Angst vor der „Fusion“: Zusammenarbeit der beiden Krankenhäuser Thema im St. Vither Stadtrat

Die noch frische Bezeichnung eines Generaldirektors für die beiden Krankenhäuser in der Deutschsprachigen Gemeinschaft ist am Mittwochabend auch im St. Vither Stadtrat in der Fragestunde angesprochen worden. Dabei ging es grundsätzlich um die Form der Zusammenarbeit zwischen beiden Kliniken.

Klinik Sankt Josef (Bild: Julien Claessen/BRF)

Die Klinik St. Josef in St. Vith (Bild: Julien Claessen/BRF)

Klaus Jousten von der Fraktion Freches hatte das Thema schon auf der vorigen Stadtratssitzung angeschnitten, als bekannt geworden war, dass sich der Verwaltungsrat der Klinik St. Joseph am Vorabend von der bisherigen Direktorin Ingrid Mertes getrennt hatte. Am Mittwoch nun war am Vormittag der gemeinsame Generaldirektor für die beiden Krankenhäuser in Eupen und St. Vith, Philippe Felten, vorgestellt worden.

Jousten stieß sich aber offenbar an der Kommunikation im Umfeld dieser Entscheidung. Er echauffierte sich, dass Eupens Bürgermeisterin Claudia Niessen, Präsidentin des Verwaltungsrates des Sankt-Nikolaus-Hospitals, schon am Dienstagabend auf Facebook „gejubelt“ habe, wie es Klaus Jousten ausdrückte. Im Klartext: Sie hatte gepostet, dass sie an diesem Abend „einfach nur happy“ sei. Denn gemeinsam mit dem Verwaltungsrat der Klinik St. Vith habe der Verwaltungsrat, dem sie vorsitzt, einen gemeinsamen Direktor für die beiden Krankenhäuser bestimmt. Sie sei sehr dankbar für diese gute Zusammenarbeit.

Jousten störte sich auch an der Äußerung, dass beide Krankenhäuser zusammengenommen rund 1.000 Beschäftigte zählen. Das sei ein deutlicher Hinweis, so Jousten, auf eine „Fusion“, die St. Vither Klinik sei demnach schon „einverleibt“. Und er ließ sich dann noch zu möglichen Defiziten aus. Falls diese dann nicht übernommen würden, werde mit der Schließung von Diensten gedroht, alles schon sehr spekulativ.

Es hat wohl nicht immer ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen beiden Krankenhäusern gegeben, um es mal ganz vorsichtig auszudrücken. Das wird auch eine der größten Herausforderungen des neuen Generaldirektors Philippe Felten sein, wenn er ab 1. Juni sein Amt aufnimmt. Der Fokus richte sich auf eine Zusammenarbeit im Verwaltungsbereich, wie es in der Mitteilung der beiden Verwaltungsräte hieß.

Von einer „Fusion“ könne auch keine Rede sein, erklärte St. Viths Bürgermeister Herbert Grommes, der dem Verwaltungsrat der St. Vither Klinik angehört. Eine Fusion sei schon gesetzlich nicht möglich, weil dafür wiederum beide Krankenhäuser zu weit auseinander liegen. Und sie werde auch nicht kommen, so Grommes.

Aus Sicht der St. Vither Klinik gelte es, so Grommes, so viele Dienste wie möglich zu erhalten – innerhalb des größeren Netzwerks Move, zu dem neben St. Vith und Eupen unter anderem das neue große Lütticher Krankenhaus Mont Légia gehört. Und auch die Klinik in Heusy, die zusammen mit Eupen und St. Vith das „Ostangebot“ des Netzwerks Move bilde, wie es Grommes ausdrückte. Das funktioniere hervorragend, so der St. Vither Bürgermeister. So gebe es demnächst in einer bestimmten Abteilung in St. Vith einen Fachärztemangel, der durch die Zusammenarbeit im Netzwerk aufgefangen werde, indem Ärzte kurzerhand zur Verfügung gestellt werden könnten.

Philippe Felten wird Generaldirektor der beiden Krankenhäuser

Stephan Pesch