Tierpflegerin päppelt Igel wieder auf – Mähroboter und schnelles Fahren gefährden die Tierchen

Mähroboter können für kleine Tiere tödlich sein. Vor allem nachts sind die Geräte schon vielen Igeln zum Verhängnis geworden. Schwer verletzt müssen sie erst einmal wieder aufgepäppelt werden. Seit einem Jahr gibt es in Büllingen eine Igelstation. Dort nimmt Tierliebhaberin Roswitha Arens verletzte Igel bei sich zu Hause auf, bis sie wieder fit für die Wildbahn sind.

Roswitha Arens mit Igel Stropp und Hund Tiziano (Bild: Raffaela Schaus/BRF)

Roswitha Arens mit Igel Stropp und Hund Tiziano (Bild: Raffaela Schaus/BRF)

Sechs Monate Winterschlaf hat der Igel namens „Stropp“ bei Roswitha Arens gehalten. Das Wintergehege ist bei ihr zu Hause. Jetzt im Frühjahr geht der Igel wieder auf Entdeckungstour.

Als Stropp im Oktober zu der Tierpflegerin kam, war er noch nicht so munter. Der Igel war unter ein Auto geraten, Auge und Rücken wurden verletzt und er war unterernährt. „Da konnte er kaum laufen, nur einen halben Meter“, erinnert sich Roswitha Arens. „Er wollte essen, aber kippte immer zur Seite und konnte sich nicht aufrecht halten.“ Mittlerweile kann Stropp wieder mehr gehen. Zum Auswildern reicht es aber noch nicht.

Etwa ein Dutzend andere Igel hat Roswitha Arens schon erfolgreich aufgepäppelt. Alles hat angefangen vor einem Jahr: Wegen Corona konnte sie nicht arbeiten. Die Tierliebhaberin wollte daher die Tierhilfe Mürringen unterstützen.

Ihr allererster Pflegefall war nichts für schwache Nerven. „Dieser Igel hatte eine Verletzung durch einen Rasenmähroboter und hatte sein komplettes Gesicht von der Stirn bis zur Nasenspitze rasiert“, erzählt die Tierpflegerin. „Man sah keine Augen mehr, alles war eine dicke Kruste, in der schon Maden saßen. Und eine Pfote war verletzt.“ Daher der Appell: Aufpassen bei der Gartenpflege und Mähroboter nur am Tag laufen lassen, denn Igel sind nachtaktiv.

Auch auf den Straßen ist Vorsicht geboten. „Es wäre schön, sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung in Ortschaften zu halten. Dann könnte man vielleicht auch noch bremsen für einen Igel. Der Igel läuft nachts und oft ist es dann schön warm auf den Straßen, weil der Teer sich aufgewärmt hat“, weiß Roswitha Arens. „Und sie brauchen die Straßen eben auch, um zu überqueren, wenn auf der anderen Seite ein gut duftender Komposthaufen ist. Das ist eine Nahrungsquelle.“

Rindergehacktes und getrocknete Insekten sind weitere gute Nahrungsquellen. Das Leibgericht von Stropp ist aber ein anderes. „Das Erste, was er essen möchte, ist Rührei, wenn es zur Verfügung steht. Das ist sofort weg. Und dann kommt das Katzenfutter.“ Ein Luxus, den es in der Natur nicht gibt. Dennoch ist das Ziel der Igelpflege, die Tiere wieder auszuwildern. Auch wenn der Abschied meistens schwer fällt.

Wenn Sie einen verletzten Igel oder ein anderes verletztes Tier sehen, melden Sie sich bitte bei der Pflegestation in Mürringen: 0471 19 31 67.

Auch bei einem Igel, der sich tagsüber blicken lässt, sollte man achtsam sein, denn oft ist das ein Anzeichen dafür, dass er hungrig oder krank ist.

Raffaela Schaus

4 Kommentare
  1. marcel Scholzen Eimerscheid

    Gut so

  2. Jean-Pierre DRESCHER

    Danke an alle Menschen, denen das Leben unserer Mitgeschoepfe ans Herz gewachsen ist!

    Ihr leistet durch Eure selbstlose und aufopferungsvolle Arbeit, zusammen mit allen Sozialhelfern, Altenpflegern und Krankenpflegern plus allen anderen sozial engagierten einen wichtigen Beitrag für eine gerechtere Gesellschaft.

    Danke dass es Euch gibt!

  3. Edgar Dujardin

    Ein dickes Kompliment an Roswitha Arens für ihr Engagement…
    Igel haben gegenüber Mährobotern zwei entscheidende Nachteile : sie sind nachtaktiv, also in der Dunkelheit unterwegs, und haben keinen natürlichen Fluchtreflex, bei drohender Gefahr flüchten sie nicht sondern „igeln“ sich ein, das heißt, sie bleiben unbegweglich auf der Stelle und sind dem Mähroboter schutzlos ausgeliefert der einfach über sie hinwegmäht. Darum ein Aufruf an alle, die Mähroboter benutzen : bitte stellt die Mähroboter wenigstens nachts ab…

  4. Jean-Pierre DRESCHER

    Gibt es keine Software, die über einen Infrarotsensor am Robotor speziell bewegungslose Tiere erkennen kann? Die Geräte werden doch sicher nicht alleine GPS-gesteuert ihre Arbeitsfläche abfahren?