Spezialbiere sind in – trotz oder wegen Corona?

In den Wirtschaften sind die Zapfhähne leer, auch Restaurants sind geschlossen und Veranstaltungen gestrichen. Doch wer feiern will, der findet einen Weg - auch wenn er nur in die eigene Küche führt. Denn auch da schmeckt ein kühles Bier - und das darf ruhig mal eines sein, das man noch nicht kannte. Dabei sind einige Sorten so beliebt, dass sie selten werden.

Spezialbiere (Bild: Olivier Hoslet/Belga)

Bild: Olivier Hoslet/Belga

Etwa 1.500 Biermarken gibt es in Belgien, darunter mehr als 700 verschiedene Geschmacksprofile: obergärig oder untergärig, leicht oder hochprozentig, von hell bis dunkel und von fruchtig bis sauer. Wenn man sich da durchtesten will, dann reicht ein Jahr Corona-Pandemie nicht aus.

Augustin Peiffer betreibt einen Getränkehandel in Membach und macht seit einem Jahr die Erfahrung, dass die Kunden experimentierfreudig sind. „Wir haben 1.250 verschiedene Sorten im Lager – und jede Woche kommen Leute, um Spezialbiere zu testen“, erzählt er.

Bis vor einem Jahr belieferte Augustin Peiffer hauptsächlich die Gastronomie mit Getränken. Dann kam die Gesundheitskrise und er musste seine Aktivitäten einstellen. Seitdem verkauft er ab Lager – und die Nachfrage ist groß. Wenn sie auch die Verluste durch das fehlende Geschäft mit dem Horeca-Sektor nicht ausgleichen kann.

„Wir haben das machen müssen wegen Corona und mussten eine Entscheidung treffen“, sagt Augustin Peiffer. „Wir haben dann gesagt, dass wir einen Getränkehandel machen werden mit Fokus auf belgische Spezialbiere. Aber der Getränkehandel allein kann das Ganze hier nicht tragen.“

Trotzdem seien belgische Biere seit mehr als zehn Jahren in Mode. Das gilt besonders für die Trappistenbiere, von denen es weltweit nur elf gibt. Fünf davon sind belgisch. Bis vor kurzem waren es sechs. Leider aber musste die limburgische Brauerei Achel ihr Label abgeben, weil der letzte Benediktinermönch die Abtei verlassen hat. Er zog ins Kloster von Westmalle, wo ein weiteres bekanntes Trappistenbier gebraut wird.

Augustin Peiffer hat sie alle im Sortiment, sagt er. Auch das Orval, das nicht nur in Corona-Zeiten eher selten in Supermärkten zu finden ist. Und das liegt nicht nur daran, dass Kenner es kaufen, um es zu lagern – wie einen guten Wein. „Schon vor Corona war es so, dass man nur sehr schwer an Orval kommen kann, denn die Mönche arbeiten zum Leben und leben nicht zum Arbeiten. Sie machen eine gewisse Menge – und dann ist Schluss.“ Viele Leute lagern das Bier jahrelang – und es wird immer besser.“

Wie es klingt, hat die Corona-Krise wenigstens den Bierproduzenten kaum geschadet. Statt in Fässer füllen sie ihre Produkte vermehrt in Flaschen ab. Die Vielfalt bleibt groß – und ermöglicht den Kunden, die ein oder andere Verkostung zu Hause in der Küche zu machen. Vielleicht entpuppt sich der ein oder andere dann demnächst auf der Terrasse als Experte.

jp/mg