Endstation Tivoli: Alter Herbesthaler Güterbahnhof wird abgerissen

Es ist schon lange her, dass ein Zug in Herbesthal gehalten hat. Der Bahnhofskomplex, bestehend aus Personenbahnhof und Güterbahnhof, wurde bereits in den 1960er Jahren geschlossen. Nun wird der Güterbahnhof Tivoli endgültig dem Erdboden gleich gemacht. Die SNCB, Eigentümer des Grundstückes, sah die Einsturzgefahr des historischen Gebäudes als ausschlaggebenden Grund zum Abriss.

Bild: Andreas Lejeune/BRF

Der alte Bahnhof in Herbesthal steht kurz vor dem Abriss (Bild: Andreas Lejeune/BRF)

Vom alten Personenbahnhof in Herbestahl ist nicht mehr viel übrig, nun wird dem Güterbahnhof ein ähnliches Schicksal ereilen. Das Haus mit anliegenden Hallen stand in den vergangenen Jahren leer und fiel Vandalismus zum Opfer. Als es dann auch noch hieß, dass das Gebäude einsturzgefährdet sei, beschloss der Besitzer, nämlich die SNCB, es abzureißen.

„Die SNCB hatte in den Gesprächen, die wir mit ihr geführt haben, immer wieder darauf hingewiesen, dass der Hauptmotor für das Tätigwerden an dieser Stelle war, dass die Sicherheit nicht mehr gewährleistet ist“, erklärt Lontzens Bürgermeister Patrick Thevissen. „Und das ist ein Fakt, den wir als Gemeinde auch nicht ignorieren.“

Die Gemeinde hat noch versucht, mit einem Einspruch gegen den Abriss vorzugehen, allerdings ohne Erfolg. So hat man sich der Entscheidung des Eigentümers fügen müssen. „Das Verschwinden des Bahnhofs hier in Herbesthal ist extrem schade, ist aber gleichzeitig nicht vermeidbar gewesen“, so Thevissen. „Die verschiedenen juristischen Schritte, die eingeleitet worden sind, geben dies auch als Ergebnis wieder.“

Doch nicht nur die Gemeinde bedauert, dass dieses historische Gebäude nun verschwindet. Manche stören sich nicht nur an der Entscheidung an sich, sondern auch an dem Umgang mit dem ehemaligen Güterbahnhof. „Man muss das ja als Gesamtensemble hier sehen, das gehört ja alles zusammen. Das ist ein Riesengelände mit einem unglaublichen historischen Wert“, betont der Historiker Herbert Ruland. „Es ist genau wie bei dem Hauptgebäude, als man den Bahnhof nach Welkenraedt verlegt hat, und das Hauptgebäude quasi zum Vandalismus freigegeben hat seitens der SNCB, um nachher zu sagen: ‚Leider müssen wir es abreißen, das ist lebensgefährlich‘. Das selbe passiert jetzt wieder hier.“

Ruland beschreibt das Gelände als „Premium-Geschichtsort der Gemeinde“. Im Ersten Weltkrieg wurde es benutzt, um Soldaten zu verpflegen. Als ehemaliger Grenzbahnhof hielten in Herbesthal Schnellzüge aus Osteuropa und Südfrankreich. Der Bahnhof Herbesthal ist mit vielen Geschichten verbunden.

Damit mit dem Abriss des Güterteils nun nicht alles verloren geht, hat die Gemeinde das ein oder andere Erinnerungsstück sichern können. „Da geht es um Bordsteine der Bahnsteige zum Beispiel, da geht es aber auch um sonstiges Ziegelwerk, was aus der vergangenen Epoche stammt, verschiedene Baustoffe und Blausteinelemente, die wir noch gerne gesichert haben möchten, teilweise auch Gleise und Bahnelemente“, präzisiert Thevissen.

Seitens der Gemeinde möchte man die Erinnerung an diesen Bahnhofsteil hochhalten. In welcher Form das genau geschehen soll, ist noch nicht zu sagen. Was jedoch mit dem Gelände geschieht, liegt einzig in den Händen der SNCB und ist, Stand jetzt, nicht bekannt.

Bild: Andreas Lejeune/BRF

Die Gemeinde Lontzen wollte das Gebäude eigentlich renovieren, hat aber nicht das Geld dafür (Bild: Andreas Lejeune/BRF)

Andreas Lejeune

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Ein Kommentar
  1. Pierre Völl

    Die SNCB hat dieses Arial verfaulen lassen, so wie damals auch der ehemalige Personenbahnhof, um einen Grund zu haben, diese „preußischen Zeitzeugen“ von der belgischen bzw. wallonischen Bildfläche radieren zu können.

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