Fairteiler in St. Vith: Lebensmittel weitergeben statt wegwerfen!

Wer kennt es nicht? Lebensmittel bleiben übrig und werden weggeworfen, obwohl sie noch verzehrt werden könnten. Das muss nicht sein. Die Initiative Foodsharing zeigt, wie es anders geht. Sie hat am Wochenende ihren elften Fairteiler-Schrank aufgestellt: in St. Vith hinter dem Sportzentrum.

Joëlle Ramakers und Nathalie Schaus engagieren sich gegen Lebensmittelverschwendung (Bild: Chantal Scheuren/BRF)

Joëlle Ramakers und Nathalie Schaus engagieren sich gegen Lebensmittelverschwendung (Bild: Chantal Scheuren/BRF)

Foodsharing Ostbelgien gibt es seit fast drei Jahren. Neun Fairteiler stehen im Norden der DG, einer in Büllingen und jetzt auch einer in St. Vith. „Das Ziel besteht darin, Lebensmittelverschwendung einzudämmen – also Lebensmittel, die noch genießbar sind, auf den Teller zu bringen statt in die Tonne. Sie ganz bedingungslos zu verteilen zwischen privaten Menschen“, erklärt Initiatorin Joëlle Ramakers.

„Wir stellen gar keine Bedingungen. Jeder kann sich bedienen auf eigene Verantwortung. Das Ziel ist einfach, dass die Lebensmittel verzehrt statt weggeschmissen werden.“ Essbares, das in einwandfreiem Zustand ist, zu Hause aber keine Abnehmer findet, ist ein Fall für den Fairteiler. Bestimmte Lebensmittel eignen sich aber besser als andere. „In den Schrank gehören bevorzugt Obst und Gemüse, Brot, trockene Lebensmittel wie Tee und Kaffee, Süßigkeiten und Marmelade beispielsweise.“

„Was auf keinen Fall reingehört sind Eier, Milchprodukte und alles, was kühl zu halten oder gefroren ist und auftauen könnte. Fisch gehört auch nicht rein. Und Alkohol ist auch untersagt“, erklärt Nathalie Schaus. Sie gibt gerne Backwaren weiter und schaut jeden Samstag in St. Vith nach dem Rechten.

Die Fairteiler-Schränke sind nur eine Möglichkeit, um Essen vor der Tonne zu retten. Das Internet wird ebenfalls zum Foodsharing genutzt. „Es gibt auch eine Facebook-Gruppe, die Foodsharing Ostbelgien heißt“, sagt Joëlle Ramakers. „Dort sind 2.500 Mitglieder, die auch untereinander tauschen, Fotos hochladen, dann sagen, wo es abzuholen ist und sich untereinander arrangieren, um die Dinge zu übergeben. Das ist zum Beispiel sinnvoll bei Lebensmitteln, die gekühlt werden müssen oder Dingen, die nicht in den Schrank sollen.“

Nathalie Schaus war oft in Ländern mit hoher Armut unterwegs. Sie hat miterlebt, dass Menschen Hunger leiden. Ihr ist es daher ein persönliches Anliegen, beim Foodsharing aktiv zu sein. „Es liegt mir einfach am Herzen. Ich verstehe nicht, dass wir in einer Welt mit so viel Produktion und Massen an Nahrung sind. Ich finde es schade, dass es im Müll landet und einfach nicht konsumiert wird.“

„Warum soll man etwas produzieren, um es danach wegzuschmeißen? Das Konzept kann auf Dauer nicht aufgehen. Wir haben nur eine Erde und davon möchten wir doch alle lange genug haben.“ Umso mehr freut es sie, dass sich andere Menschen mit engagieren und den Fairteiler gezimmert haben.

„Der Schrank ist ein Holzschrank. Das Patchwork hat sich große Gedanken gemacht. Es waren viele freiwillige Helfer dabei, die dafür gesorgt haben, dass der Schrank wasserdicht ist, dass er ein Netz hat, damit im Sommer keine Fliegen reinkommen. Ungefähr ein Jahr hat es gedauert bis zur Realisation und wir brauchten halt auch einen öffentlichen Platz.“

Diesen Platz hat der Fairteiler hinter dem Sportzentrum am Fitnessstudio gefunden. Mit der Stadt St. Vith wurde ein einjähriger Testlauf vereinbart. Wenn alles gut läuft, steht einer Verlängerung nichts im Weg.

Der Fairteiler steht hinter dem Sportzentrum und ist nicht zu übersehen (Bild: Chantal Scheuren/BRF)

Der Fairteiler steht hinter dem Sportzentrum und ist nicht zu übersehen (Bild: Chantal Scheuren/BRF)

Chantal Scheuren

8 Kommentare
  1. Beatrice Piette

    Glückwunsch, erfreuliche Initiave.
    Tagtäglich werden viele Lebensmittel weggeschmissen, dabei könnten sie andere gebrauchen.
    Um unüberlegtes Einkaufen zu vermeiden, niemals hungrig losziehen.

  2. hans langen

    Der Fairteiler ist eigentlich ne gute Sache, wen es nicht die Assgeier gäbe die dann sich alles einpacken, und das jeden tag…die Teller abgrassen…ich finde es sollte auch immer so ne Sache sein. Für jeden Was auch wen der Hauptpunkt ist, das keine Lebensmittel weggemissen werden.Ich sehe das leider auch immer aus der schlechten Sicht…und leider entspricht es oft der Wahrheit.

  3. Roland LEJEUNE

    Mal gespannt wie lange der „Schrank“ heil bleibt ???

  4. Yves Tychon

    Gäbe es nur immer Bedenkenträger wie die beiden Vor-Kommentatoren, dann würde auf diesem Planeten sich keine positive Initiative entfalten können.

  5. Andrea Fasch

    In Büllingen steht der Schrank – jetzt ein größeres Modell – seit zwei Jahren. Mit hohem Einsatz kümmert sich Roswitha Arens darum, das gelegentlich aufgeräumt wird und auch verderbliche Lebensmittel über einen Kühlschrank im Haus getauscht werden können.
    Alles Miesepetern zum Trotz funktioniert das klasse. Ab und an, wenn es große Mengen gibt, postet Roswitha es in der Facebookgruppe und dies findet großen Anklang.

  6. Roland LEJEUNE

    @Fr. Fasch
    Mein Kommentar hat nichts mit Miesepeterei zu tun; der Fairteiler ist in meinen Augen eine gute Sache. Ich habe lediglich Bedenken geäussert, dass der „Schrank“ nicht lange unversehrt bleiben wird !
    Büllingen funktioniert ja klasse 🙂

  7. Gerlinde Henkes

    Das ist eine hervorragende Idee.
    Und jeder darf also abgeben oder wenn nötig auch mitnehmen.
    In den Städten sind häufig ärmere ,unbekannte Menschen, denen es nicht gut geht.
    Denen kommt es sicherlich zugute,wenn sie dort etwas zum Essen bekommen koennen.
    Tolle Initiative.
    Hoffentlich wird rücksichtsvoll damit umgegangen. Tolle Initiative.

  8. Jean-Pierre DRESCHER

    Für mich einfach selbstverständlich, dass man keine Lebensmittel wegschmeißt, sondern wenns eng wird mit dem MHD, das Zeug gratis unter die Leute bringt. Vorher logischerweise überprüft ob alles in Ordnung ist für den Verzehr.