Videospiele während Corona

Der Lockdown war auch für Jugendliche eine neue Situation. Man durfte kaum nach draußen und hatte auf einmal viel Zeit. Einige haben diese Zeit mit Videospielen verbracht, was an und für sich nicht negativ ist und in gewisser Weise auch das Bedürfnis nach sozialer Interaktion befriedigen kann.

Videospiel (Illustrationsbild: © Bildagentur PantherMedia / Andriy Popov)

Illustrationsbild: © Bildagentur PantherMedia / Andriy Popov

Ob Sportsimulation, Rollenspiel oder Shooter – Videospiele erlauben, in eine Vielzahl von Welten abzutauchen. „Videospiele bieten ganz viele Dinge, die sie für Jugendliche, aber nicht nur für Jugendliche, interessant machen. Das ist Wettbewerb, das ist Spielspaß und Unterhaltung – alles, was Spiele halt bieten“, weiß Gaby Zeimers vom Medienzentrum. „Auch die Brettspiele haben ja ähnliche Funktionen. Man testet sich selber aus, schlüpft in neue Rollen. Das ist also ganz vielfältig.“

Und wenn gängige Freizeitaktivitäten wegfallen, wie es im Lockdown der Fall war, wird nach Alternativen gesucht. „Der Medienkonsum allgemein, bei Kindern, Jugendlichen wie auch Erwachsenen, ist in der Lockdown-Zeit wahrscheinlich gestiegen“, denkt Zeimers. „Was tut man den ganzen Tag, wenn die meisten Freizeitbeschäftigungen und sozialen Kontakte einfach nicht stattfinden dürfen? Dann hat man auf einmal unendlich viel Zeit und ist auch noch auf zu Hause beschränkt. Da ist es relativ logisch, dass man sich dann auch mit Medien beschäftigt. Das muss aber nicht negativ sein. Es hängt ja immer davon ab, wie man sie nutzt.“

Gaby Zeimers (Bild: Medienzentrum)

Gaby Zeimers vom Medienzentrum: „Es hängt immer davon ab, wie man Medien nutzt“ (Bild: Medienzentrum)

Ein höherer Medienkonsum ist also nichts Negatives an sich. Das zeigen auch persönliche Erfahrungen einiger Eltern. „Wir haben auch viele Rückmeldungen von Eltern, die gesagt haben: ‚Wir haben viel mehr mit unseren Kindern gespielt oder zusammen Medien genutzt‘. Das hängt ja immer davon ab, was man dann macht.“

Nicht alle, aber viele Jugendliche suchen über Videospiele auch die Interaktion mit anderen Spielern: ob es nun Freunde aus dem Nachbardorf oder aber Gamer vom anderen Ende der Welt sind. „Das Zusammenspielen ist heutzutage über ganz andere Distanzen möglich als früher, weil einfach online gespielt wird“, so Zeimers. „Auch das bietet ganz viele Möglichkeiten, da sind schon Freundschaften entstanden.“

Daneben kann das Spielen vor PC oder Konsole auch gewisse Fähigkeiten fördern und stärken, wie Kevin Parmentier, Präsident der ostbelgischen E-Sport-Vereinigung bestätigt. „Man hat natürlich ein bisschen das Didaktische im E-Sport, die motorischen Fähigkeiten, die gestärkt werden, und natürlich auch die Kommunikation und Teamfähigkeit. All das wird eigentlich im E-Sport gefördert.“

Computerspiele bleiben allerdings in erster Linie ein Ersatz. Vor allem soziale Interaktion kann dadurch nie komplett ersetzt werden. „Videospiele sind eine Art der Interaktion, aber das persönliche Treffen fehlt irgendwo schon. Und das soll auch nicht verloren gehen, das sollte man auch beibehalten – auch als E-Sportler“, findet Parmentier.

E-Sports East Belgium, ganz links im Bild: Präsident Kevin Parmentier (Bild: privat)

E-Sports East Belgium, ganz links im Bild: Präsident Kevin Parmentier (Archivbild: privat)

Das konnte er auch während des Lockdowns beobachten. Stieg anfangs noch die Zeit vor dem Bildschirm, suchten viele nach Möglichkeit wieder den Weg nach draußen. Die reale Begegnung sei dann eben doch noch etwas anderes. „Ich vergleiche das gerne mit anderen Sportarten: Man kann sich beispielsweise viele Fußballspiele, Basketballspiele oder Handballspiele zu Hause vor dem Fernseher anschauen, aber es ist immer noch ein ganz anderes Erlebnis, das Ganze vor Ort live zu erleben.“

Trotzdem können Computerspiele, auch wegen ihres Aufbaus, Suchtverhalten verursachen. Als Betroffener erkennt man das nicht unbedingt, weswegen der Austausch mit andern Spielern wichtig ist. „Deswegen versuchen wir von E-Sports East Belgium auch, die sozialen Kontakte innerhalb der Gruppe sehr stark zu erhalten. Wenn wir irgendwie entdecken, dass dort ein Problem vorliegt oder jemand wirklich nicht mehr wegkommt vom PC, suchen wir auch das Gespräch und versuchen, die Probleme anzugehen.“

Doch nicht nur Mitspieler und Freunde sind in der Pflicht. Auch für Eltern macht es Sinn, sich mit digitalen Spielen und dem damit verbundenen Verhalten auseinanderzusetzen, wie Gaby Zeimers abschließend betont. „Ich würde einfach das Gespräch suchen und versuchen, herauszufinden, was die Kinder oder Jugendlichen denn gerade an diesem Spiel fasziniert, vielleicht sogar mal zusammen spielen. Dann sind die Kinder beziehungsweise Jugendlichen die Experten und können ihren Eltern was beibringen. Und dann kommt man auch automatisch miteinander ins Gespräch.“

Andreas Lejeune