Eupens Fahrradpolitik sorgt für Gesprächsstoff

Insgesamt 116 Gemeinden gehören zum Pilotprojekt "Wallonie cyclable" der Wallonischen Region. Mit dabei ist auch die Stadt Eupen. Bis zu einer halben Million Euro kann die Stadt so zum Auf- und Ausbau des Radwegenetzes beantragen. Unter welchen Umständen das Geld an welchen Stellen investiert werden soll, dazu hat es bei de Stadtratssitzung am Montag Diskussionen gegeben.

Rathaus von Eupen (Foto: Julien Claessen/BRF)

Rathaus von Eupen (Bild: Julien Claessen/BRF)

Der nächste Schritt, den die Stadt Eupen im Projekt „Wallonie cyclable“ gehen muss, ist die Einsetzung einer kommunalen Fahrradkommission. Doch wie hat die auszusehen? Die CSP in Person von Fabrice Paulus sähe gerne ständige Vertreter aus Handel und Industrie, Schulen, Sport und Freizeit sowie Transport in der Kommission vertreten.

Mobilitätsschöffe Michael Scholl, PFF, brachte im Gegenzug seine Bedenken bei einer zu großen Arbeitsgruppe zum Ausdruck. Bürgermeisterin Claudia Niessen, Ecolo, warf ein, dass das Kollegium aufgrund enger Fristen zuallererst einen geregelten Ablauf garantieren wolle.

Auch werden Bürgerinnen und Bürger sich zur Teilnahme bewerben können. Daneben werde der zuständige Ausschuss mit in den Prozess einbezogen. Zu wenig für die CSP, die ihre Vorschläge auch so festgehalten sehen wollte. Weitergehen wird es mit dem Projekt trotzdem, es wurde mit den Stimmen der Mehrheit angenommen.

Eupen Open Air

CSP-Stadtrat Alexander Pons wollte wissen, inwieweit „Eupen Open Air“ eine Neuauflage erleben könnte. Die zuständige Schöffin Kattrin Jadin, PFF, betonte, dass die Verwaltung im Anschluss an die Erstausgabe von „Eupen Open Air“ zwei Konzepte ausarbeiten werde.

Das erste Konzept sehe wochentags eine Terrassenzeit von 18 Uhr bis Mitternacht vor. Am Wochenende soll die Terrassenzeit von Mittag bis Mitternacht laufen.

Das zweite Konzept beschränke sich auf die Wochenendvariante. Kattrin Jadin präzisierte, dass eine Terrassenzeit mit ähnlichen Verkehrseinschränkungen wie im letzten Jahr verbunden wäre. Alexander Pons merkte an, dass zur Auswahl des richtigen Konzepts Bürger und Geschäftsleute mit ins Boot genommen werden sollen.

Co-Tagesmutterdienst im Rathaus

In den ehemaligen Räumlichkeiten des Finanzdienstes des Rathausgebäudes soll ein Co-Tagesmutterdienst errichtet werden. 90.000 Euro sind für die Schaffung von Schlaf-, Betreuungs- oder Essräumen vorgesehen. So sieht es das Lastenheft vor, das am Montagabend im Eupener Stadtrat vorgestellt wurde.

Für die CSP-Fraktion kommt dieser Schritt jedoch zu schnell. Die Oppositionspartei fragte nach einem Konzept und wollte wissen, inwiefern man die Bedürfnisse der zukünftigen Tagesmütter abgefragt habe.

Bürgermeisterin Claudia Niessen betonte, dass ein Co-Tagesmutterdienst bereits ein Konzept an sich sei. In diesem Fall setzt die DG bestimmte Räumlichkeiten voraus, die man nun schaffen wolle. Auch habe das Kollegium sich gemeinsam mit Kaleido, RZKB und dem Ministerium beraten. Die CSP enthielt sich. Das Lastenheft wurde mit den Stimmen der Mehrheit verabschiedet.

Prämie für Tourismusbranche

Auch in Eupen werden Horeca-Betriebe, Unterkunftsbetriebe, Reisebusunternehmen und Reisebüros eine Prämie zur Abfederung der Folgen der Coronakrise erhalten. Dabei handelt es sich bereits um die dritte Auflage für die Tourismusbranche.

