Ran an die Sprühdosen: Kelmiser Jugend macht Graffitikunst statt Schmierereien

Ist das Kunst oder kann das weg? Bei Graffitis scheiden sich die Geister. Manchmal sind sie wahre Kunstwerke, andere Male eher lästige Schmierereien. Auch in der Gemeinde Kelmis gab es in der Vergangenheit Wandmalereien, die zur Kategorie Vandalismus gehörten. Doch jetzt fordert die Gemeinde ihre Jugendlichen sogar zum Graffiti-Sprayen auf. Die Jugend soll aber nicht wild drauf lossprühen, sondern wird professionell angeleitet.

Bild: Raffaela Schaus/BRF

Graffiti-Projekt im ÖSHZ-Park in Kelmis (Bild: Raffaela Schaus/BRF)

Die Sprühdosen werden in Kelmis tüchtig geschüttelt. Nach einer Woche Graffiti-Workshop sehen die Wände im Pavillon des ÖSHZ-Parks schon sehr bunt aus. Kein Wunder bei knapp einem Dutzend Teilnehmer im Alter von 9 bis 16. Ob Anime-Charakter, Comic oder Landschaftsbild, jeder hat seine eigene Vorstellung, welches Motiv an die Wand gehört.

Die Jugendlichen wollen eine Geschichte erzählen – In diesem Fall geht es um Toleranz und Integration. Das passt auch zur Fotoausstellung, die ebenfalls im Pavillon zu sehen ist. Auch sie zeigt die Vielfalt der Bürger in Kelmis.

Aber trotz Vielfalt sollten die bunten Graffitis einen roten Faden haben, findet Adrien Toussaint – seit 20 Jahren Graffitisprüher. Er hat den Kindern und Jugendlichen in Kelmis das Sprühen diese Woche beigebracht. Neuland für die meisten von ihnen…

„Das ist ein erster Schritt in Richtung Kunst, weil viele haben das noch nie davor probiert“, erzählt Toussaint. Zuerst muss man eine Skizze machen, bevor man an die Wand sprüht. Davor muss man sich gut überlegen, was auf die Wand soll, wohin am besten und welche Farben man benutzt. „Alles muss einen Sinn ergeben“, so der Profi.

Für die Gemeinde und deren Jugendarbeiter hat das Projekt jedenfalls Sinn. Schließlich haben sie es in die Wege geleitet. „Wir haben festgestellt, dass einige Schmierereien gemacht haben,“ erklärt Schul- und Integrationsschöffe Marcel Henn, „das heißt, sie haben irgendetwas gesprüht, auch auf Gemeindegebäude wie Schulen.“

Deshalb habe man sich an das Jugendanimationszentrum gewandt. Daraus entstand schließlich das Projekt, damit die Jugendlichen „jetzt auch künstlerisch etwas schmieren oder sprühen dürfen und nicht einfach gleich was“, so Henn.

Gemeinsam Kunst machen – statt die Umgebung anzuschmieren. So könnte man das Ziel des Projektes also zusammenfassen. Bei den Teilnehmern herrscht jedenfalls der Teamgedanke. Für Johann steht jetzt schon fest, dass er nicht zum letzten Mal sprüht. Er hat schon Pläne für sein neues Hobby und möchte „auf ’ne legale Wand nach Aachen gehen“.

Wahrscheinlich kann er das aber auch bald in der eigenen Gemeinde machen. „Die Jugendlichen haben schon gefragt, ob wir nicht noch zwei, drei andere Standorte hätten in Kelmis oder Hergenrath auf Ebene der Gemeinde und wir wollen überlegen, ob wir da nicht eine Regelmäßigkeit draus machen“, sagt Henn.

Wo die legalen Graffiti-Standorte sein werden, ist aber noch nicht spruchreif. Bestimmt wird es die Gemeinde Kelmis aber noch bunter machen.

Bild: Raffaela Schaus/BRF

Bild: Raffaela Schaus/BRF

Raffaela Schaus

2 Kommentare
  1. Jean-Pierre DRESCHER

    Das ist doch mal eine gute Sache!

    Ähnlich dem Eupener Grafitti-Tunnel sollten das auch in Deutschland die Städte zum Vorbild nehmen, damit die Sprühdose an genehmigten Häuserwänden und Bahnen zur gekonnten Verzierung und nicht zur unkontrollierten Ghetto-Bildung zum Einsatz kommt für alle Graffiti-Interessierten.

    Die Nachfrage nach einem Platz zum Austoben und Ausprobieren für den Nachwuchs in der Kleinkunst ist jedenfalls überall vorhanden.

  2. Alfons van Compernolle

    Warum nicht ?? Ich sehe keinen Grund gekonnte und ansehnliche Graffiti nicht zu erlauben.