weil es Aubel ist.“

Im Kanton Eupen lag der Medianpreis für eine Wohnung im Jahr 2020 bei 199.000 Euro. 2015 war es noch 180.000 Euro. Im Kanton St. Vith lag der Medianpreis für eine Wohnung im Jahr 2020 bei 167.500 Euro. 2015 lag der Wert noch bei 130.000 Euro. Für Appartements liegen keine Werte aus der Deutschsprachigen Gemeinschaft vor.

Das belgische Wirtschaftsmagazin Trends (Bild: Manuel Zimmermann/BRF)

Das belgische Wirtschaftsmagazin Trends (Bild: Manuel Zimmermann/BRF)

Manuel Zimmermann

3 Kommentare
  1. Lutz-René Jusczyk

    Burg-Reuland ist wunderschön und sehr ruhig gelegen, nur leider gibt es dort praktisch keine Einkaufsmöglichkeit und die 395 fährt einmal um 12:10 und dann das letzte Mal um 17:10 Uhr nach Sankt Vith, m.a.W.: Ohne PKW ist man dort aufgeschmissen.
    Für jemanden, der die Stille und Abgeschiedenheit liebt, ist der Ort aber auf jeden Fall reizvoll.

  2. Manz Hannelore

    Wie wäre es man würde sich mal um die Einheimischen kümmern, warum müssen hier Flamen alles aufkaufen. Ist doch gut wenn es noch ein Fleckchen in der Dg. gibt wo man die Häuser bezahlen kann, oder mieten. Auch die Luxemburger, so sehr ich diese Menschen mag, sollten bitte zu Hause bleiben und nicht hier die Preise noch höher treiben. Zb. in St Vith, wo man kaum was bezahlbares findet, ich denke da hauptsächlich an Mieter. Und wer in Burgreuland wohnt hat es zum Einkaufen nach Luxemburg nicht weit. In Vielsalm ist mittlerweile für Einheimische kaum noch ein Mauseloch zu finden, aber Flamen und Holländer haben alles aufgekauft. Oder sollen wir in Zukunft besser nach Flandern wohnen gehen, da müsste ja einiges zu finden sein,wenn die alle hier sind.

  3. Jean-Pierre DRESCHER

    Eifel, Membach und Weismes so wie die Doerfer westlich davon bis zur Maas Blau eingezeichnet. Ist der Mietspiegel in den blauen Gebieten geringer als in Burg Reuland?

    Auf Orange bezogen wären demnach Reuland plus der Großraum Bastnech-Arlë an der südlichen Luxemburgischen Grenze noch eher die teureren Gebiete.