Weihnachtssegen für bis zu 100 Personen vor den Kirchen von Kelmis und Hergenrath

Wegen der Corona-Krise können auch zu Weihnachten keine Messfeiern in größerem Umfang stattfinden. Die Gemeindeverantwortlichen in Kelmis haben sich deshalb eine Alternative ausgedacht und eine "Kundgebung" erlaubt. Am 25. Dezember dürfen sich vor den Kirchen in Hergenrath und Kelmis bis zu 100 Personen versammeln, um den weihnachtlichen Segen zu empfangen.

Vor der Kirche in Kelmis wird am ersten Weihnachtstag der Segen gespendet (Bild: Danny Tychon)

Vor der Kirche in Kelmis wird am ersten Weihnachtstag der Segen gespendet (Bild: Danny Tychon)

Ein Weihnachten so ganz ohne kirchlichen Segen und gemeinsames Gebet, das konnte man sich in Kelmis einfach nicht vorstellen. Eine Alternative musste her, erklärt Pastor Jean Pohlen. „Da war eine erste Idee, mit einem Wagen mit Lautsprechern durch die Straßen zu fahren und den Leuten den Segen direkt zu geben. Wir hätten dann auch noch drei Sternsinger mitgenommen, um diese Aktion dieses Jahr etwas bekannter zu machen.“

Aber das Vorhaben erwies sich doch als zu aufwändig, und so ließ man sich in Kelmis kurzerhand noch etwas anderes einfallen. „Die Idee vom Bürgermeister und den Schöffen war jetzt, etwas draußen zu machen unter dem Titel ‚Kundgebung‘. Am Weihnachtstag selbst kurz nach zehn Uhr in Hergenrath und kurz nach zwölf Uhr in Kelmis wird vor den Kirchen der Segen direkt live gespendet.“

Mit Maske und Abstand

Bis zu 100 Personen dürfen sich dann vor den Kirchen versammeln – natürlich mit Maske und mit Abstand. Die Risikoanalyse mit der Polizei ist bereits durchgeführt worden. Diese wird am Weihnachtstag auch vor Ort sein, damit alles in geregelten Bahnen abläuft, erklärt Pastor Pohlen. „Das ist also gewährleistet. Ab 100 ist Schluss, dann können wir keinen mehr zulassen. Die Leute müssen auf Abstand bleiben, wir müssen also auch mit einem Lautsprecher arbeiten, damit es gehört wird.“

Verfahren werde also nach dem Motto „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“, so Pohlen. Dass die Gemeindeverantwortlichen ihn mit der Entscheidung überrumpelt hätten, wie es am Montag im Kelmiser Gemeinderat hieß, konnte der Pastor unterdessen nicht bestätigen. „Nein, das war ein Vorschlag und ich hatte gesagt, dass ich bereit bin, draußen etwas mitzumachen. Es ist ungewohnt, aber es ist doch ein Angebot für die, die es möchten.“

Ein ungewohntes Angebot, das Pohlen aber nicht als Sonderweg der Gemeinde, sondern als Plus bezeichnet. „Es wird auch nicht lange dauern: ein paar Sätze aus dem Weihnachtsevangelium, ein paar Fürbitten, das Vater unser und der Segen. Und nachher sind die Kirchen dann offen, um das Friedenslicht aus Betlehem abzuholen.“

Messen live auf Youtube

Die Christmette an Heiligabend (22 Uhr) und der Gottesdienst am ersten Weihnachtstag (11 Uhr) werden im Internet auf Youtube übertragen. Alles in allem eine sicher ungewöhnliche Weihnacht, auch für den Pastor, der die Krise jedoch auch als Chance sieht, sich auf den christlichen Gedanken zurückzubesinnen.

„Solidarität mit den Erkrankten, den alten Menschen, den Risikogruppen und dem Personal, das ja nach all den Monaten des Einsatzes an die Grenzen kommt – das können wir tun. Menschwerdung Jesu heißt ja auch menschlich umgehen miteinander. Und weil wir alle zusammen eine Mannschaft sind, wie die Politiker sagen, können wir es auch nur gemeinsam schaffen.“

Melanie Ganser

10 Kommentare
  1. Marcel Scholzen eimerscheid

    Konkurrenz für den päpstlichen Segen „Urbi et Orbi“.

