Allerheiligen: St. Vith sagt alle Feiern ab

Wegen der dramatischen Situation in St. Vith hat der Pfarrverband dort die Reißleine gezogen und alle Allerheiligen-Feiern abgesagt. Und auch in den anderen Gemeinden versucht man, Menschenansammlungen an Allerheiligen zu vermeiden.

Friedhof in Brüssel (Bild: Laurie Dieffembacq/Belga)

Illustrationsbild: Laurie Dieffembacq/Belga

Eigentlich gab es in St. Vith schon ein Konzept für die Allerheiligen-Feiern auf den Friedhöfen und in den Kirchen. Doch mit dem Blick auf die aktuelle Situation hat das Pastoralteam um Dechant Claud Theiss entschieden, bis auf die normalen Sonntagsgottesdienste alles abzusagen.

„Dadurch, dass ich regelmäßig auf der Covid-Station bin, um Beistand zu geben, habe ich auch einen Einblick in die Situation vor Ort. Das hat uns als Pastoralteam veranlasst, die Entscheidung zu treffen: Wir machen gar nichts“, sagt Theiss. „Keine Feiern in der Kirche, keine Gebetszeiten auf dem Friedhof, um absolut zu vermeiden, dass Familien zusammenkommen, denn das gibt dem Virus so viele neue Chancen, sich weiter zu verbreiten – und das wollen wir absolut vermeiden.“

Die Menschen sollen aber trotzdem die Möglichkeit haben, ihrer Toten würdig zu gedenken. „Wir möchten unsere Kirchen so gestalten, dass sie ein Gebetsambiente haben, wo Kerzen für die Verstorbenen des letzten Jahres entzündet sind, wo jeder Mitchrist hineinkommen kann und einen Gebetszettel findet, um einen persönlichen Gebetsaugenblick zu erleben.

Auch in den vier anderen Pfarrverbänden des Dekanats St. Vith will man große Menschenansammlungen vermeiden. In Amel und Bütgenbach sollen nur die Familien teilnehmen, deren Angehörige seit November 2019 verstorben sind. In Burg-Reuland sind kurze Gebetsmomente auf den Friedhöfen vorgesehen. In Büllingen gibt es wie jedes Jahr eine gemeinsame Messfeier – alles unter den vorgeschriebenen Abstands- und Hygieneregeln.

„Jeder Pastor versucht es in seinem Pfarrverband so zu gestalten, dass das Pastoralteam das verantworten kann“, erklärt Theiss. „Ich bin sehr froh, dass mittlerweile alle verstanden haben, dass, auch wenn Feiern stattfinden, jeder die Sorge trägt, dass die Leute nach den Feiern auf keinen Fall als Familie zusammen kommen zum Kaffee trinken, wie es bisher üblich war.“

Kettenis und Eupen

Diese Sorge hat man in Eupen weniger, weil diese Familientradition in der Stadt weniger stark ausgeprägt ist als in ländlichen Gebieten wie der Eifel. In St. Nikolaus wie in Kettenis finden am Nachmittag wie gewohnt Andachten in der Kirche statt. Der Gang zum Friedhof erfolge dann individuell, erklärt Dechant Helmut Schmitz. „Die Besuche auf dem Friedhof werden sich über den ganzen Tag strecken. Es liegt in der Verantwortung eines jeden, die nötige Vorsicht walten zu lassen und Abstand zu halten“, so Schmitz. „In die Familienfeiern kann ich nicht reinschauen. Da rechne ich natürlich auch mit der Verantwortung eines jeden.“

Auch im Dekanat Eupen gibt es keine einheitliche Regelung, weil auch hier die Gepflogenheiten in den einzelnen Pfarren unterschiedlich sind. „Die haben das auch so geregelt, dass mancherorts die Andachten entfallen und sofort zum Friedhof gegangen wird, dort ein Gebet gesprochen wird und Gräbersegnung stattfindet“, erklärt Schmitz. „An anderen Orten ist dieses Totengedenken in die Sonntagsmesse integriert, werden die Namen der Verstorbenen des letzten Jahres vorgelesen und wird auch individuell zum Friedhof gegangen. Also Menschenansammlungen möchte man vermeiden.“

Ob Messen und Andachten zu Allerheiligen überhaupt stattfinden können, hängt nicht zuletzt auch von den Entscheidungen des Konzertierungsausschusses in Brüssel ab.

Michaela Brück