Die Prämie ist dieses mal relativ zum Umsatzrückgang, auch verhält sie sich abhängig von der Unternehmensgröße. Die Prämie kann noch bis zum 15. Mai beantragt werden.

Investitionen

Im Rahmen der Stadtratssitzung hat die Stadt Eupen zudem mehrere Investitionen getätigt. So werden der Stadtverwaltung in Zukunft zwei E-Bikes zur Verfügung stehen. Im Josephine-Koch-Park wird eine Quarterpipe für Skater angelegt. Die Städtischen Grundschulen können sich über zusätzliches Mobiliar, wie Regale, Stühle oder Tische freuen. Daneben werden neun neue Kopiergeräte angemietet.

Andreas Lejeune

4 Kommentare
  1. Dieter Leonard

    Man kann darüber streiten, ob es tatsächlich einer „Fahrradkommision“ bedarf, um den bisher nur halbherzigen Initiativen zur Verbesserung der Fahrradinfrastruktur in Eupen neuen Antrieb zu geben. Vielleicht reicht allein schon der Blick über unsere nördlichen Grenzen.
    Es muss nichts neu erfunden werden. In den Niederlanden findet man alles, was eine perfekte Fahrradinfrastruktur auszeichnet.
    Wenn man wie bisher allerdings eher den wallonischen Experten glauben schenkt, die behaupten, eingezeichnete Radbahnen auf bestehenden nicht ausbaufähigen Straßen würden die Sicherheit der Radfahrer eher gefährden, als schützen, wird sich auch im nächsten Jahrzehnt weiter im Kreise drehen.
    Beispiel gefällig? Eine Fahrradbahn, die – wie auf der Neustraße – nur hinauf, aber nicht hinunter führt, ist in etwa so sinnvoll, wie eine Autobahn, die nur in eine Richtung, aber nicht mehr zurück führt. Schlimmer noch, die ins Nichts führt.
    Wenn die Autolobbyisten auch diesmal am längeren Hebel sitzen, kann man die halbe Million auch gleich sinnvoller verwenden.

  2. Martin Hendges

    Ich könnte mir vorstellen, dass ein Fahrradweg in der Neustraße bergab nicht so sinnvoll ist wie bergauf, da der Geschwindigkeitsunterschied zwischen Autos und Fahrrädern -bei Einhaltung der Höchstgeschwindigkeit – sehr gering ist und Autofahrer daher eher nicht überholen müssen.
    Die Parkplätze auf dieser nicht viel befahrenen Straße sind in diesem Wohngebiet hingegen vorteilhaft.

  3. Peter Mertens

    Wer von Eynatten nach Deutschland mit dem Fahrrad fährt, ist froh wenn er die Grenze erreicht hat, dort beginnt der Fahrradweg
    Die Stecke ist Lebensgefährlich,besonders an der Autobahnbrücke.

  4. Thomas Palenberg

    Dass Radfahren im privaten Bereich immer mehr boomt und viele Menschen umsteigen wollen, scheint in Belgien gesellschaftlich viel zu spät angekommen zu sein. Wenn man mit einem Lastenrad durch eine Kleinstadt fährt, wird man immer angeglotzt wie ein Ausserirdischer. Ein paar Kilometer weiter in Aachen ist das Normalität. Es ist irgendwie peinlich dass eine Nation die im Profibereich des Radsports eigentlich sehr erfolgreich ist, kaum was übrig hat für Radtourismus oder Individualverkehr auf dem Zweirad. In der DG muss man Fahrradwege verzweifelt suchen. Grüne Farbe auf der Strasse um „scheinbar“ wohlwollend zu signalisieren dass hier Rad gefahren werden darf, ist einfach zu wenig. Es fällt auf dass in der Gegend in der wir leben, rund um Kelmis, selbst kleinste Strecken mit dem Auto absolviert werden und herzlich wenig für das Körperliche getan wird. Ein bisschen mehr Bewegung schadet nicht, dann reagiert vielleicht irgendwann auch mal die Politik.