  2. Tanja Radermacher

    Ach so sowas wird erlaubt aber den St. Martin zu einer Zeit wo Corona noch nicht so schlimm war, wurde verboten. Wo man sich nach Haushalt hätte gruppieren können. Alles was für Kinder ist wird zerstört aber so ein Humbug wird erlaubt und danach gehen die zahlen wieder hoch. Ich bin dafür auch das zu verbieten und vllt eine tv Schaltung den es heißt doch Gott ist überall also kann man auch zuhause beten

  3. Dieter Leonard

    „Moscheen, Kirchen und Synagogen sind keine Häuser Gottes, sondern Denkmäler seiner Abwesenheit. Sie sind ein Schrei des Bedauerns, dass „Er“ mit der Menschheit nicht kommuniziert und eine Hoffnung, dass er irgendwann „wiederkehren“ könnte.
    (Hamed Abdel-Samad)

    „Die Geschichte des guten Jesus hab ich nun so satt, daß ich sie von keinem, außer von ihm selbst, hören möchte.“
    (Johann Wolfgang von Goethe)

    Wenn man sich auf der Welt umsieht, muß man feststellen, daß jedes bisschen Fortschritt im humanen Empfinden, jede Verbesserung der Strafgesetze, jede Maßnahme zur Verminderung der Kriege, jeder Schritt zur besseren Behandlung der Farbigen oder jede Milderung der Sklaverei und jeder moralische Fortschritt auf der Erde durchweg von den organisierten Kirchen der Welt bekämpft wurde. Ich betrachte die Religion als Krankheit, als Quelle unnennbaren Elends für die menschliche Rasse.
    (Bertrand Russell)

    Frohe Weihnachten!

  4. Frank Jörg Rimbach

    Allen Lesern, Kommentatoren und der Redaktion wünsche ich ein ruhiges und Besinnliches Weihnachtsfest!!!

  5. Lutz-René Jusczyk

    Wenn es den Menschen gutgeht, fragen sie nicht nach Gott.
    Geht es ihnen dagegen schlecht, fragen sie sich: »Wie kann Gott so etwas zulassen?«
    Auch wir Christen können die Theodizee-Frage nicht beantworten, im Unterschied zu Atheisten glauben wir jedoch daran, dass all das Negative nicht das letzte Wort über uns hat, dass es eine höhere Gerechtigkeit gibt und dass sich Gott in den Leidenden finden lässt.
    Das, was wir jetzt erleben, ist in Afrika völlig normal: Epidemien gibt es dort alle paar Jahre; gleichwohl spielt der Glaube für viele Afrikaner eine weitaus bedeutsamere Rolle als für uns.
    Wir Europäer sind Meister im Verdrängen. In dieser Zeit merken wir jedoch, dass es gewisse Fakten gibt, die sich nicht verdrängen lassen. M.E. kommt es darauf an, wie wir mit ihnen umgehen.
    Die Option »Alles wird gut« gefällt mit weitaus besser als »Leiden und Tod haben das letzte Wort über uns Menschen«.
    In diesem Sinne: Gesegnete Weihnachten!

  6. marcel Scholzen eimerscheid

    Werter Herr Jusczyk.
    Zuerst frohe Weihnachten.

    In arikanische Staaten gab und gibt es oft Seuchen. Nur der Coronakrise ist weniger schlimm als ursprünglich befürchtet. Dies ist den Lebensumständen geschuldet (Junge Bevölkerung, Leben findet im Freien statt, geringere Mobilität, kaum Altenheime).

    Zum Beispiel in Kamerun versteht man unter Religiosität etwas anderes als in Europa. Die Menschen, egal welcher Glaubensrichtung, beten zu einem Gott, um Wünsche erfüllt zu bekommen und nicht, um Gottes Willen zu respektieren. Diese Religiosität ist eine Konsequenz der oft ärmlichen Lebensweise. Gott als Weihnachtsmann sozusagen. Und viele vermischen Religionen (Synkretismus), sind gleichzeitig Christ und praktizieren Ahnenkult oder gehen freitags in die Moschee und sonntags in die Kirche. So will man die Chancen auf Wunscherfüllung erhöhen.

