Holzpreise schießen in die Höhe – auch andere Rohstoffe folgen

Umbauen, anbauen, vielleicht sogar neu bauen - die Corona-Zeit haben wohl einige genutzt, um den Traum vom Eigenheim voranzutreiben. Nun könnte das eine oder andere Projekt ins Stottern geraten. Viele Rohstoffpreise, vor allem von Holz, sind in den letzten Wochen in die Höhe geschossen.

Lance in Eupen

Bild: BRF Fernsehen

„So etwas haben wir noch nie erlebt“ – die Umschreibungen der Preisentwicklungen auf dem Holzmarkt sind deutlich. Beim Holzhandel Lance in Eupen muss man es wissen, denn dort dreht sich alles um den Rohstoff Holz. „Der Preis von Konstruktionsvollholz – KVH, das ist das Holz, was für Ständerwerke gebraucht wird – hat sich fast verdoppelt innerhalb von einem Jahr. Man muss komplett neue Angebote schreiben und früh genug planen und bestellen“, erklärt Frederic Jerusalem, der Geschäftsführer von Lance.

Nicht nur die Massivholzpreise sind gestiegen, auch die Preise der Nebenprodukte haben in den letzten Monaten eine ähnliche Entwicklung mitgemacht. Die Gründe dafür sind auf dem globalen Markt zu suchen. „Zum einen ist die Nachfrage explodiert. Die ist immer noch sehr hoch. Zum anderen haben wir einen richtig akuten Rohstoffmangel. Die Großsägewerke exportieren sehr viel Schnittholz in Richtung USA und unsere europäischen Rundhölzer werden schiffweise nach China verschifft.“

Der Meistbietende sitzt aktuell in China oder den Vereinigten Staaten. Verstärkt wird der Trend von Strafzöllen, Konjunkturprogrammen, Containermangel. Diese Entwicklung hat erhebliche Konsequenzen – sowohl für Händler, als auch für Kunden. „Wir hatten in den vergangenen Jahren zum Beispiel immer eine Preisliste. Die war für ein Jahr gültig, oder für mindestens sechs Monate. Momentan kriegen wir wöchentlich eine neue Preisliste. Und wir müssen dann wöchentlich unseren Kunden Bescheid geben: Achtung, es gibt schon wieder eine Preiserhöhung!“

Angebote können so teilweise nur noch tagesaktuell gemacht werden. Zu der Preisentwicklung kommen steigende Lieferzeiten hinzu. Konnten entsprechende Materialien vorher innerhalb von ein bis zwei Wochen geliefert werden, braucht es nun zehn bis zwölf Wochen.

Auch andere Preise ziehen an

Bemerkbar macht sich dieser Trend auch auf den hiesigen Baustellen. Hier würde das Holz gebraucht. Doch stattdessen: zusätzliche Probleme, wie der Architekt Raphael Schoffers erläutert. „Holz ist meines Erachtens schon der Rohstoff mit der höchsten Preissteigerung. Hinzu kommt Dämmung. Die ist wirklich auch sehr stark gestiegen in letzter Zeit. Und Stahl.“

Für diese Rohstoffe sind die Gründe diffuser. Doch nur die wenigsten freuen sich über die aktuelle Entwicklung. Preise müssen nachverhandelt werden, lange Lieferzeiten schränken die Planungssicherheit ein. Viele fragen sich, warum europäisches Holz den Kontinent verlässt, wenn doch der Bedarf hier so groß ist.

Die weitere Entwicklung des Marktes ist schwer abzusehen. „Ich gehe jetzt eigentlich nicht davon aus, dass wir nächstes Jahr wieder bei den Preisen vom letzten Jahr stehen werden. Also es wird im Vergleich zu letztem Jahr schon eine Erhöhung geben“, so Raphael Schoffers.

„Wo das Ganze stoppt, weiß auch noch niemand. Gewisse glauben, dass es sich jetzt langsam einpendeln wird. Aber gut, was heißt einpendeln? Beim Holz haben wir den Preis jetzt fast verdoppelt. Es ist halt wirklich schwierig zu sagen, wie die Situation sich entwickeln wird.“

Aktuell geht der Holzmarkt an den hiesigen Bedürfnissen vorbei. Vor allem der private Hausbauer bekommt das zu spüren. Wann sich die Lage wo einpendelt, das bleibt abzuwarten.

Andreas Lejeune