Herbert Grommes: 2020 mussten viele Menschen an ihr Limit gehen

Herbert Grommes blickt auf ein Jahr zurück, in dem es gefühlt nur ein Thema gab: Corona. Die Spuren der Krise sind langfristiger Natur. Dennoch blickt der Bürgermeister zuversichtlich auf das Jahr 2021. Die Finanzen der Gemeinde stimmen und es gibt Hoffnung, dass bald wieder Normalität einkehrt, sagt der St. Vither Bürgermeister im BRF-Bürgermeistergespräch.

Herbert Grommes, Bürgermeister von St. Vith (Bild: Chantal Scheuren/BRF)

Herbert Grommes, Bürgermeister von St. Vith (Bild: Chantal Scheuren/BRF)

Ab März war das Leben und die Arbeit in der Gemeinde St.Vith größtenteils von Corona geprägt. Die Maßnahmen des Nationales Sicherheitsrates mussten vor Ort umgesetzt werden, sagt Herbert Grommes: „Es sind sehr schwierige Entscheidungen getroffen worden. Es sind sehr viele Rechte eingeschränkt worden, zum Beispiel die Bewegungsfreiheit. Auf der anderen Seite mussten auch sehr viele Leute an ihr Limit gehen, wenn man an das Pflegepersonal, die Lehrpersonen, das Gemeindepersonal denkt. Sie mussten den Dienst immer wieder aufrecht erhalten.“

Trotz der Corona-Krise sei die finanzielle Lage der Gemeinde exzellent, so der Bürgermeister: „Wir haben niedrige Steuern, nicht sehr viele Schulden und wir können in diesem Jahr einen riesigen Investitionshaushalt auf die Beine stellen, obwohl wir mehr als eine Million Euro weniger durch den Holzverkauf eingenommen haben.“

Projekte und Zuschüsse

Zu den großen und kostspieligsten Projekten in 2021 gehören die Erneuerung des Dorfplatzes in Lommersweiler, des Ascheider Walls in St Vith und die Anbindung des Fahrradweges an das Gemeindewegenetz in Recht. Eine Million Euro werden in die Wasserleitungen nach Lommersweiler und Breitfeld fließen.

An das Pflegepersonal und die Geschäftsleute wurden im Zuge des Lockdowns im März und Ende des Jahren Zuschüsse ausgezahlt: „Durch diese Hilfen versuchen wir, dass auch die kleinen und mittelständischen Betriebe vor allen Dingen nach der Krise wieder voll durchstarten können. Das ist ein kleiner Beitrag, den wir leisten möchten, damit es nach der Krise, die hoffentlich sehr schnell zu Ende sein wird, wieder bergauf geht“, erklärt Herbert Grommes.

Bürgerinitiative

Im vergangenen Jahr wurden am Triangel Überreste einer alten Stadtmauer und einer Burg gefunden. Eine Bürgerinitiative hatte sich für den Erhalt der archäologischen Funde eingesetzt. Die Überreste wurden daraufhin provisorisch unter Schutz gestellt: „Es hat zwei Ausgrabungen gegeben und dort sind grandiose Funde zu Tage getreten. Wenn man sich das anschaut, ist es praktisch die Ostfront der mittelalterlichen Burg, die dort gefunden wurde. Da ist ein wichtiges Element zur touristischen Entwicklung und zur Identitätsfindung“, so  St. Viths Bürgermeister.

Die Bürgerinitiative wird zusammen mit dem Stadtrat eine Arbeitsgruppe einsetzen, um über die weitere Vorgehensweise zu entscheiden: „In der Unterschutzstellung, die durch die Regierung der Deutschsprachigen Gemeinschaft genehmigt wurde, ist von einem Verbot von Bauarbeiten die Rede, wenn die Burgreste dadurch beschädigt werden könnten. Das ist ein erstes Element, um die Burgreste zu schützen“, sagt Grommes.

Ideenlosigkeit

Die Opposition hat der Mehrheit um Herbert Grommes Ideenlosigkeit vorgeworfen. Diesen Vorwurf weist der Bürgermeister entschieden zurück: „Wenn man sich die Stadträte der letzten zwölf Monate anschaut, da hat es sehr viele sprudelnde Ideen gegeben. Wenn ich an Créashop denke, an die Mehrwegbecher, an die Geburtsprämie, die erhöht wurde, an die Stoffwindeln, die eingeführt wurden, das Sprachenferienlager, das kommen wird, die Blumenwiese, die Verlängerung des Kinderferientreffs. Oder zum Beispiel die Stärkung der Dorfkomitees und Dorfgemeinschaften, indem die Infrastrukturzuschüsse deutlich erhöht werden.“

Für 2021 wünscht Herbert Grommes sich sehnlich, dass so schnell wie möglich „Normalität“ einkehrt. Er denkt und hofft, dass die Menschen und Familien sich 2021 wieder treffen können und dass in den Krankenhäusern weniger Patienten behandelt werden müssen.

Chantal Scheuren