  7. Lutz-René Jusczyk

    Keineswegs möchte Ihnen grundsätzlich widersprechen, allerdings bin ich davon überzeugt, dass ein von Aberglauben und Synkretismus gereinigter Glaube in Afrika und Asien weiteraus verbreiteter ist als bei uns. In afrikanischen Ländern, ebenso wie u.a. in Indien oder auf den Philippinen, gibt es bspw. keinen Priestermangel und auch die Ordensgemeinschaften haben keine Nachwuchssorgen.
    Die dort vorherrschende Armut in erster Linie dafür verantwortlich zu machen, greift m.E. zu kurz.
    Eine der größten Herausforderungen für den christlichen Glauben in unseren Breiten sehe ich eher in einem zugeschütteten Konflikt zwischen Glaubensüberzeugungen und den Erkenntnissen der Naturwissenschaften.
    Nehmen Sie bspw. den Glauben an eine unsterbliche Seele, den die Glaubenskongregation 1979 in einem Lehrschreiben bekräftigt hat, und stellen Sie diesen in Beziehung zum Monismus der heutigen Hirnforschung. Oder die Frage: Wie wirkt Gott in dieser Welt? Kann Gott nur durch Wunder aktiv werden, indem er jedes Mal die Erhaltungssätze der Physik verletzt?

  8. Marcel Scholzen eimerscheid

    Danke für die Antwort Herr Jusczyk.

    Gut möglich, dass es in Afrika mehr Anhänger der „reinen Lehre“ gibt als in Europa.Nur wird die Zahl dort wie hier gering sein.Hier weil sich kein Mensch dafür interessiert und in Afrika, weil der Glaube durchsetzt ist mit allerlei afrikanischen Traditionen.In Afrika ist Religion praktische Lebenshilfe, ein Strohhalm, an dem man sich festhalten kann, eine letzte Hoffnung.

    Stimmt, in Indien, den Philippinen gibt es mehr Priester und Ordensleute. Weil es bei uns weniger oder gar keine gibt, kann man nicht von einem Mangel sprechen sondern eher von einer nicht mehr vorhandenen Notwendigkeit.Es geht auch ohne, werden nicht mehr gebraucht.In den Entwicklungsländern wohl, zB im Gesundheits- oder Erziehungswesen. Ist auch für viele eine Lebensperspektive.War früher auch bei uns so.Die Gesellschaft verändert sich und somit auch das Verständnis für Religion.Ich sehe das gelassen.War schon immer so.

  9. Lutz-René Jusczyk

    Werter Herr Scholzen-Eimerscheid, in einem Punkt möchte ich Ihnen widersprechen. Sie schreiben:

    »Weil es bei uns weniger oder gar keine gibt, kann man nicht von einem Mangel sprechen sondern eher von einer nicht mehr vorhandenen Notwendigkeit. Es geht auch ohne, werden nicht mehr gebraucht.«

    Nach katholischem Verständnis ist ein geweihter Priester für die Feier der Eucharistie, dem bedeutsamsten aller Sakramente, notwendig.
    Insofern gibt es durchaus einen Bedarf.

  10. Marcel Scholzen eimerscheid

    Werter Herr Jusczyk,

    Natürlich ist für die Feier einer Eucharistie ein Priester notwendig.

    Nur inwiefern die Menschen noch den Wunsch verspüren, an einer Eucharistie teilzunehmen, ist eine andere Frage.Eine christliche Gemeinde kann auch ohne Priester funktionieren.Es geht auch mit qualifizierten Laien.Ich kann mir gut vorstellen, dass die katholische Kirche in Europa zukünftig eine Laienbewegung wird.Dass nach und nach die Verantwortung von Laien übernommen wird bis in die oberen Ränge.Die katholische Kirche verändert eben ihren Charakter, orientiert sich neu.Das war auch so im Judentum passiert nach der Zerstörung des zweiten Tempels 70 n.Chr. Ab diesem Moment entwickelte sich das rabinische Judentum.Oder nach der Christianisierung des römischen Reiches wurden die antiken Tempel mitsamt den Göttern auf den Schutthaufen der Geschichte geworfen.